Nichts bringt uns mehr vom Weg zum Glück ab,
als dass wir uns nach dem Gerede der Leute richten,
statt nach unseren Überzeugungen.
Seneca
Würde ich mich selbst beschreiben.
Fiele mir als erstes ein Wort ein.
Ungewöhnlich.
Und als nächstes dann noch.
Nicht ausrechenbar.
Stur.
Oder einfach nur konsequent.
Ich habe mein Leben auf den Kopf gestellt.
In einem Alter.
In dem andere sich schon vorbereiten.
Auf den Altenteil.
Ich nahm mir eine Wohnung in der Stadt.
Ließ die Provinz hinter mir.
Für immer.
Und begann zu leben.
Anders allerdings.
Sehr viel anders.
Als andere meinten.
Dass ich leben müsste.
Denn Geld war Mangelware.
Und die Sorge groß.
Die Zeiten waren nicht einfach.
So begann ich zu kämpfen.
Um das Kostbarste auf der Welt.
Um meine Eigenständigkeit…
Freunde hatten sich schon vor Jahren bemüht.
Mich zum Umzug zu bewegen.
Auf eigenen Füßen zu stehen.
Ich wollte nicht.
Ich war unsicher.
Aber als es nötig wurde.
War es ganz einfach.
Eine Weisheit.
Die sich mir einbrannte.
Alles.
Was nötig ist.
Wird ganz einfach…
Und ich schaffte es.
Auf meine Weise…
Ähnlich lief es mit dem Abnehmen.
Ich war fett und unglücklich.
Konnte mich aber nicht aufraffen.
Etwas zu ändern.
Ich ließ mich sogar überreden.
Ins Fitnesscenter zu gehen.
Aber ich warf das Handtuch.
Das war nicht mein Weg!
Manche munkelten über mich.
Deswegen.
Zerrissen sich die Mäuler.
Über meine vermeintliche Inkonsequenz.
Ich ließ mich nicht beirren.
Heute bin ich weit über 25 kg leichter.
Weil es passte.
Ohne Fitnesscenter.
Mein Weg…
Die Zeit ist krisengeschüttelt.
Nach wie vor.
Und manche meinten es gut mit mir.
So gut!
Mit einer starken Schulter an der Seite.
Die mich stützen sollte.
Ich brauchte doch Sicherheit!
Und eine Familie.
Wo ich doch selber keine hatte.
Und Sex.
Würde mir doch auch wieder gut tun.
Finanzielle Absicherung.
Um wieder sorgloser zu leben…
Und glücklicher!
Ich verweigerte mich.
Erneut.
Ich wollte mich nicht aushalten lassen!
Ich wollte die Dinge alleine meistern.
Aus eigener Kraft.
Autark.
Und mich nicht an einen Mann hängen.
Der mich bevormunden würde.
Die Liebe kommt, wenn es passt.
Und nicht.
Wenn man sie herbeizerrt.
Mit Gewalt.
Ich bin keine Frau wie die anderen!
Und suche keinen Mann wie die anderen.
Und kein Leben wie die anderen.
Ich gehe meinen Weg.
Ich lasse mich nicht drängen.
Nicht bei diesem.
Nicht bei jenem.
Ich lebe mein Leben.
Ich gehe meinen Weg!
Vivienne/Gedankensplitter