Ich liebte es zu singen.
Ausdruck meiner Freude.
Des stillen Glücks.
Oder der überschäumenden Euphorie.
Ich sang.
Alles Mögliche.
Ich sang.
Weil ich wollte.
Ich sang für mich.
Und für alle anderen.
Sie mussten meinen Gesang nicht lieben.
Denn ich sang für mich.
In erster Linie.
Und mich machte das Singen fröhlich.
Es tauchte mein Leben in Farbe.
Und hüllte es in Klang.
Singen war das.
Was ich mir am liebsten war.
Wenn mir nach nichts Besonderem war.
Singen.
Was wäre das Leben ohne den Gesang?
Ich kann nicht mehr singen.
Nein.
Ich singe falsch.
Ich treffe keinen Ton mehr.
Fast keinen…
In meinen Ohren tönt das schauerlich.
In meiner Seele klingt es furchtbar.
Und ich bin machtlos.
Ich kann nicht mehr singen.
Jedes Lied wird verfälscht.
Ich kann nichts dagegen tun.
Ich kann mich nicht wehren.
Gegen all die falschen Töne.
Die mir wehtun.
In meinem Innersten.
Die mehr schmerzen als Schläge.
Die falschen Töne.
Sie bringen mich aus dem Konzept.
Sie machen mich unstet.
Und ich bin verwirrt…
Aber ist es nicht so.
Dass nicht die falschen Töne mich aufwühlen?
Sondern das Chaos in mir?
Die Saiten der Seele stört?
Die Misstöne meine Nöte ausdrücken?
Und nicht umgekehrt?
Ich kann nicht mehr singen.
Und es ist.
Als wäre etwas tot in mir.
Das immer lebendig war.
Und schön.
Als wäre mein Instrument gebrochen…
Nicht dass ich je eine große Sängerin war.
Mein Gesang trug seinen Zweck in sich.
Applaus oder nicht.
Ich war glücklich.
Wann immer ich sang.
Doch ich bin es nicht mehr…
Ohne den Gesang.
Ohne die Freude…
Vivienne/Gedankensplitter