Ich werde alt.
Schön langsam.
Jung bin ich nämlich nicht mehr.
Auch wenn ich mich nicht alt fühle.
Zumindest nicht immer.
Und nicht richtig.
Wenn ich ehrlich bin.
Es ist nicht das Schlechteste.
Älter zu werden.
Trotz der Verdopplung der Falten.
So viele Cremes gibt es gar nicht zum Schmieren.
Dagegen.
Trotz der grauen Haare.
Die sich irgendwann nicht mehr überfärben lassen.
Aber ist das wirklich so schlimm?
Nein.
Das ist es nicht.
Weil es im Leben um andere Dinge geht.
Um ganz andere.
Das weiß man.
Schön langsam.
Wenn der Schatten der Vierzig über einem liegt.
Midlifecrisis.
Und die Erkenntnis.
Womit man sich das Leben oft so schwer machte.
Und so lange.
War meistens völlig unwichtig…
Unüberlegt?
War ich früher oft.
Ich habe mich.
In Teufels Küche gebracht.
Manchmal.
Und auch wieder heraus.
Aber das dauerte oft manches Jahr…
Wenn ich es so drehe und wende.
Gab es immer wieder Leute.
Die mich retten wollten.
Allen Ernstes.
Vor den Schwierigkeiten des Lebens.
Vor meinem ach so schlimmen Elternhaus.
Vor mir selbst…
Ich wehrte mich immer.
Recht erfolgreich.
Manche müssen an mir verzweifelt sein.
Deswegen.
Ich habe sie gehasst.
Lange.
Und speziell eine Frau.
Die mir besonders übel mitgespielt hat.
Weil sie mich retten wollte.
Wo es nichts zu retten gab.
Ich schrieb ihr anonyme Briefe.
Immer wieder.
Voller Wut.
Mit Beleidigungen.
Herabwürdigungen.
Ich machte mir Luft.
Mit Vehemenz.
Aber jetzt…
Habe ich ihr schon lange nicht mehr geschrieben.
Es ist mir zu dumm geworden.
Ich habe überlegt.
Und befunden.
Die Frau ist es nicht Wert…
Überlegt war es oft nicht.
Was mir manche angetan haben.
Überlegt war auch nicht.
Wie ich dann zurückschlug.
Bereut habe ich es trotzdem nicht immer.
Vor allem.
Wenn ich zu schreiben begann.
Um meine Wut abzustreifen.
Schreiben gibt mir Kraft.
Und Macht.
Macht mich zu rächen.
Wo eine Mauer des Schweigens blockt.
Oder einfach nur Lüge.
Manche sind gleicher als die anderen.
Aber die Macht der Feder ist ungebrochen.
Auch im Computerzeitalter.
Ich schreibe.
Mehr denn je.
Überlegt.
Und überlegt unüberlegt.
Und ich verschaffe mir mehr Gehör damit.
Als mit flammenden Anklagen.
Das habe ich bald gesehen…
Überlegt…?
Manches muss man wohl auch unüberlegt tun.
Manchmal.
Spontan.
Temperamentvoll.
Aber die Jahre.
Sie haben mich gebremst.
Ein wenig.
Bisweilen war es ganz gut so…
Vivienne/Gedankensplitter