Ich schlendere durch die Straße.
Eine bitter-süße französische Melodie.
Sie fängt mich ein.
Saugt sich in meinen Gehörgängen fest.
Ein alter Mann spielt das Akkordeon.
Den ganzen Tag erklingt die Melodie.
Ich höre sie.
Kaum ein Tag vergeht.
Ohne dass ich sie höre.
Sehnsucht.
Und ich möchte wieder nach Frankreich.
Nach Paris.
Und an die cote d’azur…
Sonne und Strand.
Oder ein Straßencafé in Paris…
Das wäre einfach wundervoll…
Ich betrachte eine Schaufensterauslage.
Meine Gestalt spiegelt sich darin.
Und ich weiche erschrocken zurück.
Mein Gott.
Ich sehe unmöglich aus.
So alt!
Und so fett…!
Heute ist wieder einer jener Tage.
Ich mag mich selber nicht.
Ich ignoriere alles.
Dass ich gar nicht alt aussehe.
Dass meine Kleidergröße geschrumpft ist.
Deutlich.
Dass mir alles zu weit wird.
Nicht mehr so schnell wie letztes Jahr.
Aber immerhin…
Vor allem sehe ich nicht.
Da ist noch Potential.
Da ist noch viel drinnen.
Ich habe es selber in der Hand.
Doch.
Ein Stein liegt in meinem Bauch.
Ich denke an Krankheit und Tod.
Ich denke ans Altern.
Ich werde alt…
Der Wind streichelt über mein Gesicht.
Ich habe mich dem Leben davongelebt.
So schreiben meine Gedanken.
Ich hätte so viel tun können.
So viel.
Aber Kinder werde ich nie haben.
Keine eigenen.
Ich bin zu alt…
Gut.
Heiraten wollte ich ohnedies nie.
Und muss man das überhaupt noch?
Heute?
Ist es nicht besser?
Gehen zu können?
Wann immer man will?
Klingt besser als…
Böswilliges Verlassen…
Ich gehe wieder weiter.
Wische mir den Schweiß von der Stirn.
Da fange ich den Blick eines Mannes auf.
Ich kenne ihn nicht.
Dreißig?
Vierzig?
Ich kann es nicht sagen.
Ich sehe ja schon so schlecht.
Aber eines merke ich.
Er sieht mich an.
Unverwandt.
Den Hauch eines Lächelns im Gesicht.
Und plötzlich lächle ich auch…
Vivienne/Gedankensplitter