von Vivienne – Juli 2004
Sein oder Schein?
Kennt jemand von Ihnen, liebe Leser, den amerikanischen Film Unternehmen Capricorn? Der Streifen entstand in den späten 70er Jahren und befasste sich mit einem sehr brisanten Thema. Der Öffentlichkeit wird weltweit die Landung einer US-Rakete auf dem Mars vorgegaukelt, die ersten tapsigen Schritte der Astronauten finden in einem normalen Studio auf gefärbten Wüstensand statt. Der Grund für die prestigeträchtige Aktion liegt in den fehlenden Mitteln, tatsächlich einen bemannten Raumflug auf den roten Planeten zu starten. Der Trick gelingt wirklich und die ganze Welt fällt darauf herein. Doch ein engagierter Reporter deckt den Betrug schrittweise auf, denn die fünf Astronauten sollen alle sterben, damit sie nichts mehr ausplaudern können
Ein spannend gemachter Film, durchaus sehenswert, und vielleicht werde ich ihn einmal in meinen Bemerkenswerten Filmen genauer vorstellen. Heute allerdings noch nicht. Dass ich mich auf diesen Film beziehe, hat einen anderen Grund. Als ich nämlich gestern Nacht im Internet surfte, fand ich auf der ORF-Seite einen Hinweis zu einem filmischen Beitrag, der im Planetarium Zeiss in Wien im zweiten Bezirk gezeigt wird. Im Mittelpunkt steht die Mondlandung 1969, die einige Verschwörungstheoretiker genauer unter die Lupe genommen haben. Sie vertreten nämlich die Meinung, das auch der erste bemannte Mondflug nur eine Farce war, aus Mediengeilheit inszeniert und um den Russen eines auszuwischen, die in Sachen bemannter Raumfahrt den USA einmal einige Jahre um Längen voraus war.
Die Aufnahmen der bekannten drei Astronauten (Armstrong, Aldrine und Collins) wurden also geprüft, und dabei sollen Ungereimtheiten entdeckt worden sein. Angeblich finden sich dort merkwürdige Schatten, die von Studioscheinwerfern stammen sollen. Eine künstliche Qualitätsminderung sollte derlei kaschieren. Hoch interessant, diese Verschwörungstheorie, und wenn ich ehrlich sein soll: Ich könnte mir gut vorstellen, dass es stimmt, dass damals die ganze Welt gelinkt wurde. Die moderne Medienpräsenz hat es mit sich gebracht, dass wir alle noch viel mehr manipuliert werden können, mehr als je zuvor. Denn dass die Menschen früher auch nicht immer über jedes historische Ereignis im Verhältnis eins zu eins informiert worden sind, dürfte fast jedem klar sein. Wie sagte schon Napoleon? Geschichte ist eine Märe, auf die man sich geeinigt hat.
Wer zahlt oder wer in der Pole Position steht, der diktiert auch, was uns Normalverbrauchern vorgesetzt wird. Stichwort Osama bin Laden. Staatsfeind Nr. 1 in den USA, weltweit gejagt und gehetzt, und doch (noch?) nicht zu fassen. Immer dann, wenn die Gerüchte überhand nehmen, er könnte verstorben sein, taucht ein neues Film- oder Tondokument auf, in dem sich der meistgehasste Mann der Welt zu Wort meldet. Dabei bleiben für mich aber viele Fragen offen: Wenn bin Laden wirklich noch lebt stammt das Band dann von ihm und seinen Anhängern? Oder wurde es von seinen Gefolgsleuten geschickt gefälscht, um die Legende von Osama weiter leben zu lassen? Oder stammt es gar von bestimmten Kreisen in den USA selber, um mit einem künstlich geschaffenen Bösewicht von inneren Problemen ablenken zu können?
Wenn man sich immer wieder mit derartigen Überlegungen auseinandersetzt, könnte es durchaus sein, dass man bald alles Mögliche in Frage stellt oder zumindest manchmal mehr als nötig. Man könnte in dieser Situation etwa auch im Falle der katholischen Kirche Überlegungen anstellen, wer Jesus Christus denn nun tatsächlich war. Um danach durchaus zu dem Schluss kommen, dass er vielleicht doch nicht Gottes Sohn sondern einfach ein geschickter Betrüger war, der die Massen begeistern konnte. Wer weiß es denn schon? Nachweisen lassen wird sich nach so vielen tausend Jahren nichts mehr definitiv. Mir ist auch fern, bei dem einen oder anderen Leser jetzt vielleicht eine Glaubenskrise auszulösen. Ich wollte nur mit diesem kontroversen Beispiel aufzeigen, wie viel wir eigentlich als selbstverständlich annehmen. Und setze zusätzlich dort an, wo unmissverständlich feststeht, dass wir normal Sterbliche zwar Nachrichten rund um die Uhr ins Haus geliefert bekommen, aber im Grunde nicht in der Lage sind, den Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Die eine oder andere Regierung hat schon ihre Gründe, genau diesen oder jenen Eindruck zu vermitteln. Im Land selber oder international.
Die Welt ist so unüberschaubar geworden und sehr komplex. An die Hintergrundinformationen kommt im Normalfall keiner von uns heran. Nur ab und zu ereilt manchen so etwas wie einen Hauch von dem, was Wahrheit sein könnte, aber auch nicht mehr. Und deshalb sollten wir uns bei allem Interesse für die Vorgänge auf der dieser Welt wohl vermehrt an unser ureigenstes Umfeld halten, das noch am ehesten Sein und nicht Schein darstellt. Unsere Kritikfähigkeit ist das Wichtigste, was wir haben und uns zu informieren mit dem gleichzeitigen Wissen, dass wir auch völlig falsch liegen können, sollte schon unser oberstes Anliegen sein. Obwohl ich mir immer wieder auch überlege, dass es wohl am Besten wäre, sich um überhaupt nichts mehr wirklich zu kümmern sondern nur einfach in den Tag hinein zu leben: nichts sehen, nichts hören, nicht zu viel denken! Alles in Frage stellen kostet nämlich nicht nur Kraft sondern auch Nerven und Schlaf
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