Der Wind streicht über meine kurzen Locken.
Ich atme den Sommer.
Mit halbgeschlossenen Augen.
Lasse mich von der Sonne streicheln…
Ich könnte ewig so stehen bleiben.
Unter dem hohen Baum.
Aber die Straßenbahn reißt mich aus dem Träumen.
Sie drängt sich ächzend vorbei.
Ich blicke ihr nach.
Und gehe weiter.
Mit meiner Einkaufstasche.
Ich sollte ja ohnehin nicht hier stehen bleiben.
Sondern meine Einkäufe in Sicherheit bringen.
Der Sommer ist noch länger da.
Aber Fleisch und Milch lieben die Wärme nicht…
Ich gehe weiter.
Schnellen Schrittes.
Wenig später bin ich in der Wohnung.
Öffne das Fenster.
Und lasse das Leben herein.
Den Lärm der Autos.
Aber auch das Vogelzwitschern.
Die Sonne und den Wind…
Ein paar Gedanken an einen lieben Freund.
Während ich hinausblicke.
Und mich kaum satt sehen kann.
An der Natur mitten im Verkehrsgetriebe.
Ich fühle mich so wohl hier.
Und möchte mit nichts tauschen.
Mit gar nichts.
Hier bin ich daheim.
Hier gehöre ich her!
Ich wusste es schon beim ersten Mal.
Als ich die leere Wohnung sah.
Halbfertig.
Männer beim Arbeiten.
Hier bin ich daheim!
Und so war es…
Wenige Tage später bekam ich die Zusage.
Das Leben hier.
Lieb und teuer ist es mir geworden.
Der Sommer.
Er bekam hier ein anderes Gesicht.
Aber nicht weniger charmant.
Und die Sonne.
Sie ist noch immer dieselbe…
Düstere Nachrichten aus dem Radio.
Ich drehe ab.
Das will ich jetzt nicht hören.
Man muss nicht alles wissen.
Nicht alles gleich.
Und immer nachdenken.
Immer grübeln.
All das macht unglücklich…
Ich nicke.
Ja.
Mein altes Leiden.
Ich denke zu viel.
Zu viel nach.
Ich spinne Gedanken.
Ich mache mir Sorgen.
Viel zu oft…
Aber nicht jetzt.
Ich trete wieder ans Fenster.
Sanft blauer Himmel.
Ein paar Wolkenkuppen.
Der Wind schüttelt die Bäume leicht.
Und ein großer Vogel zieht nach vorne…
Vivienne/Gedankensplitter