Ein Eintrag ins Tagebuch – Teil 24

Jetzt bin ich schon wieder eingedöst.
Auf der Couch.
Vor dem Fernsehapparat.
Und noch immer warte ich auf dich.
Und es wird noch dauern, bis du kommst.
Dein Anruf vorhin war unmissverständlich.
Ein Kunde hat mich aufgehalten.
Nicht böse sein…
Aber es wird wohl nach Mitternacht werden…
Also setze ich mich wieder auf.
Drapiere die Polster wieder ordentlich.
Und schau, was zu später Stunde so läuft im Fernsehen…
Ich müsste nicht auf dich warten.
Ich weiß das.
Du verlangst das gar nicht von mir.
Aber ich möchte das einfach.
Ich möchte wach sein, wenn du kommst.
Und dir um den Hals fallen.
Dich festhalten.
Und dann mit dir einschlafen.
Auch wenn es nur ein paar Stunden sind.
Du musst meistens vor mir auf.
Dein Job ist nicht liebesfreundlich…

Das Fernsehprogramm ödet mich an.
Ich verstehe nicht, dass man so Zuseher ködern kann!
Ich rutsche ein paar Meter weiter.
Setze mich an den Computer.
Und beginne zu surfen.
Wahllos.
Und dabei vergeht die Zeit schneller.
Ein Freund meldet sich über ICQ.
Er ist zufällig noch auf.
Und wir plaudern eine Weile.
Wenigstens bleibe ich so wach.
Meine Gedanken wandern während des virtuellen Gesprächs zu dir.
Du bist sicher irgendwo auf  der Autobahn.
Und braust dahin.
Auf dem Weg zu mir.
Ziemlich allein auf weiter Flur.
Ich stelle mir die Nacht vor.
Die Lichter entlang der Autobahn.
Und die Scheinwerfer der Autos, die blenden.
Das monotone Fahrgeräusch.
Der leichte Regen, der beständig fällt…

Der Freund ist nun auch schlafen gegangen.
Er muss morgen um 6:00 Uhr früh auf.
Ich verstehe das so gut.
Ich muss noch ein wenig früher auf als er.
Aber ich denke nicht an schlafen gehen.
Ich denke an dich.
Und da fallen mir ein paar Zeilen ein.
Was ich für dich fühle.
Was du mir bist.
Und dann setze ich mich an den PC.
Schreibe diese Gedanken nieder.
Das Gedicht wird immer länger.
Ich schreibe immer schneller.
Wenn das nicht Liebe ist…
Aber hatte ich je Zweifel?
Ich muss lachen über mich.
Natürlich hatte ich sie.
Natürlich.
Welcher Liebende hat die nicht.
Du hast sicher auch welche.
Bisweilen.
Manchmal fragt man sich.
Muss ich mir das antun?
Und dann tut man es doch.
Weil die Gefühle so stark sind.
So, dass man sie nicht beiseite schieben kann…

Liebe ist nicht perfekt.
Diesen Anspruch kann sie nicht erheben.
Liebe ist eben Liebe.
Manchmal bizarr.
Missverständlich.
Und voller Widersprüche.
Mit uns beiden läuft es nicht anders.
Aber darin liegt auch die Chance der Liebe.
Sie erneuert sich immer wieder.
Und bleibt damit jung.
Wenn man in Kauf nimmt.
Dass nicht alles glatt laufen kann.
Ein Geräusch lässt mich aufschrecken.
Das war an der Haustür unten.
Gott sei Dank, du bist da!

Vivienne

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