von Vivienne – Juli 2004
Gottgewollt?
Die Katholische Kirche kann auf eine sehr lange Tradition zurückgreifen, fußt sie doch zu einem nicht unwesentlichen Teil auf dem Judentum, das viertausend Jahre so die Überlieferung auf seinen Erlöser warten musste. Just dieser Erlöser, Christus, löste dann aber im Laufe der Jahre nach seinem Tod eine Spaltung aus. Das Christentum ging aus den Juden hervor, übernahm vieles von seiner Mutter, was beide Religionen aber nicht daran hinderte, sich immer wieder zu bekriegen. Auf die Frage, ob dieser Streit gottgewollt ist, möchte ich hier an dieser Stelle gar nicht eingehen. Vielmehr steht für mich heute etwas zur Diskussion, was von Anfang an fixer Bestandteil der Katholischen Kirche war nämlich die zehn Gebote.
Und da möchte ich mich heute dem ominösen sechsten Gebot widmen, bekannt als Du sollst nicht ehebrechen!. Was sehr unzulänglich ausdrückt, dass man den Menschen, den Gläubigen untersagt, Sex außerhalb eines gewissen Rahmens zu praktizieren. Sex vor der Ehe, Sex mit jemand anderem als dem angetrauten Partner und Sex aus einem anderen Grund als um Kinder zu haben. Du sollst nicht Unkeuschheit treiben! kann man in alten Bibeln noch nachlesen. Dieses Gebot hatte vor zweitausend Jahren, als die Christen jene zehn Gebote, die Moses der Überlieferung nach von Gott erhalten hat, für sich auch übernahmen, durchaus seine Berechtigung. Der Hauptgrund dafür war wohl und das steht unumstößlich fest für mich dass es damals keine Verhütungsmittel gab. Mehr noch, es war nahezu unmöglich, eine ungewollte Schwangerschaft zu vermeiden.
Der tiefere Sinn in diesem Gebot manifestiert sich auch darin, dass eine Frau damals keinerlei Möglichkeiten hatte, sich allein stehend samt ihrem Kind zu versorgen. Berufe gab es für Frauen damals nicht oder kaum, bzw. reichten sie ins horizontale Gewerbe hinein. Auch eine Magd musste damals damit rechnen, vom Gatten ihrer Herrin zur Erfüllung sexueller Wünsche herangezogen zu werden man lese nur im Alten Testament bei Abraham nach! Also im Grunde keine üble Idee, die Familie, den Familienverband und die Ehe hochzuhalten. Wenn auch schon damals ein wenig an der Mentalität der Menschen vorbei. Das Verbotene hat seit ewigen Zeiten seinen Reiz, und junge Leute, Mädels wie Burschen, hatten damals ebenso wenig Lust, bis zu einer möglichen Eheschließung zu warten, um ihre Gefühle oder viel mehr ihre Gelüste auszuleben.
Fazit: uneheliche Kinder hat es zu allen Zeiten gegeben. Selbstmorde von Schwangeren auch. Engelmacherinnen boomten. Die Mütter wurden mit Schmach und Häme überschüttet, die Väter hielten sich dezent im Hintergrund, da eine Vaterschaft damals nicht so wie heute eindeutig nachweisbar war. Womit für mich auch feststeht, dass dieses sechste Gebot im Grunde auch die Sexualität der Mädchen und Frauen kontrollieren sollte. Bis hin zur sozialen Ächtung wenn so ein Fehltritt durch Schwangerschaft publik werden sollte Einer Frau sollte damit auch die Möglichkeit genommen werden, großartige sexuelle Erfahrungen sammeln und damit Vergleiche zwischen ihren möglichen Verehrern anstellen zu können. Vor allem in Bezug auf die Liebesfähigkeit und daraus resultierende Fähigkeiten.
In manchen Kulturen ging und geht man aus diesem Grund noch weiter und lässt die jungen Mädchen beschneiden. Wer nach Verstümmelungen an seinen Genitalien und dem daraus folgenden völligen Verlust der Libido kein Bedürfnis nach Sex hat, der geht nicht fremd und bleibt bei seinem Mann so einfach ist das. Doch zurück zur Sexualkultur der Römisch-Katholischen Kirche. Im Grunde war es also nicht völlig böse gemeint, dass sie ihren Gläubigen eine gewisse sexuelle Enthaltsamkeit predigte, aber eben nicht sehr ergiebig. Und die Zeiten haben sich geändert. Nicht nur, dass der Staat viele soziale Funktionen übernommen hat, es wurden auch etliche ausgezeichnete Verhütungsmethoden entwickelt, angefangen mit der Pille und dem Kondom
Dadurch ist sexuelle Enthaltsamkeit auch kein Muss mehr, weil jeder halbwegs vorsichtige Mensch die Möglichkeit hat, selber eine Schwangerschaft zu verhindern. Egal ob Mann oder Frau. Mithin sollte man meinen, dass sich das sexte Gebot ein wenig überholt hat aber das ist ein Irrtum, zumindest in den Augen der Verantwortlichen unserer Kirche. Alle chemischen Möglichkeiten, eine Empfängnis zu vermeiden, wurden von ihr strikt verboten, als einzige Methode wird die Temperaturmethode zugelassen, die wer von Ihnen hat sie schon probiert? total umständlich ist und zudem alles andere als sicher. Im Grunde eine Farce also, man wird in einen Sündepfuhl gesteckt, weil man verantwortungsbewusst agiert. Ein Kindergarten! Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man sich fast zerkugeln über so viel Naivität.
Vergleichen kann man derartige Regeln eigentlich nur mit einem Gesetz, das Leuten vorschreibt, immer einen dunklen Regenschirm aufgespannt mit sich zu tragen, obwohl es gar nicht regnet. Natürlich schwingt da auch eine gewisse Gesellschaftspolitik mit, von der ich im Zusammenhang mit der Katholischen Kirche schon öfter gesprochen habe. Eine Frau, die ihre Liebhaber frei wählt und ihre sexuelle Lust frei auslebt da sei doch Gott davor! Der Mann ist das Haupt, und die Frau ist die Sünde! Natürlich weisen Krankheiten wie Aids oder Syphilis darauf hin, dass es mit einem gewissen Niveau der sexuellen Kultur teilweise schon sehr schlecht bestellt ist: jeder mit jeder und umgekehrt – kann wohl auch nicht nur die Devise sein, aber diese Problematik wird sich sicher nie völlig vermeiden lassen. Das sind eben Auswüchse. Der Mensch ist halt auch nur Mensch und geht gerne an seine Grenzen
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