Narrenfreiheit – Gedankensplitter

Keiner mag sie.
Keiner!
Sie sieht.
Billig aus.
Und ihr Gesicht.
Unhübsch.
Auch ihr Gang.
Wenig elfenhaft.
Eigentlich.
Stampft sie eher.
So wie sie.
In die Pedale tritt.
Bei ihrem Fahrrad.
Sie ist gewöhnlich.
Sagen die Kollegen.
Gewöhnlich.
Im Sinne von derb.
Aber sie.
Lebt.
In einer anderen Welt.
Sie glaubt.
Sie wäre attraktiv.
Sexy.
Das liegt wohl.
An ihren.
Riesenbrüsten.
Aufgefüllt.
In Ungarn.
Jetzt ist sie jemand!

Ein paar Mal.
Im Monat.
Da darf sie es.
Dem Chef besorgen.
Ein alter, geiler Kerl.
Geschieden.
Und er weiß.
Ihr Können zu schätzen.
Im oralen Bereich.
Dafür.
Zahlt er ihr mehr.
Und dafür.
Hat sie Begünstigungen.
Wenn mal was verschwindet.
In der Firmenküche.
Dann nicken sie sich zu.
Die Kollegen.
Sie wissen.
Sie war es.
Aber müßig.
Etwas zu sagen.
Sich zu beschweren.
Sich aufzuregen.
Der Chef.
Wird nichts tun.
Gegen sie.
Auf ihre Künste.
Will er nicht verzichten…

Das weiß sie.
Die Derbe.
Und ihr Reden.
Wird immer frecher.
Anmaßender.
Fordernder…
Auch.
Mit dem Chef selbst.
Redet sie forsch.
So.
Wie zu einem Ebenbürtigen.
Und nicht.
Wie zu einem Vorgesetzten.
Der Chef.
Er lacht bloß.
Dann fasst er ihr.
In den Ausschnitt.
Hinten.
Wenn er meint.
Keiner sieht es…
Wo.
Er sie aufgegabelt hat.
Der Chef.
Weiß keiner.
Aber.
Ihre Talente.
Die liegen nur.
Im horizontalen Bereich…
Die Kollegen.
Sie haben.
Resigniert.
Schütteln den Kopf.
Aber sie sagen nichts.
Wenn wieder.
Etwas fehlt.
Im Kühlschrank.
Sinnlos.
Sie hat ja…
Narrenfreiheit…

Vivienne/Gedankensplitter

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