Phänomen des Abnehmens – Gedankensplitter

Ich nehme ab.
Seit mehr als zwei Jahren.
Ich nehme ab.
Und ich habe  mich verändert.
Nicht nur äußerlich.
Auch meine Persönlichkeit.
Hat sich verändert.
Ich nehme ab.
Manchmal mehr.
Manchmal weniger.
Ich nehme auch ein bisschen zu.
Zwischendurch.
Und nehme das wieder ab.
Ich freue mich über Kleinigkeiten.
Dass ich schon fast in Jeans Größe 42 passe.
Zumindest in eine.
Und ein Pulli Größe 40 hängt in meinem Kasten.
Er sitzt noch ein wenig knapp.
Aber das macht nichts.
Das wird schon…

Wenn ich auf der Straße gehe.
Dann fallen mir nur bestimmte Frauen auf.
Ganz dünne.
Mit Oberschenkeln.
Dünner als mein Oberarm.
Und einem Po wie von einem Kleinkind.
Es scheint so viele von ihnen zu geben!
Das tut weh.
Denn das ist nicht die Realität.
Das weiß ich.
Sondern nur ein Ausschnitt davon…
Und doch…
Manchmal stehe ich vor dem Spiegel.
Und fühle mich fetter denn je.
So.
Als hätte ich nicht abgenommen.
Kein bisschen.
Ich sehe dann nicht.
Wie schmal mein Gesicht geworden ist.
Vergleichsweise.
Dass das Doppelkinn fast verschwunden ist.
Kaum zu glauben…

Sport.
Er interessiert mich nicht.
Wenn mir manche raten zu joggen.
Oder Rad zu fahren.
Dann winke ich ab.
Alles, nur kein Sport!
Ich hasse es mich körperlich anzustrengen.
Und wenn ich offen bin:
Kein Sport wird meine Hüfte in Relation bringen.
Oder meine Oberschenkel richtig straffen.
Nur das Skalpell des Arztes kann das.
Und das scheue ich noch mehr!
Eine Schönheit werde ich darum nie sein.
Also warum tu ich mir das an?
Dass ich mich kasteie?
Dass ich mich quäle?
Ganz einfach.
Fett ist nicht fett.
Ich wollte nicht eines Tages 120 kg wiegen.
Weil mir mein Frustessen entglitten wäre…
Nein.
Das wollte ich nicht.
Und ich wollte gesünder sein.
Als eine vergleichsweise fettere Frau.
Die ich schon gewesen war.

Manche würden sagen.
Dass ich nach wie vor fett bin.
Wenn sie mich sehen.
Ich würde sagen.
Dass ich stolz auf mich sein kann.
Was ich abgenommen habe.
Und was ich noch abnehmen werde.
Langsam.
In kleinen Schritten.
Auf meine Weise…
Mit Disziplin.
Und mit der Erkenntnis.
Dass Fettsucht eine Krankheit der Seele ist.
Und unkontrolliertes Essen.
Nur ein Symptom.
Und nicht die Ursache.
Ich friere oft.
Seit ich begonnen habe abzunehmen.
Ich friere viel mehr als früher.
Und ich bin verletzbarer geworden.
Nicht weil ich hungriger bin.
Sondern weil ich mein Schutzschild abgenommen habe.
Oder einen Teil davon.
Fett ist ein Panzer.
Hinter dem sich Dicke verstecken.
Ich habe es auch getan.
Früher.
Und manchmal.
Da vermisse ich den Panzer…

Vivienne/Gedankensplitter

Schreibe einen Kommentar