Geht mich das etwas an? – Gedankensplitter

Du siehst mich an.
Eindringlich.
Ernst.
Und gespannt.
Eben hast du mir erzählt.
Ein Kollege von uns.
Er trinkt.
Mehr als ihm gut tut.
Auch schon in der Arbeit.
Du hast Flaschen entdeckt.
Leere Flaschen.
Hochprozentiges.
Im Abfall versteckt.
Und er selber.
Immer öfter Unregelmäßigkeiten.
Nachlässigkeiten.
Und bisweilen.
Kommt er nicht in die Arbeit.
Weil er betrunken ist.
Oder nicht kann.
Nach einer durchsoffenen Nacht.
Wir müssen etwas tun.
Sagst du.
Wir müssen ihm helfen.
Er braucht Unterstützung.
Einen Arzt.
Und einen Entzug…

Ich muss lachen.
Oh du Samariter!
Was geht mich das an?
Es ist sein Leben.
Und wenn es um mich ginge.
Ich würde mir das verbieten.
Ganz sicher.
Wenn ich an seiner Stelle wäre.
Ich grinse dich an.
Warum willst du dir das aufhalsen?
Lass ihn!
Wenn er sich ruiniert.
Ist das seine Sache.
Warum machst du dich wichtig?
Du willst doch nur der große Retter sein.
Super dastehen.
Weil du ihn gerettet hast.
Was hast du davon?
Wenn du ihm hilfst?
Gar nichts.
Nur Scherereien.
Ärger…

Ich stehe auf.
Schüttle den Kopf.
Und wenn er nicht will?
Du weißt wie Trinker sind.
Ihnen fehlt die Einsicht.
Willst du streiten mit ihm?
Damit er sich retten lässt?
Willst du ihn verraten?
An unsere Vorgesetzten?
Mach ihm ruhig Schwierigkeiten!
Und du setzt dich in ein Wespennest!
Du Barmherziger Samariter!
Kümmere dich um dein eigenes Leben!
Sieh zu!
Dass du zurecht kommst.
Hör auf.
Andere glücklich zu machen.
Oder glücklich machen zu müssen!
Was weißt du schon?
Was diese Leute brauchen?
Und speziell unser Kollege…?
Ein Heiliger…
Der wirst du nie werden…

Vivienne/Gedankensplitter

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