Ich bin bei dir.
Jeden Sonntagnachmittag.
Wieder.
Man kann fast die Uhr stellen.
Nach mir.
Meistens stehe ich vor der Tür.
Mit einem Blumenstrauß.
Und manchmal.
Da habe ich auch ein Präsent mit.
Nichts Großes.
Ein Buch.
Oder irgendetwas für die Kommode.
Zum Hinstellen.
Was freust du dich nicht!
Dass ich komme.
Du machst mir die Tür auf!
Mit der Schürze.
Und bevor wir uns umarmen.
Wischt du dir die Hände ab.
An der Schürze.
Schön, dass du wieder da bist!
Komm doch herein!
Und ich ziehe die Schuhe aus.
Und leg den Mantel weg.
Und dann folge ich dir.
In die Küche.
In Socken.
Du hast schon gedeckt.
Für uns beide.
Zwei Tassen.
Und zwei Kuchenteller.
Eine Kanne Kaffee.
Und dein Marmorguglhupf.
Frisch gemacht.
Er duftet noch.
Und du hast ihn bestreut.
Mit Staubzucker.
Ich setze mich hin.
Und du füllst mir die Tasse.
Mit Kaffee.
Ein Löffel Zucker.
Und viel Milch.
Ganz wie ich es liebe…
Zwei Stücke Kuchen am Teller.
Und du freust dich.
Dass es mir schmeckt.
Und jetzt erzähl.
Bub.
Wie geht es dir?
Ich muss lächeln.
Jedes mal wieder.
Ja.
Ich bin dein Bub.
Du bist fast 75 Jahre alt.
Ich bin 45 Jahre alt.
Und Vorarbeiter in einer Firma.
Aber ich bin dein Bub.
Und bleibe es.
Wenn ich sonntags zu dir komme.
Auf Kaffee und Kuchen.
Marmorguglhupf.
Bei dir mutiere ich immer zum Kind…
Und wenn ich gehe.
So nach zwei Stunden.
Oder zweieinhalb.
Dann geht’s uns beiden gut.
Du lächelst mich an.
Und winkst mir nach.
Und ich…
Ich freue mich schon.
Auf den nächsten Marmorguglhupf…
Vivienne/Gedankensplitter