Du solltest ein Sohn sein.
Eigentlich.
Denn ein echter Mann.
Der hat einen Sohn.
Du solltest ein Sohn sein.
Eigentlich.
Und dein Vater.
Er war furchtbar enttäuscht.
Weil du kein Sohn warst.
Enttäuscht.
Und wütend auf dich.
Verziehen.
Hat er es dir nie.
Obwohl du Fußball gespielt hast.
Mit ihm.
Obwohl du versucht hast.
Ein halber Sohn zu sein.
Zumindest.
Aber du hast es nicht geschafft.
Wie auch?
Du warst ein Mädchen.
Und Puppen.
Die hattest du viel lieber.
Als Fußballschuhe.
Eigentlich.
Schuldig.
Du hast dich schuldig gefühlt.
Immer.
Weil du kein Sohn warst.
Sondern eine Tochter.
Und wenn du versucht hast.
Sohn zu spielen.
Hast du versagt.
Früher oder später.
Nicht wirklich.
Aber in den Augen deines Vaters.
Da warst du nie perfekt.
Du warst ein Mädchen.
Du warst seine Tochter.
Du warst nicht wie er.
Du konntest nichts dafür.
Genau genommen.
Gestraft.
Hat er dich trotzdem.
Mit Liebesentzug.
Er strafte dich.
Ungerecht.
Unfair.
Und doch.
Hast du gekämpft.
Um seine Liebe.
Mehr als alles andere.
Doch er wollte dich nicht…
Dein Leben.
Es war schlimm.
Bis du begriffen hast.
Dass es nicht dein Fehler ist.
Sondern sein Fehler.
Dich nicht zu nehmen.
Wie du bist.
Heute bist du.
Wie du sein möchtest.
Und du hasst Fußball.
Und du liebst hübsche Kleider.
Und dein Haar.
Du trägst es lange.
Und abschneiden.
Wirst du es nie mehr!
Nein.
Du möchtest kein Sohn sein.
Nicht mehr.
Jetzt bist du Frau.
Endlich.
Weil du bist wie du bist.
Weil du sein darfst.
Wie du bist…
Endlich.
Vivienne/Gedankensplitter