„Harry Potter, Teil 7“ – Buchkritik

Also, wenn es ein gefährliches Suchtmittel in unserer Zeit gibt, dann sind es Bücher! Und zu den schlimmsten Sorten zählen Harry Potter Bücher!

Da sich mein Sohn den Harry Potter Band VII gewünscht hatte, bestellte ich ihn für Weihnachten, und zwar bei A&M, gleich mit Samstagszustellung nach dem Erscheinungstag und dazu versandkostenfrei. Ich konnte nicht anders, als es mir sofort und gleich 2 x hintereinander zu lesen (766 Seiten). Das war Ende letzten Oktober. Danach begann ich (bis vor kurzem) immer wieder die Teile 1 – 7 durchzulesen. Man möge mich für verrückt halten. Selber einsehend, dass das nicht so weitergehen kann, versuche ich seither, meine Entzugserscheinungen mit anderen Büchern (siehe meine Buchkritiken von Anfang Juni ‚Die Wolke’, ‚Die Welle’) zu lindern.

Ich glaube, Teil 7 (H.P. u. Die Heiligtümer des Todes) ist der beste Band von allen. Es war von Anfang an spannend, und es fehlte auch nicht an eingestreuter Situationskomik. Endlich wurde alles klar, während bei den anderen Bänden immer mehr oder weniger viele Unklarheiten zurückgeblieben waren. Ich gestehe, ich habe mir damals, als der englische Band im Juli mit viel Rummel erschien, in einer Zeitung eine grobe Inhaltsangabe gelesen, weil ich sehr neugierig war und weil ich es womöglich nicht gekauft hätte, wenn ich gewusst hätte, dass das Buch schlecht endet. Leider sterben aber auch hier noch mehr wichtige Personen. Trotz den Verlusten ist der Ausgang gut, da niemand aus dem Dreiergespann Harry-Hermine-Ron stirbt und Voldemort endlich besiegt wird, worauf man ja so viele Jahre, von Teil 1 an, warten hatte müssen.

Gleich zu Beginn muss Harry (nach einer überraschenden Versöhnung mit seinem Cousin Dudley) flüchten, da der Schutz, unter dem er steht, mit seiner Volljährigkeit verschwindet und Voldemort entschlossen ist, ihn zu töten. Hier stirbt zuerst seine treue Eule Hedwig und weiters der Auror Mad Eye Moody. George Weasley, Rons Bruder, verliert auf der Flucht ein Ohr durch einen Fluch von Snape. Noch während der Hochzeitsfeier von Rons Bruder Bill mit der hübschen Französin Fleur aus dem Trimagischen Turnier in Teil 4 wird Harry aufgespürt und flieht mit Ron und Hermine. Von da an sind sie ständig auf der Flucht und gleichzeitig laut Professor Dumbledores Auftrag vor seinem Tod in Teil 6 auf der Suche nach Horkruxen – Seelenteilen Voldemorts, ohne deren Vernichtung der Bösewicht unsterblich ist. Inzwischen versetzen Voldemort und seine Todesser die Welt in Angst und Schrecken und untergraben auch das Ministerium.

Diese Zeit der Flucht und Suche ist sehr spannend, wenn auch fast das ganze Buch über wenig fruchtbringend. Dazwischen erscheint ein Buch über Dumbledores zweifelhafte und offenbar dunkle Vergangenheit, wodurch Harry an seinem ehemaligen Schulleiter zu zweifeln beginnt. Weiters büßt er seinen Zauberstab ein. Außerdem muss das Gespann nach etwas, wie dem Schwert von Griffindor, suchen, um die Horkruxe, von denen Verzweiflung und Aggression ausgehen, zu zerstören.

Parallel dazu kommen eben die Heiligtümer ins Spiel, über die sie erst nach und nach erfahren, aufgrund der Erbstücke von Dumbledore an die drei. Diese Heiligtümer entspringen einer Legende und bestehen aus einem angeblich unbesiegbaren Zauberstab, einem perfekten Tarnumhang und einem Stein, der Tote zurückholt. Alle vereint machen den Besitzer angeblich zum ‚Gebieter des Todes’. Harry ist von dem Gedanken daran so beseelt, dass er beinahe die Suche nach den Horkruxen zurückstellt.

Nach Erledigung des ersten Horkruxes (genau genommen wurde schon einer, das Tagebuch, in Teil2 von Harry selbst zerstört, und von der Vernichtung eines Ringes hatte ihm Dumbledore in Teil 6 erzählt) kommt es zur folgenschweren Gefangennahme durch Todesser. Der treue Hauself Dobby stirbt (zum Heulen) bei der spektakulären Rettung und Flucht der Jugendlichen, und Harry bekommt einen Hinweis auf den Aufenthaltsort eines weiteren Horkruxes. In dieser zeit hat er besonders oft und unfreiwillig schmerzhafte Einblicke in Voldemorts Gedanken.

