Aus dem Tagebuch über unsere Katzen – Teil 20

Hugo war erst ca. 5 Wochen alt, als wir ihn bekommen haben. Mit insgesamt ca. 3 Monaten waren wir dann, wie bei seinem Vorgänger, bei dieser mobilen Tierärztin, die sehr nett ist, um ihn kastrieren zu lassen. Es war fast ein Wunder, man hat ihm die Operation – wahrscheinlich weil er noch so klein war – gar nicht angemerkt, nicht einmal die Narkose, er war frisch und munter hinterher. Dazu hatte er noch eine Art Spritze gegen Würmer, Zecken, Flöhe und Milben (im Ohr) bekommen. Sie sagte uns aber gleich, das Kastrieren ist überhaupt keine Garantie gegen das Streunen, weit weg Laufen, aber der Urin wird nicht ganz so schlimm riechend, und sie markieren ja sonst überall hin. Am besten hilft nur, viel einsperren.

Eine Geschichte war absolut witzig, das heißt, sie hätte schlimm ausgehen können: Die Pflanzenbörse, wo jeder Private Pflanzen und Sträucher aus seinem Besitz kaufen und verkaufen kann und wo ich auch einen Stand hatte, war wieder in der Schule im Ort, und mein Mann holte mich, als sie zu Ende war, mit dem Anhänger wieder ab. Wir gerade räumten die übrig gebliebenen Pflanzen ein, doch was war das? Tina lief weinend zu mir und schrie, Hugo wäre hier und auf der Straße! Zu unserem Glück konnte ihn eine Frau einfangen, er ist ja eigentlich sehr zutraulich – zum Beispiel rammt er auch jedem Fremden, sich streckend, die Krallen in die Beine, was so viel wie ein freundliches Hallo bedeutet, aber oft nicht so gut ankommt – aber wenn er fangen spielen will, was ja recht oft der Fall ist, dann ist es schier unmöglich ihn zu kriegen. Jedenfalls muss Hugo irgendwie am Auto bzw. Anhänger mitgefahren sein! Zum Glück sind wir wieder gut mit ihm heimgekommen, diesmal IM Auto!

Ein anderes mal habe ich, als es schon dunkel war, immer wieder verzweifelt und erfolglos nach ihm gerufen, bis ich endlich vom Bach an der Nordseite unseres Grundstückes her ein leises Miauen vernahm, dem ich folgte. Er war tatsächlich über den Bach gesprungen und traute sich nicht mehr herüber, obwohl dieser an der schmälsten Stelle nur einen halben Meter breit und etwa 10 cm tief ist. Hugo miaute herzergreifend. Ich hatte mir eine Taschenlampe geholt, und versuchte, ihn damit zur schmälsten Stelle und von dort herüber zu locken. Doch er verstand das nicht. So versuchte er, auf einen strauchartig wachsenden Baum zu klettern, um so über die dünnen Äste den Bach überqueren zu können, was niemals klappen hätte können. Und während er immer wieder zum Erbarmen miaute, rutschte er gar noch ab und fiel in den Bach! Doch anstatt durchzuwaten, weil er ohnehin schon nass war, ging er wieder auf der anderen Seite an Land, weil sie näher war, und miaute weiter. Schließlich stieg ich über unseren Zaun dort, tastete mich im Dunkeln über das nasse Laub und das abschüssige Gelände zum Bachbett hin, sprang darüber und holte den traurigen nassen Kerl selbst, was ihn überschwänglich freute – ein Wiedersehen wie zwischen Mutter und Kind! Danach hatte er stundenlang an sich zu lecken, bis er wieder trocken war.

