Am Ende – Gedankensplitter

Das hast du nicht gedacht.
Als du zum Arzt gingst.
Reine Routine.
Das hast du geglaubt.
Das hast du dir eingeredet.
Mehr als alles andere.
Denn irgendwie.
Du hattest schon ein mulmiges Gefühl.
Das du aber verdrängt hast.
Was soll schon sein?
Hast du dir selbst gedacht.
Man wird einfach alt.
Wehwehchen.
Nicht mehr…
Aber der Arzt.
Er hat dich anders angesehen.
Anders als sonst.
Und da war deine Angst.
Ganz plötzlich.
Sie befiel dich.
Wie ein Fieberschauer.
Und du hast gezittert.
Als er zu reden anfing.
Ohne die üblichen Scherze.
Da war das Röntgenbild.
Und dieser Schatten…
Nicht operabel.
Und damit musst du jetzt leben.
Denn du wirst sterben…

Du hast ihm kaum zugehört.
Als es heraußen war.
Das Ungeheuerliche.
Was kann man da tun?
Deine Hilflosigkeit.
Sie ging unter.
In seinen Gemeinplätzen.
Chemotherapie.
Bestrahlung.
Zur Lebensverlängerung.
Unheilbar…
Du bist ins Wirtshaus.
Danach.
Die Menschen.
Das Leben da draußen…
Alles wirkte unecht.
Das Bier.
Es hat dir nicht geschmeckt.
Und als du plötzlich wieder husten musstest.
Da hast du es stehen lassen…

Der Tod.
Du bist ihm gern ausgewichen.
In deinem Leben.
Wenn er Freunde geholt hat.
Liebe Menschen.
Verwandte.
Du hast ihn nicht heran gelassen.
An dich.
Mit ihm.
Mit dem Kalten.
Dem Unaussprechlichen.
Dem Furchtbaren.
Wolltest du nichts zu tun haben.
Nein.
Und er…
Der Tod.
Er hat es registriert.
Gelassen.
Denn er wusste.
Seine Zeit kommt.
Und jetzt ist sie da.
Während deine.
Abgelaufen ist.
Beinahe.
Ein halbes Jahr noch.
Bis Weihnachten.
Vielleicht.
Der Tod.
Man kann ihm nicht entgehen.
Und du fürchtest ihn so.
Alles vorbei…
Keine Träume.
Keine Pläne mehr.
Am Ende…

Hättest du nur öfter.
Gesprochen mit ihm!
Du hättest erkannt.
Dass nichts Schreckliches an ihm ist.
Gar nichts…

Vivienne/Gedankensplitter

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