Lebenslust – Gedankensplitter

Eine Frau stirbt.
Mit fünfzig Jahren.
Fast noch jung.
Meint man.
Fünfzig Jahre.
Durch eine bösartige Krankheit.
Sie kämpfte lange.
Ihren aussichtslosen Kampf.
Und wollte doch nur eines.
Bis zuletzt.
Leben.
Eine ungeheure Lebenslust.
Hatte sie befallen.
So sagte sie.
Lebenslust.
Angesichts des Todes.
Der immer näher rückte.
Lebenslust.
Jeden Tag genießen.
Auskosten.
Das Beste herausholen.
Lebenslust…

Eine schöne Frau.
Eine erfolgreiche Frau.
Bizarr.
Dass der Tod anklopfen musste.
In Gestalt dieser furchtbaren Krankheit.
Dass die Lebenslust zurückkam.
Zu ihr.
Lebenslust.
Freude zu sein.
Trotz der Schmerzen.
Freude zu  genießen.
Trotz der Nebenwirkungen.
Der Behandlung.
Keine Haare auf dem Kopf.
Narben auf dem Körper.
Narben auf der Seele.
Angst vor dem Tod.
Angst vor dem Sterben.
Allein.
Loslassen können.
Ein wenig Ruhm.
Was man sich geschaffen hat.
Vor allem aber die Menschen.
Die Liebsten.
Familie und Freunde.
Bange Frage.
Was wird sein?
Danach?
Aber auch Frieden machen.
Mit sich.
Mit seinem Dasein.
Von der Welt scheiden.
Ohne Bitterkeit.
Gegen das Schicksal.
Gegen die Krankheit.

Fünfzig Jahre.
Sie ist nicht so viel älter gewesen.
Wie ich.
Ein paar Jahre nur.
Ein paar lächerliche Jahre…
Unwirklich duckt  man sich.
Angesichts der Nachrichten.
Zieht sich in sich zusammen…
Trifft es mich auch?
Trifft es mich auch so früh?
Muss ich auch gehen?
Obwohl ich noch so viel vorhabe?
So viel?
So viel…
Noch nicht gelebt.
Noch nicht erlebt.
Noch nicht verlebt…
Denkanstoß.
Was zählt ist nicht.
Was ich vorhabe.
Das Leben.
Es hat seine eigenen Pläne.
Und der Tod.
Er kommt immer zu rechten Zeit.
Zum richtigen Zeitpunkt.
Auch wenn wir es nicht begreifen.
In unserer Beschränktheit.
Wissen ist ein Meer.
Was wir wissen.
Ist ein Tropfen…
Das Leben.
Es plant in höheren Dimensionen….

Vivienne/Gedankensplitter

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