Vor kurzem war noch eine Sache, er war den ganzen Tag drin, nur am Abend, als es schon finster war, ließ ich ihn raus. Doch er war nach einer halben Stunde wieder da und humpelte jetzt leider stark auf der rechten Vorderpfote. Was passiert war, kann ich nicht sagen, aber er geht jetzt zum Glück schon wieder fast normal. Am Tag der Geburtstagsparty meiner jüngsten Tochter – ich hatte noch genug mit den letzten Gästen und den Aufräumungsarbeiten zu tun – kam Hugo am Abend völlig schwarz-ölig und stinkend nach Hause. Ich dachte zuerst, er würde sich selbst darum kümmern, aber als ich den Gestank nicht mehr aushielt, und auch Hugo sich nach nur einem Lecker immer wieder angewidert abwandte, badete ich ihn im Waschbecken. Das Problem war nur, dass er Wasser nicht mag, und mich bei ähnlichen Gelegenheiten, wenn er zum Beispiel nach Durchfall schmutzig war und ich ihn wusch, schon oft aus Angst sehr schlimm gekratzt hatte. Diesmal wandte ich den Trick an, ihn am Genick zu halten, was die Katzen so was wie willenlos macht – wie sie auch die Muttis tragen, um sie in Sicherheit zu bringen. Es war halt trotzdem nicht einfach, ihn mit nur einer Hand zu waschen, einzuseifen und wieder zu waschen. Und abtrocknen ließ er sich schon gar nicht, sondern leckte wieder die halbe Nacht…

Wegen dem Durchfall bin ich aber teilweise selber schuld. Wasser mag er nicht gern trinken, am Anfang brauchte er ohnehin noch gewässerte Milch (Katzenmilch kaufe ich nicht), die Magermilch mochte er auch nicht, und die fette ist Gift für ihn, aber sie schmeckt ihm so! Mittlerweile habe ich ihn zumindest an die Magermilch halbwegs gewöhnt, und ich habe ihm, sparsam dosiert, Hylak-Tropfen für Menschen gegen Durchfall gegeben, um nicht schon wieder zum Arzt zu müssen, und es hat geholfen. Nur wenn die Kinder wieder etwas von der fetten Milch übrig lassen, und ich möchte sie nicht wegschütten, dann lasse ich mich dummerweise wieder erweichen, denn Hugo freut sich so, und habe dafür wieder das gleiche Stuhl-Problem. Oder er darf von unserem Mittagessen kosten (Gewürze sind auch Gift), und dann sehen wir wieder, wie unklug das war, wenn auch gut gemeint. Zu Anfang ist er ja immer total durchgedreht, wenn er gesehen und gerochen hat, dass wir essen. Da hat er ununterbrochen  miaut, als ob er geschlagen würde. Das habe ich ihm eben mit Konsequenz und Belohnung fürs Nicht-Miauen abgewöhnt, auch wenn es vielleicht ein Fehler war.

Lange Zeit spielte Hugo am liebsten mit den Hydrokultur-Kugeln, die ich aus optischen Gründen und später aus Schutz, damit er nicht immer in der Erde gräbt, in die großen Blumentöpfe auf dem Boden gegeben habe. Bald holte er sie selbst heraus, und es war eines der wenigen Spiele, deren er sehr lange nicht überdrüssig wurde. Das Problem war, dass sie dabei schnell unter irgend welche Möbel rollten, wo sie nur mehr schwer rauszukriegen sind, bzw. hätten wir bald nichts anderes mehr zu tun gehabt. Das Witzigste war aber, als ich registrierte, dass er sich die Kugeln nahm und damit ins Bad verschwand, wenn die Tür offen stand. Er trug sie im Maul, sprang auf die Badewanne und ließ die Kugel hineinfallen. Dort spielte er bald am liebsten damit, weil die Kugel nicht verloren gehen konnte und auch noch immer wieder schön zurückkam, wenn er sie wegstieß! Wie schlau doch Katzen sind! Selbst jetzt kann keine Murmel im Kinderzimmer herumliegen, ohne dass er damit abhaut. – bis sie wirklich verschwunden ist. Sehr gerne lässt er alle Arten von Kugeln auch in den vorne geschlossenen Hausschuh meines Mannes gleiten, um dort, wo sie schwer zu kriegen ist, so was wie ‚Fang die Maus’ zu spielen. Apropos Maus, leider hat er noch keine gebracht. Dazu ist er wahrscheinlich noch fast zu klein, außerdem zu wenig draußen, auch zu langsam, und es werden wohl im Winter nicht so viele unterwegs sein.

(C) Sarkastika

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