Trostlos – Gedankensplitter

Regen.
Immer nur Regen.
Und der Himmel.
Ein Gespinst aus dichten, grauen Fäden.
Trostlos.
Obwohl…
Regen kann so romantisch sein.
Oder war das nur in meiner Jugend so?
Heute…
Heute wirkt er wie Herbst.
Wie ein Nahen des Herbstes…
Ende der Jugend.
Ende des Jungseins.
Und ich träume nicht.
Wenn ich durch den Regen spaziere.
Ich haste.
Um ihm zu entfliehen.
Regen.
Am liebsten.
Liege ich unter einer weichen Decke.
Schlafe ein wenig.
Und hoffe.
Dass er aufhört…

Ich kümmere mich um die Wäsche.
Hänge die feuchte Wäsche auf.
Ein Hauch von Weichspüler in der Luft.
Und von Nässe.
Wie draußen im Regen.
Es ist.
Als wäre er hereingekommen.
Wäre zwischen die Wäsche gekrochen.
Und erfüllte nun meine Wohnung…
Gedämpfte Lichter draußen.
Ich denke nach.
Während ich aus dem Fenster starre.
Denke ich nach.
Über mein Leben.
Ein Scheideweg…
Es wird sich ändern.
Ich versumpfe im Allerlei.
Und eines weiß ich.
Eine bestimmte  Person.
Ich habe sie lange genug ertragen.
Das Leben ist zu kurz.
Um es mit solchen Menschen zu teilen.
Menschen wie ihr…
Davon weiche ich nicht ab.
Manche Fäden.
Sie werden reißen.
Es wird weh tun.
Es hat schon weh getan…

Ich starre vor mich hin.
Verbittert.
Nein.
Ich habe mir genug gefallen lassen.
Viel zu viel.
Der Regen wird stärker.
Ich kann ihn hören.
Durch das geschlossene Fenster.
Er legt sich auf die Nacht.
Färbt sie dunkel.
Angstvoll.
Bedrohlich fast…
Ein undurchdringliches Gewebe.
Mit klammen Fingern.
Die mich in Kälte verpacken.
Und mir die Freude nehmen.
Freude.
Wann lachte ich unbeschwert?
Das letzte Mal?
Es muss Jahre her sein.
Man tritt in mein Leben.
Wie ein Elefant im Porzellanladen.
Man stellt es auf den Kopf.
Lässt mir kaum die Luft zum Atmen..
Aber wenn ich unglücklich bin.
Dann liegt es nicht an ihnen.
Dass ich ihnen nicht mehr trauen kann.
Nein.
Tja.
Was soll ich da sagen?
Nichts.
Es hat keinen  Sinn.
Sie begreifen die Wahrheit nicht.
Sie sehen sie nicht.
Selbst wenn sie auf ihrer Nase sitzt…

Ich bin wütend.
Ich weiß.
Und fresse alles hinein.
Was mir sauer aufstößt.
Der Regen webt mich ein.
In meine Melancholie.
Erst wenn ich sie durchdringe.
Erst wenn ich sie loslasse.
Dann bin ich frei.

Vivienne/Gedankensplitter

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