An Tagen wie diesen… – Aus dem Leben

So ein schöner, fauler, verregneter Samstag! Ja, das dachte ich mir gestern… Ein gemütlicher Tag schien sich anzubahnen und als ich mich nach dem Frühstück auf den Weg in die Innenstadt machte, wies noch nichts darauf hin, dass ich bald ordentlich fluchen würde… Am Automaten der Linzer Linien an der Haltestelle hatte ich geplant, mir die neue Monatskarte zu kaufen. Geplant – der Automat war aber außer Betrieb. Also musste ich zurück zur Trafik stiefeln um die Monatskarte dort zu besorgen. Allein, die Bankomatkasse funktionierte dort nicht! Ein Stoßgebet zum Himmel! Was jetzt? Auf zum Supermarkt in der Nähe wo sich ein Bankomat befindet und dort bekam ich ganz schnell Geld. Schnaufen! Zurück zur Trafik, wo die beiden arroganten Schnepfen von vorhin jede Schuld von sich wiesen. Ihre Bankomatkasse wäre in Ordnung… Naja, zumindest bekam ich meine Monatskarte. Zurück zur Straßenbahnhaltestelle, Karte entwertet und welch ein Wunder! Eine Straßenbahn fuhr ein, ich stieg ein und setze mich: schweißnass, heftig atmend und müde… wo war mein beschaulicher Samstag geblieben?

Sie kennen solche Geschichten sicher, liebe Leser. An gewissen Tagen sollte man nicht selbstverständlich erwarten, dass alles so laufen wird, wie man es sich vorgestellt hat. Der Badeurlaub einer Bekannten in Kärnten fiel auch ins Wasser. Vierzehn Tage Regen! Also nur im Foyer des Hotels rumhängen, ein wenig shoppen und viel Langeweile. Selbst wenn sich einmal die Sonne zeigte, war es doch viel zu kühl, um in die Fluten des Sees zu gleiten. Eine raue Brise wehte nämlich fast den ganzen Tag… Statt beneidenswerter Bräune nur noble Blässe… Ich erinnere mich, die gute Frau jammerte noch nach einem Jahr und ihre Enttäuschung wurde trotz der vielen inzwischen vergangenen Monate kaum gemildert…

Pech ganz anderer Art hatte eine Cousine von mir. Sie hatte vor Jahren nach einer langen Affäre beschlossen ihren Mann zu verlassen. Die Kinder waren längst erwachsen und mit ihrer „besseren“ Hälfte hatte sie sich auseinandergelebt. Meine Cousine hatte einen genauen Plan gehabt, von einer Kur in Bad Tatzmannsdorf, wo sie ihren Geliebten treffen wollte, nicht mehr in die gemeinsame Wohnung zurückkehren. Sie hatte die Rechnung aber ohne ihren Geliebten gemacht, der viel zu träge war, um sich zwischen seiner Familie und seiner Geliebten zu entscheiden… Als es hart auf hart ging, fiel er ihr in den Rücken. „Es geht nicht – wegen der Kinder!“ Diese Aussage war eine leicht durchschaubare Umschreibung für seine eigene Feigheit und Rückgradlosigkeit. Meine Cousine brauchte Monate um sich von dem Debakel zu erholen: sie blieb bei ihrem Mann, gab aber dafür konsequent dem Geliebten den Laufpass… Der ganz sicher nicht der Richtige war, das wusste sie jetzt.

Meistens kommt es anders… Solange noch kein wirkliches Malheur passiert, kann man mit ein paar Pannen leben, auch wenn sie geballt kommen. Eine mittlere Katastrophe kann es werden, wenn einem die Angebetete deswegen davon läuft… So passiert bei einem alten Freund von mir, der sich für das Date mit seiner Angebeteten besonders in Schale geworfen hatte. Auf den letzten Metern zu ihr stieß ihn ein Radfahrer nieder und beging Fahrerflucht. Der Freund von mir stürzte, fiel in eine größere Pfütze. Als er sich wieder aufrichtete, war er völlig verschmutzt und die neue Hose hatte am Knie ein Loch. Dort blutete er heftig. Außerdem war er benommen. Ein paar Leute riefen den Notarzt und er landete in der Ambulanz des nächsten Spitals. Erst dort, als er langsam wieder klar denken konnte, fiel ihm sein Date wieder ein. Aber die gute Frau hob am Handy nicht ab, als er anrief. Erst Tage später konnte er ihr erklären, warum er sie versetzt hatte, aber das spielte keine Rolle mehr. Sie hatte sich schon anderweitig getröstet… „Hatte wohl alles seinen Sinn!“ ist dieser Freund von mir nach wie vor überzeugt. „Es sollte nicht sein und vielleicht sollte ich dem verrückten Radfahrer sogar dankbar sein… Wer weiß!“

Eigentlich hat er Recht, mein philosophischer Freund. Meine ich ernsthaft. Und wer weiß, was mir erspart geblieben ist, weil ich gestern erst eine Dreiviertelstunde später als geplant in die Innenstadt kam. Womöglich wäre mir ja jemand über den Weg gelaufen, den ich nicht unbedingt in meine Abendgebete aufgenommen habe… Oder gar, wer weiß! Vielleicht hätte mich ein Auto überfahren – man ahnt es nicht. Man sollte halt ein paar Malheurs in Folge nicht gleich zu einer mittleren Katastrophe hochstilisieren… Silvester letzten Jahres war meinem Schwager auf der Heimfahrt von der Arbeit auf der schmalen Straße ein anderer Wagen entgegen gekommen. Er konnte nicht mehr richtig ausweichen, aber den Blechschaden kommentierte er recht trocken… „Verbogenes Blech lässt sich richten!“

Das trifft den Punkt… auch an Tagen wie diesen…

Vivienne

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