Neue Bohnen Zeitung


von Vivienne  –  Juni 2004



Der Pfusch in Österreich…

Damit meine ich jetzt aber nicht die übliche Regierungsarbeit der blau-schwarzen Koalition, sondern die Schattenwirtschaft in Österreich. Jene Arbeitskraft, die unter der Hand geregelt wird, und die machte laut den letzen aktuellen Zahlen des Vorjahrs immerhin fast 11 % (10,86 %) des Bruttoinlandproduktes aus (BPI). Das ist eine ganze Menge. Eine ganze Menge Geld, das dem Staat an Steuereinnahmen vorenthalten wird (Charly Grasser wird mit den Zähnen knirschen), aber auch jede Menge Geld, das diversen Handwerks- und Dienstleistungsbetrieben dadurch entgeht. Denn während Pfusch im Gastgewerbe ja vor allem Mitarbeiter betrifft, die unter der Hand eingesetzt und bezahlt werden, kassieren ja die Friseurin, der Maurer, der Spengler oder der Babysitter, wenn sie in der Freizeit arbeiten, (meistens) in die eigene Kasse.

Der Pfusch blüht also, und warum blüht er? Weil es vielen zu teuer ist, eine kleine Leistung durch einen Handwerker, etc. erbringen zu lassen, die ein Freund oder Bekannter (fast) eben so gut für einen Bruchteil des Geldes erledigt. Haben Sie schon einmal eine Rechnung überprüft, für eine kleine Reparatur im Haus? Da müssen Sie den Weg des Handwerkers zahlen, dazu das auszuwechselnde Teil (das im Heimwerkermarkt oft nur die Hälfte kostet), die Arbeitszeit (jede angefangene halbe Stunde zählt voll) und dann schlägt noch der Fiskus zu. 20 % werden zur Rechnung noch dazuaddiert, die der Betrieb reell gar nicht sieht sondern an den Blutsauger der Nation abtreten muss. Menschlich kann man es jedenfalls nachvollziehen, dass nicht jeder für jeden kleinen Handgriff gleich die autorisierte Werkstatt kontaktiert.

Ganz besonders im Falle der Autofahrer, die ohnedies schon in jeder Hinsicht zu den Melkkühen der Nation mutiert sind. Nicht alle Betriebe sind seriös, und oft hängt es wirklich vom Unternehmen ab, ob man das Pickerl bekommt, und wenn ja, wie viel man dafür bezahlt. Alles ist möglich, wie im Lotto. Eine Freundschaft zu einem Mechaniker kann sich daher durchaus lohnen, da das Pochen auf die Gewährleistungsgarantie einer Werkstatt sich schon mal als hohle Phrase entpuppt, wenn man an ein schwarzes Schaf der Branche gerät. Auch die Bekannte, die am Abend ins Haus oder in die Wohnung kommt, um einem die Haare nach den individuellen Wünschen zu gestalten, hat ihre Vorteile. Ihre zeitliche und örtliche Flexibilität und vor allem auch ihre Erschwinglichkeit.

Wenn man die Entwicklung der Kaufkraft in Österreich parallel dazu betrachtet, ist deutlich erkennbar, dass mit zunehmender Arbeitslosigkeit, Teilzeitarbeit und steigenden Kosten speziell seit dem EU-Beitritt und seit der Euro-Einführung die Leute sparen, und das wo es geht. Im Grunde ist es ein Teufelskreis. Viele speziell kleinere Betriebe müssen schließen, weil sich das Geschäft nicht mehr rentiert, weil sie mit den Preisen in Heimwerkermärkten und den schwarzen Geldern für Heere von Pfuschern nicht mithalten können. Wo immer allerdings diese Betriebe zusperren müssen, steigt auch wieder der Bedarf nach Pfuschern, weil sonst niemand mehr verfügbar ist, der die Leistung auch erbringt.

Pfuschen ist ein gesamteuropäisches Problem, daher auch ein EU-weites Problem, das sich auch nur gemeinschaftlich mit allen Ländern lösen lässt. Österreich liegt in der EU-Statistik mit der Schattenwirtschaft nicht einmal im Spitzenfeld, obwohl man natürlich gerade auch bei uns die Auswirkungen besonders deutlich spürt. Das Problem liegt wohl hauptsächlich in der hohen Versteuerung der Arbeitsleistung – 20 % sind enorm viel, jede Menge Einnahmen, über die sich unser aller Charly vergnügt die Hände reibt. Und dass sich der nicht so schnell etwas wegnehmen lassen wird, dürfte auch klar sein. Trotzdem wird längerfristig nur eine spürbare Steuerentlastung der Betriebe einen deutlichen Rückgang der Pfuscharbeit zur Folge haben.

All das Geld, auf dass in diesem Fall dann Mr. Homepage nämlich im ersten Moment verzichten müsste, wird er sich in der Folge einsparen: beim Arbeitslosengeld zum Beispiel, bei verschiedenen Förderungen für Betriebe, und, und, und…Verschärfte Kontrollen erweisen sich da nur als Boomerang. Der Finger, der eitert, wird gewissermaßen abgeschnitten anstatt ihn medizinisch zu versorgen. Da in der Politik aber längerfristige Behandlungen (wenn wir nun mal schon bei medizinischen Vergleichen sind) gar nicht erst angefangen werden, weil sich jede Regierung nur im Rahmen ihrer Legislatur zu profilieren versucht und, auf gut deutsch gesagt, nicht länger denkt und plant (falls überhaupt das!), wird wohl noch einiges an Wasser die Donau hinunter fließen, bis das Problem an der Wurzel gepackt wird.

Zum Abschluss eine kleine Episode als Beweis, dass Pfuschen auch nicht immer die Ideallösung sein muss. Ein mir bekanntes Paar plante, den Dachboden des Hauses auszubauen und der Schwiegervater organisierte dafür unter anderen einen Installateur, einen entfernten Verwandten, der die nötigen Arbeiten so niedrig wie möglich halten sollte. Sollte allerdings nur – ein frommer Wunschtraum. Der Mann, der anscheinend ein gröberes Alkoholproblem hatte, schloss ein paar Geräte im Zusammenhang mit der Fußbodenheizung falsch bzw. unsachgemäß an, die meine Freunde erst Monate später bemerkten. Es kostete jede Menge Geld, viel mehr als gleich einen autorisierten Betrieb zu engagieren, diese Fehler zu korrigieren, die unter Umständen sogar eine Katastrophe im Haus verursachen hätten können…

Fazit: man kann so oder so reinfallen…

Vivienne

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