Voldemort sucht schon die ganze Zeit seit einem weiteren Fehlversuch Harry zu töten – ohne Wissen über alle Heiligtümer – nach dem weithin bekannten unbesiegbaren Zauberstab. Hier erkennt Harry, dass sein Widersacher leider jetzt dessen Aufenthaltsort kennt: nämlich Dumbledores Grab neben der Zaubererschule Hogwarts, da der Direktor sein letzter Gebieter gewesen war. Zu diesem Zeitpunkt entschließt der junge Zauberer sich endgültig für die Suche nach Horkruxen und gegen die Suche nach den Heiligtümern, wobei er glaubt, eines davon, nämlich den Tarnumhang, schon zu besitzen, sowie wahrscheinlich ein zweites, nämlich den Stein der Auferstehung, auf einem Ring, der gleichzeitig der bereits zerstörte Horkrux ist, womöglich versteckt in dem von Dumbledore geerbten Schnatz, der sich aber leider erst ‚zum Schluss’ öffnen will.

Dramatisch und unglaublich spannend ist auch der Diebstahl des nächsten Horkruxes aus einem Verließ der Bank, doch nun ist rasches handeln gefordert: Voldemort hat aus dem Grab den unbesiegbaren Zauberstab entwendet und die Zerstörung der meisten Horkruxe entdeckt. Jetzt ist er auf dem Weg zu seinem letzten Horkrux – seine Schlange und ihn selbst noch nicht mitgerechnet. Von diesem weiß Harry nicht, wie es aussieht, nur dass es irgendwo auf Hogwarts versteckt ist. Harry muss ihm zuvor kommen.

Nun überschlagen sich die Ereignisse: Eine Armee von Schülern, Ordensmitgliedern und Lehrern steht Harry zum Kampf gegen Voldemort bereit. Unzählige Todesser, Dementoren, Riesenspinnen und Riesen greifen rücksichtslos die Schule an, während Voldemort, der die Auslieferung Harrys gefordert hatte, versteckt beobachtet und wartet. Während Ron und Hermine das zuletzt entwendete Seelenteil zerstören, erkennt Harry, wo sich der auf Hogwarts versteckte Horkrux, das Diadem von Ravenclaw, befindet: nämlich im Raum der Wünsche, wo es in Teil 6 Harry selbst in Händen gehalten hatte, um damit das Versteck für das Buch des Halbblutprinzen besser zu kennzeichnen.

Während sich Percy, das schwarze Schaf der Familie Wesaley, die für Harry wie eine eigene ist, im Kampf doch endlich zur guten Seite bekennt, stirbt einer dessen Brüder, der beliebte Spaßvogel Fred. Weiters lassen unter anderem der Ex-Professor und Werwolf Lupin  sowie seine Frau, die Aurorin Tonks, ihr Leben und hinterlassen ein Baby, dessen Pate Harry geworden war.

Im Raum der Wünsche kommt noch mehr Spannung auf, weil Harrys Erzfeind Draco Malfoy und sein Begleitschutz Grap und Goyle die drei Freunde dahin verfolgen, in einem letzten Versuch, Voldemorts Gunst zu erlangen. Durch ein besonders gefährliches Feuer geraten sie in Todesgefahr, retten Malfoy und einen seiner Begleiter, während der andere umkommt. Aber auch das Horkrux im Diadem wird mit dem speziellen Feuer zerstört, und es bleiben scheinbar nur noch die Schlange und Voldemort selbst übrig.

Jetzt belauscht Harry Voldemort, der darauf wartet, dass Harry sich selbst ausliefert, weil er für keine weiteren Toten mehr verantwortlich sein will: der unbesiegbare Zauberstab arbeitet nicht richtig für Voldemort. Dieser denkt, es liegt daran, dass nicht er selbst, sondern Snape Dumbledore getötet hat. Deshalb lässt er ihn kurzerhand durch seine Schlange Nagini töten, doch der gewünschte Erfolg tritt nicht ein. Im Sterben gibt Snape noch einige seiner Gedanken an Harry weiter. Der kann nicht anders als sie sofort im Denkarium anzusehen:

Snape war schon fast sein ganzes Leben lang in Harrys Mutter verliebt gewesen. Nachdem er vor Jahren als Todesser Voldemort von der belauschten Prophezeiung erzählt hatte, was schließlich Harrys Familie dem Tod geweiht hatte, schwor Snape im Namen seiner tiefen Liebe zu Harrys Mutter, die ja durch seine Mitschuld gestorben war, Dumbledore die ewige Treue, und insbesondere, Harry zu beschützen. Snape selbst hatte darauf bestanden, dass niemand, am allerwenigsten Harry jemals davon erfahren dürfe.

Außerdem war der Mord an Dumbledore in Teil 6 zwischen den beiden abgesprochen, nachdem Dumbledore beim Aufspüren des Horkrux-Ringes in Teil 6 durch einen darauf lastenden Fluch fast getötet worden war und Snape ihm nur etwa ein Jahr Zeit verschaffen hatte können, da eine Heilung nicht möglich gewesen war. Dumbledore hatte damit Malfoys ‚Seele’ – der hatte ja von Voldemort den Auftrag Dumbledore zu töten – schonen und die vermeintliche Treue Snapes gegenüber Voldemort unterstreichen wollen.

