Du meinst, ich hab auf dich gewartet?

Du warst meine große Liebe.
Dachte ich.
Für dich.
Habe ich so viel geopfert.
Was mir lieb und teuer war.
Ich wollte da sein.
Für dich.
Um deiner Liebe Willen.
Aber dir…
Dir war ich nicht so wichtig.
Nie wirklich.
Das meine ich.
Heute.
Mit der Distanz der Jahre.
Du warst weg.
Auf einmal.
Hast mich sitzen lassen.
Mit den Schulden.
Einem halb fertigen Haus.
Und Sorgen…
Manchmal dachte ich.
Ich würde es nicht schaffen.
Aber ich stieß mich frei.
Ich stand wieder auf.
Und als ich Zeit hatte nachzudenken.
Wie du mich verlassen hattest.
Und wie sehr ich dich geliebt hatte.
Wurde ich krank.
Krank aber frei.
Doch ich wurde gesund…

Heute stehst du da.
Mit gewinnendem Lächeln.
Ein wenig dicker bist du geworden.
Aber du siehst noch ganz gut aus.
Und du möchtest auch so wirken.
Auf mich.
Attraktiv.
Liebenswert.
Ich habe dich nicht gebeten.
Mich zu treffen.
Nein.
Du bist plötzlich da gestanden.
Nach über sechs Jahren.
Charmant.
Als wäre nichts gewesen.
Du musst wohl glauben.
Ich hätte eine Amnesie.
Ich hätte vergessen.
Was passiert ist.
Was du mir angetan hast.
Natürlich.
Es sind einige Jahre vergangen.
Einige.
Aber gewisse Dinge.
Die verjähren nie.
Nein.
Besonders.
Wenn man so unverfroren ist.
Wie du.
Du meinst wohl.
Du könntest mich um den Finger wickeln.
Wie einst.
Was bist du nicht selbstverliebt!

Jetzt muss ich fast lachen.
Als ich nach Hause gehe.
Über dein Gesicht.
Und wie es zerfloss.
Bei meinen Worten.
Du warst sauer.
Wütend.
Enttäuscht.
Überrascht.
Alles auf einmal.
Du warst ein Anblick für Götter.
Unglaublich.
Du glaubtest doch wirklich.
Ich hätte auf dich gewartet!
Auf dich!
Schmierenkomödiant!
Ich hatte vieles auf den Lippen.
Gesagt hab ich nur wenig.
Letztlich.
Was interessierst du mich?
Kein bisschen mehr.
Und es war nicht schwer.
Ersatz zu finden.
Für dich.
Als mein Leben wieder im Lot war.
Aber jetzt weißt du es ja!

Vivienne/Gedankensplitter

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