Liebeskrank – Teil 36

Das Handy klingelt.
Ich seufze auf.
Wieder Gaby.
Wer sonst in diesen Tagen!
Seit sie mit Gabriel beisammen ist…
Ständige Anrufe.
Einladungen.
Beide möchten sie viel Zeit mit uns verbringen.
Oder doch nur speziell Gabriel?
Ich weiß es nicht.
Aber es nervt.

Ich bewege mich nicht.
Bis das Läuten verstummt.
Kurz darauf ein Signal der Mailbox.
Sie kann mich mal.
Frank kommt aus dem Badezimmer.
Wer hat denn angerufen?
Ich verziehe den Mund.
Dreimal darfst du raten!
Ich will nicht mehr mit den beiden fortgehen.
Ich will einfach meine Ruhe haben.
Frank grinst.
Na?
Was ist los?
Ich verschränke die Arme vor der Brust.
Das ist doch auffällig.
Seit die zwei beisammen sind!
Ewig drängen sie sich auf!
Möchtest du nur mehr mit ihnen essen gehen?
Oder aus?
Ich nicht!
Energisch spreche ich den letzen Satz aus.
Eigentlich spucke ich ihn fast aus.

Frank lacht.
Amüsiert es dich nicht?
Das Ganze ist doch peinlich.
Angeblich ist er mit Gaby beisammen.
Und reden möchte er nur mit dir.
Du hast seine ganze Aufmerksamkeit.
Ich drehe mich weg.
Natürlich ist mir das auch aufgefallen.
Was denn sonst?
Es ist mir unangenehm.
Frank nimmt mich in den Arm.
Er streichelt meine Wange.
Reg dich nicht auf.
Wir müssen die beiden nicht sehen.
Nicht oft und nicht immer.
Nur ab und an.
Wenn es halt passt.
Frank küsst mich.
Ich brauche die beiden auch nicht.
Also?
Wenn sie anrufen:
Wir sind nicht da!

Ich muss lachen.
Gabriel ist ein komischer Mensch.
Soll aber nichts Schlimmeres geben.
Diesen Abend gehen Frank und ich noch spazieren.
Die Innenstadt ist wundersam beleuchtet.
Engerl.
Kugerl.
Sterne.
Wunderschön.
Ab und an schneit es ein wenig.
Die Luft ist kalt und frisch.
Es duftet in den Straßen.
Nach Punsch.
Nach Räucherstäbchen.
Nach gerösteten Nüssen.
Es tut gut, den Alltag so hinter sich zu lassen.
Die Enge der Wohnung.
Auch jetzt bedrückt sie mich noch manchmal.
Aber nicht mehr so oft.
Wir kaufen uns Maroni.
Essen gemeinsam eine große Tüte leer.
Und lachen viel.

Später am Abend kehren wir wieder heim.
Frank holt die Wohnungsschlüssel heraus.
Da geht die Tür der Nachbarwohnung auf.
Da sind Sie ja!
Frank und ich sehen uns erstaunt an.
Frank dreht sich um.
Ja und?
Der Nachbar wirkt verlegen.
Er ist ein älterer Herr.
Da war jemand da.
Er hat nach ihnen gefragt.
Und nach der Freundin.
Ganz besonders nach ihr.
Franks Augen blicken nun etwas hart.
Wer?
Hat er seinen Namen genannt?
Der Nachbar schüttelt den Kopf.
Er hat gesagt, er macht sich große Sorgen.
Er hätte angerufen.
Ein paar Mal.
Auf dem Handy Ihrer Freundin.
Und niemand hat abgehoben.

Ich kann es nicht fassen.
Es liegt auf der Hand wer.
Gabriel.
Dieser Idiot.
Was denkt er sich dabei?
Hat er nichts Besseres zu tun?

© Vivienne

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