Mir ist kalt.
Der Regen sticht fein.
Und schmerzt fast.
Durch die Jacke hindurch.
Der Wind wiegt die Bäume sanft.
Er kann auch anders.
Bisweilen reißt er sie herum.
Wie wütend.
Als wolle er sie schütteln.
Wegen seines Unmutes.
Ich bleibe nicht lange stehen.
Ich flüchte.
Graue Wolken.
Am Himmel aufgebauscht.
So weit das Auge reicht.
Es sieht aus nach Spätherbst.
Ich balle meine Hände in den Hosentaschen.
Ich laufe weg.
Vor den Wolken.
Vor dem Regen.
Es ist kalt…
Eine dicke Kerze brennt.
Mit drei Dochten.
Ich habe sie angezündet.
Bei mir.
Ihr heller Schein füllt den Raum.
Die Wolken sind noch immer da.
Fast noch eine Nuance dunkler.
Und der Wind weht schärfer.
Fast als ob er bellt.
Wie ein wütender Wachhund.
Wen er wohl vertreiben will?
Die Wolken bleiben.
Jedenfalls.
Eine warme Mahlzeit.
Ein Glas Wasser.
Meine Hände fühlen sich kalt an.
Und die Wolken hängen über meiner Seele.
Scheinbar.
Manchmal regnet es in meiner Seele.
Und sie friert.
Trotz der dicken Kerze.
Trotz der Katze.
Die auf meinem Schoß schnurrt.
Eingerollt und zufrieden.
Als wolle sie mir zeigen.
Wie lieb sie mich hat…
Die Wolken hängen tiefer.
Es kommt mir vor.
Als hätten sie Greifarme.
Tentakel.
Mit denen sie sich am Himmel verweben.
Unzerreißbar…
Nein.
Das nicht.
Die Tentakel werden zerreißen.
Das Spätherbstwetter wird weichen.
Ich werde nicht mehr frieren…
Meine weidwunde Seele.
Sie wird heilen.
Irgendwann.
Und kein Regen wird ihr mehr etwas anhaben!
Ich verschränke die Arme.
Schließe die Augen.
Einen Moment spüre ich die Sonne.
Kosend und warm.
Vor ein paar Wochen noch habe ich gestöhnt.
Weil sie mir zu heiß war.
Zu viel Wärme kann auch quälend sein…
Erdrückend…
Die Nacht bricht herein.
Ein paar Lichter durchbrechen das Grau.
Wie Hoffnungslichter.
Wer weiß…
Vivienne/Gedankensplitter