Menschlich – Gedankensplitter

Schwarze Nacht.
Mit hellen Signalen.
Die spärlicher werden.
Je später es wird…
Das Leben pulsiert langsamer.
Die Straßenbahn fährt vorbei.
Das typische Geräusch.
Ich bin schläfrig.
Der Tag war lang.
Anstrengend.
Und ich habe mich geärgert.
Vorhin.
Über eine Frau in einem Forum.
In dem ich gepostet hatte.
Meine momentanen Gefühle offenbart hatte.
Und jene Frau hatte diese kommentiert.
Selbstherrlich und anmaßend.
Wie mir schien.
Es traf mich.
Ja, ich habe mich geärgert.
Und ich ärgere mich noch immer.
Obwohl ich es nicht will.
Manche Leute empfinden ganz anders.
Als man selbst.
Ich weiß.
Und manche begreifen einen auch nicht.
Das ist auch nicht immer möglich.
Manchmal sind aber auch fixiert auf ihre Meinung.
Wie auf ein Patent.
Und sehen dabei nicht über den Tellerrand hinaus…

Ich schenke mir Saft ein.
Und verdünne mit Wasser.
Ich trinke gierig.
Darf ich mich beklagen?
Darüber wie es mir geht?
Darüber wie mein Leben verläuft?
Nein.
Nicht wirklich.
Also…
Diese Frau…
Sie ist weit weg.
Ich werde sie nie kennen lernen.
Sie wird meine Kreise nie stören.
Nicht ernsthaft.
Sie vermag es gar nicht…
Aber ich bin etwas empfindsam heute.
Fast wie ein Blatt im Wind.
Aufgewirbelt.
Gefangen in meinen Emotionen.
Mehr als sonst.
Darum traf mich diese Frau.
Darum trafen mich ihre Worte.
Und ihre Anmaßung.
Im Grunde lächerliche Worte.
Ein anderes Mal hätte ich wohl nur gelacht.
Oder den Kopf geschüttelt.
Über so viel Nichtwissen.
Anders kann man es nicht nennen…
Mir ist ein wenig kalt geworden.
Ich knöpfe meine Weste zu.
Ich sollte zu Bett gehen.
Endlich.
Aber ich mag nicht.
Irgendwie nicht.

Ich starre in die Nacht.
Das Fernsehgerät läuft.
Ich höre kaum hin.
Meine Gedanken fesseln mich mehr.
Mehr als diese öde Sendung.
Mehr auch als das Posting jener Frau.
Das ich nicht nachvollziehen kann…
Nicht ärgern!
Ich sage es mir wieder.
Manche Menschen sind so.
Und sie begreifen nichts.
Nur ihren eigenen Standpunkt.
Ich bin anders.
Ganz anders.
Ich lerne.
Und ich versuche die anderen zu verstehen.
Auch wenn es nicht immer leicht ist.
Nein, das ist es nicht.
Aber was ist schon leicht in diesem Leben?
Was von dem, was wirklich wichtig ist?
Ich setze mich hin.
Schreibe die Gedanken nieder.
Und diese Frau…
Ihre Worte werden schwach und kraftlos.
Verpuffen wie Schall und Rauch.
Wen kümmert es morgen, was sie gedacht hat?

Applaus tönt aus dem Fernsehapparat.
Eine bildhübsche Moderatorin.
Wieder wurde ein Preis vergeben.
Lob und schöne Worte.
Sehr gefällig und schmalzig.
Aber sicher auch nicht ehrlich.
Nicht immer.
Neid und Missgunst.
Und viel Häme…
Versteckt hinter Larven.
Gekleidet in Samt und Seide.
Der Mensch ist nicht gut.
Schon gar nicht edel und hilfreich.
Aber unser Leben verliefe langweilig.
Wenn er es wäre…
Und der Mensch wäre auch nicht Mensch.
Das Menschliche würde ihm fehlen.
Völlig…

Vivienne

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