Und wo bist du? – Gedankensplitter

Einmal.
Da hätte ich meine Hand.
Ins Feuer gelegt.
Für dich.
Und ich denke.
Damals.
Da hättest du es auch getan.
Für mich.
Wir waren Freunde.
Mehr als das.
Wir glaubten.
Aneinander.
Und an unsere Visionen…
Einer Welt.
Voller Falschheit.
Der fühlten wir uns nicht zugehörig.
Kein bisschen.
Wir glaubten an das Gute.
Und daran.
Dass man diese Welt besser machen könnte.
Ein wenig.
Mit unseren Träumen.
Mit unseren Visionen…
Erinnerst du dich noch?

Heute.
Da bist du Geschäftsführer.
Einer bekannten Firma.
Niemand über dir.
Aber dein Fußvolk unter dir.
Und du.
Du rauchst Zigarren.
Wenn wir uns sehen.
Dann nickst du kurz.
Murmelst ein paar Worte….
Hastig.
Soll wohl niemand merken.
Dass wir uns kennen.
Dich.
Im Maßanzug.
Und mich.
In meinen alten Jeans.
Und den billigen Shirts.
Dass wir uns kennen.
Das ist dir peinlich.
Und unangenehm.
Denn du.
Du stehst nicht mehr.
Für Idealismus.
Für Träume und Hoffnungen.
Du stehst für Geld.
Für hohe Gewinne und Renditen.
Und für rigorose Entscheidungen.
Was wir damals glaubten.
Das glaubst du nicht mehr…

Damals.
Da haben wir Joints geteilt.
Bisweilen.
Wenn das jemand ahnen würde!
Im Erdboden.
Würdest du versinken.
Und alles bestreiten.
Stotterend.
So wie damals.
Stotternd.
Ertappt.
Schließlich.
Ist das lange her.
Und du.
Du warst jung.
Und unerfahren…
Vielleicht warst du das.
Damals.
Aber jetzt.
Bist du feig.
Und du verkaufst dich.
An die Wirtschaft…
Was ist geblieben?
Von unserer Freundschaft?
Und wo bist du?
Wo?
Ich kenne dich nicht mehr.
Niemand hätte verlangt.
Dass du ein Märtyrer wirst.
Ich bin auch keiner geworden.
Nur deine Karriere.
Sie war dir wichtiger.
Viel wichtiger.
Als Mensch zu sein.
Als Mensch zu bleiben…

Vivienne/Gedankensplitter

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