Ein weiterer tragischer Abschied

Es zeichnete sich immer mehr ab, dass meine Nachbarin mit den 2 Hündinnen wegen unserer Katzen immer lästiger wurde: sie haben dies bei ihr getan, und dort bei ihr gegraben und und und. Selbes Theater wie bei jeder Katze. Jeden Tag konnte ich mir etwas Neues anhören und versuchte gute Mine zum bösen Spiel zu machen. Hauptthema: die Katzen machten anscheinend gerne in der Früh in ihre Gemüsebeete. Wie ekelig. Es war nämlich so, dass sie ohnehin immer draußen ‚machten‘, wenn sie draußen waren, und das war halt im Sommer mehr und im Winter überdies noch egal gewesen. Wo sie gerade waren, da suchten sie sich ein Plätzchen. Anna hatte die blöde Gewohnheit, dass sie immer wieder bei uns in den Rasen machte. Unangenehm. Dabei tat sie hinterher immer so, als ob sie zugraben würde, nicht bemerkend, dass man Gras nicht graben kann und sich nichts tut. Es gab die verschiedensten Stellen.Was sollte ich groß tun oder sagen, ich kann und will die Katzen nicht einsperren – oder an die Leine nehmen, wie sie immer sagte (dabei ist das sogar gesetzlich verboten). Immer wieder der Vergleich mit dem Hund, und dass mir Hundekot am Grund auch nicht passen würde. Und wie sich ihre Hunde ärgern durch ihre Anwesenheit (die lernen als Jagdhunde ja sie umzubringen).

Jedenfalls kam es auch noch dazu, dass mein Mann das Katzenklo nicht mehr drinnen im Haus haben wollte. Er hatte schon den ganzen Winter gejammert wegen dem Gestank und dem Platzmangel, aber im Frühling wollte und sollte er sich durchsetzen. Ich war dagegen. Die Katzen gingen zwar tagsüber kaum mehr rein, aber unsere ängstliche Anna blieb ja nachts fast immer im Haus, und das wäre dann nicht mehr möglich gewesen. Schon deshalb war keine Ausnahme zu dulden, weil etwa Maunzi einen ‚gesunden Miauer‘ hat, der weckt dich schon auf, wenn er was will, aber Anna hatte fast keine Stimme, es war ganz selten, dass man sie einmal miauen hörte, und da konnte man es eher beim Lippenlesen erahnen. Also wäre das ‚Reinmachen‘ vorprogrammiert gewesen. Ich sagte, das wäre ihr Tod, bzw. das Risiko wesentlich größer. Mein Mann blieb stur.

Anna war unser kleiner zarter Liebling. Leider sehr ängstlich. Selbst mein Mann war bei ihr schwach geworden. Wir hofften, dass sie ihre Angst vor einem Unglück schützen würde. Aber neben uns rollt halt wahnsinnig viel Verkehr durch, auch unzählige Lastwagen, und gefahren wird auf Teufel komm raus, es gibt wenige, die hier im Ortsgebiet unter 70 km/h durchfahren., selbst die Anrainer bremsen erst vor der eigenen Haustüre!

10 Tage nachdem wir das Katzenklo entfernt hatten: Um etwa 10 Uhr nachts habe ich Anna rausgelassen, nachdem sie ausgiebig an ihrem Lieblingsplatz, unter meinen angezogenen zugedeckten Beinen am Wohnzimmer-Sofa geschlafen hatte. Nächster Tag: Wir stehen alle unter der Woche so um ca. 6 Uhr in der Früh auf. Normalerweise sind die Katzen dann schon vor der Haustüre, aber nicht immer. Anna kratzt dann meist am Teppich vor dem Schlafzimmer (der mehr und mehr kaputt wird), wenn ich noch liege, damit ich sie endlich füttere. Diesmal nicht. Statt dessen sprang meine jüngste Tochter, von je her ein Katzennarr, halb weinend aus dem Bett. Sie wollte sofort wissen, wo Anna ist. Sie hatte geträumt, sie wäre angefahren worden. Wir beruhigten sie so recht und schlecht, sie wäre halt noch nicht hier, würde aber bald kommen. Maunzi war dann schon da. Tina erzählte uns den Traum in allen Einzelheiten. Anna war angefahren, der Kopf blutete, eigentlich war sie tot, aber wir fuhren zum Tierarzt, und sie wurde wieder, hoffte sie jedenfalls. Keiner von uns anderen war eigentlich wirklich beunruhigt. Man stelle sich vor, was für ein Zufall, wenn eine bestimmte Katze ausgerechnet totgefahren wird, wenn man zufällig davon träumt. Ein Lottosechser ist wohl leichter zu machen.

Mein Mann fuhr dann zur Arbeit, ich rief Anna noch einmal bei der Terrasse. Durch unsere dichte Hecke sieht man ja nicht auf die Straße, aber ich konnte knapp erkennen, dass mein Mann umgekehrt war, weil wir ja ein hohes Auto haben. Ich nahm an, er hatte wieder einmal das Handy vergessen und schaute am Schreibtisch nach, da war er schon im Haus und kämpfte mit sich, stammelte, Anna wäre tot, ich verstand es beim ersten Mal nicht richtig, dachte jemand von uns – aber wir waren ja alle zusammen – hatte er jemanden angefahren? Anna war tot auf der Straße gelegen, noch neben unserem langen Grund, aber fast am Ende, plattgefahren, schon steinhart, der Kopf blutete.

Ich habe sie bei Hugo begraben.

(C) Sarkastika

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