Marty Supreme – Bemerkenswerte Filme

Bei der gestrigen Oscar-Verleihung ging dieser Streifen trotz etlicher Nominierungen leer aus, trotzdem zieht dieser Film seine Zuseher von der ersten Minute an in seinen Bann und bei den dichten Handlungssträngen kann es fast passieren, dass einem die Luft wegbleibt ob der ganzen Wendungen…
Das Movie erzählt sehr frei die Geschichte des amerikanischen Tennisspielers Marty Reismann, der in den 50er Jahren für Furore sorgte…

Und ganz offen: sympathisch ist dieser Mann, ein geborener Verkäufer, ganz sicher nicht: manipulativ, verlogen, nie um eine Ausrede verlegen… so kämpft sich der Protagonist durch’s Leben. Er schafft es (fast) immer, sich Vorteile zu verschaffen und die Menschen aus seinem Umfeld zu übertölpeln, oscarwürdig dargestellt von Tomothée Chalamet, der alles aus sich herausholt. Ein Antiheld sozusagen, der einen trotzdem nicht kalt lässt…

Die Handlung lässt sich schwer in ein paar Sätzen umreißen, man möge sie auf Wikipedia nachlesen: https://de.wikipedia.org/wiki/Marty_Supreme . Es sei nur so viel gesagt, dass Marty unbedingt an den Tischtennis-Weltmeisterschaften in Tokio teilnehmen möchte und dafür alles in Kauf nimmt, bis hin zu persönlicher Demütigung. Menschen benutzt er nach Belieben, wechselt seine Positionen ständig und Frauen sind ein beliebiges Werkzeug: die schwangere Freundin Rachel (Odessa A’Zion) wie die alternde Schauspielerin Kay (Gwyneth Paltrow) – sie liegen ihm zu Füßen.

Schließlich soll Marty bei einem Schaukampf in Tokio gegen den japanischen Superstar Endo absichtlich verlieren. Marty stimmt notgedrungen zu, verliert wie geplant und soll dann als Gipfel der Demütigung ein Schwein küssen. Das lässt sich Marty dann aber doch nicht gefallen und er legt vor Publikum offen, dass das Spiel getürkt war. Er erzwingt so ein nochmaliges Spiel auf Augenhöhe, das er nach hartem, emotionalem Kampf für sich entscheidet.

Dann aber muss er zurück in die Heimat: seine Freundin Rachel, die bei einem aberwitzigen Versuch, Marty zu Geld zu verhelfen, angeschossen wurde, hat seinen Sohn zur Welt gebracht. Das bringt den abgebrühten Lügner um seine sonst so stoische Fassung. Er gesteht seiner Freundin die Liebe und das gemeinsame Baby rührt ihn zu Tränen, als er es in seinen Armen hält…

 

Zweieinhalb Stunden dauert dieser Film, der einem einfach sehr nahe geht, obwohl wie gesagt Marty kein Sympathieträger ist. Chalamets Leistung steht außer Frage, auch die anderen Darsteller sind sorgfältig ausgewählt und bestechen in ihrem Part.

Josh Safdie, Regisseur und Produzent, war auch am Drehbuch beteiligt und der Film war in insgesamt neun Kategorien für den Oscar nominiert, aber auch für weitere zahlreiche Filmpreise. Sehenswert, mehr als das, beeindruckend ist er in jedem Fall!

Vivienne

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