Anonym – Gedankensplitter

Regina.
Sie stand im Bad.
Der neue Spiegel.
Er hing an der Wand.
Und er gefiel ihr.
Ausnehmend gut.
Sie freute sich schon.
Auf das Schaumbad.
Heute Abend.
Ihre Badewanne.
So komfortabel groß…
Der Umzug.
Er hatte sich gelohnt.
Sie streckte sich.
Das Leben auf dem Land.
Es war unerträglich geworden.
Die bigotten Weiber!
Das ewige Getratsche.
Sie seufzte…
Nein.
Wenn man das hasst.
Dann ist es eine Qual.
Und für sie.
War es eine Qual geworden.
Immer mehr…

Regina.
Sie lag auf der Couch.
Blätterte eine Zeitschrift durch…
Das tat gut…
Fünfunddreißig Jahre war sie.
Durchaus annehmbar anzusehen.
Keine Schönheit.
Aber wer war das schon?
Groß geworden.
In der Provinz.
Mit zwei Geschwistern.
Ein wenig eigenwillig.
War sie immer schon gewesen.
Und nach einer Familie.
War ihr nie gewesen.
Keine Kinder!
Und ihre Beziehungen.
Die hielten auch nicht.
Ihre Geschwister heirateten.
Und die Leute im Dorf.
Sie begannen.
Sich das Maul zu zerreißen.
Über sie.
Immer öfter.
Dass sie lesbisch wäre.
Dass mit ihr.
Etwas nicht stimmte…
Dass man da nachhelfen müsste.
Ein paar Idioten.
Sie waren sich nicht zu blöd.
Heiratskandidaten zu organisieren.
Verkrachte Junggesellen.
Oder notgeile Geschiedene.
Vor denen man nur flüchten konnte.

Ein Glas Orangensaft.
Frisch gepresst.
So fruchtig…!
Irgendwann.
Hatte es ihr gereicht.
Das scheinheilige Volk.
Das sie drängen wollte.
Zu ihrem Glück.
Grüßte nach außen honigsüß.
Und schimpfte hinterrücks.
Unmöglich!
Wie man so stur sein kann!
Ewig.
Bleibt sie auch nicht jung.
Und dann jammert sie.
Weil sie alleine ist!
Eine Frau.
Braucht einen Mann und Familie.
So war es immer!
Sie wusste es.
Im Sommer.
War sie geplatzt.
In ein Gespräch.
Von ein paar dieser Tanten…
Blutrot.
Waren die im Gesicht geworden.
Die Schachteln.
Als die sie bemerkt hatten…
Da hatte es ihr gereicht.
Die Wohnung in der Stadt.
Die bekam sie.
Innerhalb von ein paar Monaten.
Und nun.
Konnten sie ihr gestohlen bleiben!
Sie freute sich.
Auf ein neues Leben.
Mit ein wenig Anonymität…

Vivienne/Gedankensplitter

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