Melancholie – Gedankensplitter

Der Baum vor meinem Fenster.
Er steht voll.
Im Schein der Sonne.
Das Laub.
Es glänzt.
Schimmert.
Teilweise fast golden…
Das Jahr.
Es dreht sich.
Der Kälte zu.
Der Sommer ist vorbei.
Auch in meinem Leben.
Es herbstlt.
In einem Gesicht.
In dem sich Fältchen sammeln.
Die Haut wird fahl.
Nach und nach.
Und der Körper.
Er will nicht mehr so.
Wie er sollte.
Kraftlosigkeit…
Oder ist es doch die Seele?
Die mich so schwächt?
Was ich nicht weinen kann.
Raubt sie mir den Atem.
Und meine Hände zittern.
Bei Anstrengung…

Der Himmel ist blassblau.
Der Wind.
Er frischt auf.
Ich friere oft..
Öfter als früher.
Und es ist nicht die Kälte.
Es ist wohl meine Seele.
Deren Frösteln nach draußen dringt.
Über meinen Körper…
So bizarr.
Das Leben.
Wie eine bizarre Geschichte.
Von einer Bekannten.
Die mich besuchte.
Neulich.
Ein Senior.
Er umwarb sie.
Zwanzig Jahre älter als sie.
Mehrfach geschieden.
Und als sie ihn zurückwies.
Weil sie ihn nicht liebte.
Und weil sie ihn nicht wollte.
Da wurde er patzig.
Der alte Herr.
Sie müsse doch froh sein.
Eigentlich.
Dass er sie wolle.
Und sie bliebe allein.
Sicherlich.
Mit ihrem Stolz…
Wer wolle sie denn noch?
Eine Frau in ihrem Alter?

Die Sonne sinkt.
Zeigt ihre strahlensten Farben.
Ein buntes Bilderbuch.
Vor meinem Fenster.
Man kann sich kaum satt sehen…
Und die Bekannte.
Sie lachte.
Als sie es mir erzählte…
Der alte Narr.
Er wollte nicht alleine sein.
In seinem Alter.
Er braucht.
Was Warmes für’s Bett.
Und jemanden.
Der kocht.
Und putzt…
Aber DAS kann ich immer haben…
Dazu brauche ich nicht ihn.

Wir tranken unseren Kaffee.
Und sie nickte mir zu.
Mach’s gut!
Und sei nicht traurig.
Der Frühling kehrt wieder…

Ich nicke.
In der Erinnerung.
Und schenke mir Kaffee nach.
Eine lustige Geschichte.
Fürwahr.
Amüsant…
Aber der Riss in der Seele.
Er schmerzt nach wie vor…

Vivienne/Gedankensplitter

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