Neue Bohnen Zeitung


von Vivienne  –  Februar 2004



Martha

Hallo!
Da bin ich wieder…
Hab heute ein bissl Stress gehabt.
Ich bin ja nicht mehr so gut zu Fu߅
Du weißt ja, meine Gelenke, meine Knie…
Aber das Wetter ist schön, nicht wahr?
Sieh dir den blauen Himmel an!
Und die Vögel zwitschern…
Ist herrlich, so durch die Straßen zu spazieren.
Bis zu dir.
Warm wird’s wieder.
Wirst sehen, Martha.
Der Tag wird wunderschön…
Ich freu mich schon auf Nachmittag.
Dann kommt Nina mit den Kindern.
Auf einen Kaffee.
Sie bringt Kuchen mit.
Hat sie versprochen.
Das wird sicher gemütlich.

Schau her.
Hab ich dir mitgebracht.
Fünf blühende Rosen.
Rosafarben.
Und langstielig.
Die hast du doch immer so gemocht.
Wie sie duften…
Ganz so wie du sie liebst.
Ich leg sie dir her.
Ist dir das recht so?
Wir vermissen dich.
Glaub mir, wir reden immer von dir.
Vor allem die Kinder wollen immer wissen, wo die Oma bleibt.
Es ist nicht leicht, das zu erklären.
Das verstehst du.
Sie sind ja noch so klein.
Ja, was sagt man einem Kind von 5 Jahren…
Aber das ist nichts dagegen wie du mir fehlst.
Wenn ich nicht mit dir reden könnte…
Jeden Tag.
Ich hielte es nicht aus.

Aber du musst nicht traurig sein.
Wir lieben dich alle.
Und Nina kümmert sich ja um mich.
Was ich nur ohne sie täte!
Sie ist mir eine echte Stütze geworden.
Rührend.
Fast jeden Tag ruft sie an.
Hätte ich nicht gedacht, wo wir doch eine Zeit lang gar nicht gut miteinander auskamen.
Du erinnerst dich an unsere Streitereien.
Aber seit deinem Infarkt hat sie sich geändert.
Sie ist ganz anders geworden.
Ich war damals so aus dem Häuschen, als du plötzlich umgefallen bist.
Sie rief die Rettung, weißt du noch?
Und sie hielt meine Hand, als ich dem Notarztwagen nachgeblickt habe.
Ganz verzweifelt.
Ich hab so viel geweint.
Schließlich waren wir zwei fast 40 Jahre miteinander verheiratet.
Als der Arzt anrief, du hättest es nicht geschafft, dachte ich die Welt geht unter.
Ich wollte immer vor dir sterben.
Ein Leben ohne dich, das war kein Leben, wie ich es mir vorstellen wollte.
Niemals.
Aber irgendwie ging es doch, Martha.
Und in einem Monat sind es zwei Jahre…

Martha, ich liebe dich.
Und ich brauche dich.
Mehr denn je.
Auch wenn das Leben weitergeht, wirst du immer ein Teil von mir bleiben.
Mach’s gut Martha.
Ich muss mich auf den Weg machen.
Morgen sehen wir uns dann wieder.
Um dieselbe Zeit, ja?
Ich bin sicher da!
Bis dann, Liebes…

Vivienne

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