Neil Diamond – Rocklexikon

Die Musik der 70er Jahre und das damit verbundene Lebensgefühl üben mit den Jahren eine immer größer werdende Faszination auf mich aus. Es konnte wohl nicht ausblieben, das ich mich in der Folge auch vermehrt mit Neil Diamond auseinander zu setzen begann, der in der Blütezeit seiner Karriere eine kaum fassbare Menge an Hits produzierte – und man kennt sie alle noch. Als mir im letzten Sommer ein Freund die größten Hits des charismatischen Sängers als MP3-Files auf eine CD brannte, begann ich seinen musikalischen Werdegang erst so richtig nachzuvollziehen…

Vorab sei eines angemerkt: Neil Diamond ist kein Künstlername, der Sohn jüdisch-polnisch-russischer Einwanderer benutzte zwar in der Anfangszeit seiner Karriere einige Pseudonyme, aber der Name, mit dem er zum Superstar avancierte, war echt. Am 24. Januar 1941 im New Yorker Stadtteil Brooklyn geboren, wuchs er nicht gerade im Luxus auf. Seine Eltern führten einen kleinen Lebensmittelladen, der gerade zum Auskommen reichte. Zum 16. Geburtstag erhielt Diamond eine gebrauchte Gitarre als Geschenk, an der er sich erstmals musikalisch versuchte. Auf der Highschool sang er auch im Schulchor. Dort traf er auf ein junges Mädchen, dem Jahre später eine noch sensationelle Karriere wie ihm selber beschieden sein sollte: Barbara Streisand. Die Wege der beiden trennen sich vorläufig aber wieder. Diamond wurde zunächst als Songschreiber bei Sunbeam-Records angestellt.

1961 trat Neil Diamond, der sein Privatleben immer sehr bedeckt hielt, erstmals vor das Standesamt: Seine erste Frau hieß Jay Posner und Neil Diamond hatte mit ihr zwei Töchter, Marjorie und Elyn. Zwischenzeitlich, 1964, machte Neil ein eigenes Büro am Broadway auf um seine Songs selber zu vermarkten. An eine Karriere als Sänger dachte er damals nicht. Mit seinen Songs sorgte er aber schon für Furore. So machte er die Monkees mit „I’m A Believer“ und „A Little Bit Of Me, A Little Bit Of You“ zu Stars, was Diamond weiter in seiner Arbeit bestärkte. Zwei Freunde, Jeff Barry und Ellie Greenwich, machten Neil Diamond mit dem Produzenten Bert Berns bekannt. Daraufhin entstand die Idee, bei dem Label Bang-Records ein Solo-Album zu veröffentlichen: „The Feel Of Neil Diamond“.

Die Songs daraus schossen alle hoch in die US-Charts: „Solitary Man“, „Cherry Cherry“ und „Girl, You’ll Be A Woman Soon“ (in einer Cover Version im Filmklassiker „Pulp Fiction“ auch noch in den 90er Jahren ein Hit). In den nächsten Jahren produzierte Diamond jede Menge weiterer Hits, aber Probleme beruflicher und privater Natur machten die Zeit turbulent. Zunächst wechselte er nach Differenzen mit Bang-Records zu MCA-Records. Seine erste Ehe wurde geschieden, was ihn aber nicht hinderte, bereits 1968 wieder zu heiraten, und zwar Marcia Murphy. Der Erfolg blieb ihm weiter treu: Songs wie „Sweet Caroline“, „Cracklin‘ Rose“ und „Song Sung Blue“ kamen heraus und machten Diamond weltweit bekannt. Neil Diamond ging auch auf ausgedehnte Tourneen, die ihn neben den USA auch nach Europa führten.

1973 versuchte sich Neil Diamond erstmals an einem Soundtreck: Er schrieb den Soundtreck für den Film „Jonathan Livingston Seagull“ („Die Möwe Jonathan“). Dem Streifen war kein Erfolg beschieden, aber Diamonds Soundtreck verkaufte sich großartig. Ein weiterer Wechsel der Plattenfirma führte ihn zu Columbia-Records, wo 1976 eines seiner erfolgreichsten Alben entstand: „Beautiful Noise“, das ihm Hits wie den bekannten Titeltrack oder den Song „If You Know What I Mean“ bescherte. Wieder ging Neil Diamond auf Welttournee und überdies absolvierte er fünf umjubelte Las Vegas-Shows für seine Fans.

1978 liefen sich Diamond und seine alte Schulkollegin Barbra Streisand wieder über den Weg. Der alten Diamond-Song, „You Don’t Bring Me Flowers“, den sie miteinander einspielten, wurde in den USA fast logischerweise Nr. 1. Erneut wagte sich Diamond an ein Filmprojekt. Der Streifen „The Jazz Singer“ zeigte den erfolgreicher Entertainer neben Altstar Laurence Olivier erstmals in einer Hauptrolle. Außerdem schrieb er natürlich wieder den Soundtreck. Der Film floppte zwar an den Kinokassen völlig, brachte Diamond allerdings wieder jede Menge Hits ein.

Neil Diamond gehört zu den wenigen Superstars in der Branche, der das Mutterland des Chansons, Frankreich, mit seinen Songs ansprach: kein geringerer als der französische Chansonier Gilbert Becaud (bekannt als Monsieur cent-mille Volt) coverte zwei seiner Kompositionen. Sowohl „September Morning“ als auch „Love on the Rocks wurden von dem bekannten Chansonnier ins Französische bzw. auch ins Deutsche transponiert. Mit großem Erfolg übrigens. „September Morning“ ist nicht nur mein absolutes Lieblingslied von Neil Diamond sondern auch der Titelsong seines ersten Albums in den achtziger Jahren. Erst in den 90er Jahren wurde es ruhiger um Neil Diamond. Die großen Singlehits blieben aus, 1996 erfolgte die Trennung von seiner zweiten Ehefrau Marcia. Neil Diamond erhielt in den letzten Jahren einige Preise für sein Lebenswerk – an Ruhestand denkt er weiter nicht. Ende 2005 entstand das Album „Twelve Songs“…

Für mich ist und bleibt Neil Diamond einer der genialsten Sänger und Songschreiber aller Zeiten…

Vivienne

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