Doch das schlimmste von allem: nachdem Harrys Eltern für ihn gestorben waren und Harry im Alter von einem Jahr wie durch ein Wunder den Todesfluch überlebt hatte, der gleichzeitig den Angreifer Voldemort fast zu Tode geschwächt hatte, war irrtümlich und unwissentlich ein weiteres Seelenteil in Harry entstanden, was auch die meist unerwünschten Einblicke in Voldemorts Gedanken erklärte. Das hieß nun, auch Harry war ein Horkrux und musste zwangsläufig sterben, schon um Voldemort überhaupt sterblich zu machen!

Freiwillig, wenn auch in Todesangst, macht sich Harry nun auf zu sterben. Da fällt ihm der Schnatz ein, und wirklich verbirgt sich darin, auf dem zerstörten Horkrux-Ring, der Stein, der Tote erscheinen lässt. So schafft Harry mit Hilfe seiner verstorbenen Eltern, seinem Paten Sirius und Lupin diesen schrecklichen Weg zum Tod durch Voldemorts Zauberstab. Doch siehe da, Harry ist nicht wirklich tot, er kann noch wählen, wieder zurückzugehen. Warum, ist mir nicht ganz klar, ob, weil er freiwillig den Tod gewählt hattee, oder weil er, wenn auch zufällig, die 3 Heiligtümer als angebliche Gebieter des Todes vereint hatte, oder weil der unbesiegbare Zauberstab nicht Voldemort gehorchte. In dieser Zwischenwelt trifft er Dumbledore, und die beiden besprechen noch die restlichen Unklarheiten.

Natürlich entscheidet sich unser Held zur Rückkehr, zumal ja Snape Voldemort und die Schlange erledigen hätte sollen. Auch Draco Malfoys Mutter kommt Harry zu Hilfe, indem sie ihn als tot ausgibt, um ihren eigenen Sohn endlich aus dem Kampfgetümmel retten zu können. Voldemort und die Todesser feiern Harrys Ableben und wollen die Hogwarts-Armee unterwerfen, mit Harrys Leichnam den letzten Widerstand brechen. Doch das erweist sich als gar nicht so leicht, und auch die Zentauren und Hauselfen kommen jetzt den Guten noch zu Hilfe. Der Mitschüler und ehemalige Tollpatsch Neville ergreift die Gelegenheit, die Schlange Nagini zu töten.

Endlich stellt sich Harry erneut Voldemort. Alles lauscht gebannt. Der Junge klärt Voldemort über dessen Schwächen und Fehler in der Vergangenheit auf und eröffnet in diesem Gespräch, dass niemand anderer als Harry selbst Herr über den unbesiegbaren Zauberstab in Voldemorts Hand ist. Denn nicht Snape war nach Dumbledore der Meister über den besonderen Zauberstab, da erstens diese Tötung abgesprochen war und zweitens der Junge Draco Malfoy in Teil 6 Dumbledore entwaffnet hatte. Denn nicht durch Mord allein, sondern Sieg im Kampf, wechselt der Zauberstab seine Gefolgschaft. Nun hatte aber Harry bei der Flucht nach der Gefangennahme durch die Todesser wiederum Malfoy entwaffnet und damit lange Zeit unbemerkt die Gefolgschaft des unbesiegbaren Zauberstabs gewonnen, auch wenn dieser im Besitz Voldemorts ist.

Es kommt, wie es kommen muss: Voldemort benutzt gegen Harry noch einmal den Todesfluch, gleichzeitig setzt unser Held einen Entwaffnungszauber ein. Damit prallt der Todesfluch auf Voldemort zurück, und er ist endgültig vernichtet.

Bis hier her superspannend, weltklasse, wenn auch nichts für kleine Kinder, was sich nach und nach bei den weiteren Bänden ohnehin schon abgezeichnet hatte. Es nehmen nicht nur Brutalität und Grausamkeit zu, sondern es wird auch immer schwieriger, dem komplexen, aber brillanten Inhalt zu folgen.

Das Buch endet eher abrupt – man hätte sich noch mehr erwartet über Harrys Berufswahl, die Zukunft der Schule, das Liebesleben – und schließt statt dessen mit einem Epilog 19 Jahre später: Der erste Schultag. Es wimmelt von Kindern der neuen Generation, denen die Namen der vorletzten Generation gegeben worden waren, man bewahrt kaum den Überblick. Meiner Meinung nach ist der Epilog verzichtbar, es scheint mir fast so, als hätte die Autorin damit bewusst und krampfhaft einen Schlussstrich ziehen wollen, um nicht in Versuchung zu kommen, einen Teil 8 zu schreiben.

Auch wenn ich mich auf die Verfilmung freue – sie wird voraussichtlich auf 2 Teile aufgeteilt erfolgen und 2010 und 2011 in die deutschsprachigen Kinos kommen – sie wird dem Buch bestimmt nicht das Wasser reichen können!

(C) Sarkastika

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