Diebstahl in Österreich

In der Vergangenheit bekam ich immer wieder leidige Geschichten über Diebstahl in öffentlichen Verkehrsmitteln oder in diversen Lokalen zu hören. Wie etwa ganze Handtaschen samt Inhalt verschwanden oder Geldbörsel einfach aus der Hosentasche „gezogen“ wurden. An den Bericht einer ehemaligen Kollegin vor vielen Jahren kann ich mich da besonders gut erinnern. Neben Schimpftiraden auf den gemeinen Dieb bekam ich auch ganz genau geschildert, dass ihr über tausend Schilling, die Monatskarte bei den Linzer Linien und der Führerschein abhanden gekommen waren. „Ersticken soll er an dem Geld!“ ließ mich die Alleinerzieherin voller Bitterkeit wissen und ich konnte ihren Unmut durchaus nachvollziehen. Wie diese Frau sich aber wirklich gefühlt haben musste, davon bekam ich erst Anfang Februar dieses Jahres erstmals eine Ahnung. Als mir selber nämlich in einer übervollen Straßenbahn der Linie 2 ein Unbekannter meine Geldbörse aus der Handtasche entwendete…

Die Tat ist mir sehr genau in Erinnerung, auch wenn ich den scheinbar tollpatschigen Kerl, der mir während der Fahrt völlig unmotiviert in den Rücken fiel und dabei geschickt meine Handtasche öffnete und die Geldbörse herausnahm, nicht sofort als frechen Dieb identifizierte. Erst eine Viertelstunde später, ich stand bereits vor dem Wohnblock und kramte nach dem Schlüssel, begriff ich, dass der Typ in der Straßenbahn ganz sicher nicht unabsichtlich gestolpert war. Nach dem ersten Schock klärte ich noch, dass ich die Geldbörse nicht irrtümlich in einer Apotheke im Zentrum vergessen hatte, dann ließ ich sofort die Bankomatkarte sperren. Eine halbe Stunde später befand ich mich schon auf der Polizeidienststelle, um den Diebstahl zu melden. Abgesehen von der ziemlich verzichtbaren Äußerung eines älteren Beamten, warum ich mir denn die Geldbörse stehlen hätte lassen, wurde ich dort recht kompetent betreut. Gott sei Dank, hatte sich bis auf etwa 90 Cent kein Geld in der Börse befunden.

Wenn ich ehrlich bin, ich hatte von Anfang an das unbestimmte Gefühl, dass die ganze Geschichte irgendwie ein gutes Ende nehmen würde, nennen Sie es nun weibliche Intuition oder wie Sie sonst meinen. Trotzdem war ich mir eines gewichtigen Problems bewusst. Ich hatte kein Geld in der Wohnung, ich befürchtete aber, dass ich ohne Ausweis kein Geld in der örtlichen Postfiliale bekommen würde, weil ich dort nicht persönlich bekannt war. Und mein einziger gültiger Ausweis, der Führerschein, befand sich eben in der gestohlenen Geldbörse. Mir war zwar bei einem Telefonat mit dem Hauptpostamt zugesagt worden, dass ich mit Hilfe der Diebstahlsanzeige normalerweise Geld beheben können müsste, aber wie ich geahnt hatte: die Post-Beamtin, der ich mein Anliegen am nächsten Morgen vortrug, hielt nur kurz Rücksprache mit dem Filialleiter, der meinte, ich dürfe kein Geld erhalten. Ohne mit mir zu reden oder sich persönlich zu informieren… Ich wies die Frau ziemlich aufgebracht darauf hin, dass mich ihre Entscheidung um meinen Job bringen würde, weil sich auch mein Fahrausweis – Sie ahnen es schon – in der Geldtasche befand. Und ohne gültigen Fahrschein könnte ich auch nicht in die Arbeit fahren… Eine andere Postbeamtin, die zufällig Zeugin des Gesprächs geworden war, „erbarmte“ sich daraufhin meiner. Sie nahm das Ganze „auf ihre Kappe“ und gestand mir zu, einmal €70,00 abzuheben.

Damit war ich meine gröbsten Sorgen vorerst einmal los, andererseits hielt ich es für sehr unwahrscheinlich, hier noch einmal ohne Ausweis Geld zu erhalten. Mein Reisepass, den ich sonst noch vorweisen hätte können, war aber schon seit längerer Zeit abgelaufen und außerdem im Zuge meiner Übersiedlung nach Linz in irgendeiner Schublade verschollen. Ich musste mir daher so schnell wie möglich ein Führerscheinduplikat ausstellen lassen. Meine Familie erklärte sich bereit, mir ein wenig Geld dafür zu borgen. Ich fuhr also noch am nächsten Freitagnachmittag zu den Verwandten und erkundigte mich zudem über alle Modalitäten, die für eine Neuausstellung des Führerscheins hierzulande notwendig sind… Als ich allerdings am selben Abend wieder aus dem Mühlviertel heimkehrte, fand ich in der Post bereits ein amtliches Schreiben des Magistrat Linz: im Fundamt war meine Geldbörse abgegeben worden, und so weit nachvollziehbar, hatte sich außer dem Kleingeld noch der gesamte Inhalt darin gefunden… Ein kleines Wunder, ich gebe es zu, fast unglaublich, aber als ich nach dem Wochenende das Fundamt aufsuchte, bestätigte sich alles. Lediglich das Geldbörsel war völlig zerfleddert, weil der Dieb verzweifelt nach Geld gesucht haben musste. Doch selbst die gesperrte Bankomatkarte, der Führerschein und die Monatskarte waren nicht herausgenommen worden…

Als der Dieb realisierte, dass er eine Niete gezogen hatte, hatte er wohl die Geldbörse wütend weggeworfen. Einem ehrlichen Menschen, dem ich hiermit noch einmal unbekannterweise danken möchte, fiel das gute Stück dann in die Hände oder vor die Füße und er dürfte sie dann ins Magistrat gebracht haben… Zweifellos habe ich großes Glück gehabt, mein „Schaden“ – sofern man in dem Zusammenhang davon reden kann – betrug alles in allem nicht einmal €20,00 für diverse Gebühren bei der Bank und zusätzliche Fahrscheine bei den Linzer Linien. Und wenn ich den Vorfall nach gut zwei Monaten rekapitulieren lasse: wirklich sauer stieß mir einzig das Verhalten der ersten Beamtin in der PSK-Filiale meines Wohnviertels auf. Ich denke, für etwas komplexere Fälle wie meine sollten sich alle Banken eine sinnvolle Lösung überlegen. Man ist sich dort nämlich anscheinend nicht bewusst, dass man einzelne Menschen mit derartig sturem, unmenschlichen Verhalten im Extremfall um ihre Existenz bringen kann… Da gehört angesetzt!

© Vivienne

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