Blass bist du geworden.
Denkst du dir.
Blass und hager.
Wenn du in den Spiegel blickst.
Morgens.
Dann putzt du dir die Zähne.
Obwohl dir schlecht ist.
Oft.
Manchmal.
Da übergibst du dich.
Sogar.
Und du hast das Gefühl.
Als würdest du.
Das Leben aus dir speien.
Das bisschen Leben…
Wenn du im Bett liegst.
Starrst du auf die Decke…
Gott sei Dank.
Bist du zusatzversichert.
Hast ein Zimmer allein.
Im Spital.
Die Blicke der anderen Patienten.
Du könntest sie nicht ertragen.
Die Ärzte und Pfleger.
Sie sind schlimm genug.
Pseudofreundlich.
Sie sprechen es nicht aus.
All das Furchtbare.
Krebs.
Unheilbar.
Chemotherapie…
Nachts liegst du wach.
Manchmal.
Und dann.
Denkst du immer daran.
Du musst sterben.
Du musst sterben!
Vielleicht noch ein Jahr.
Vielleicht auch weniger.
Schmerzen.
Die oft schon schlimm sind.
Werden unerträglich werden.
Ohne starke Tabletten.
Die Übelkeit.
Und…
Die Angst vor dem Tod.
Die Angst.
Nicht mehr zu sein.
Aufzuhören zu existieren…
Euer Nachbar fällt dir ein.
Lungenkrebs.
Der lebte sein Leben.
Wie immer.
Saß beschaulich im Garten.
Schnitt Rosen.
Ging spazieren.
Traf seine Freunde.
So lange es noch ging.
Wie er das geschafft hat?
Du hast ihn gefragt.
Damals.
Er zuckte die Achseln.
Ich denke nicht dran.
Ich stehe auf.
Jeden Tag.
Wie immer.
Manchmal geht es mir gut.
Dann wieder weniger.
Aber was sollte ich sonst tun?
Manchmal.
Da packt dich eine Panik.
Kaum erträglich.
Du müsstest etwas tun.
Irgendetwas.
Das.
Du sonst nie wieder tun wirst.
Ein Flug nach Paris.
Den Besuch eines Freundes.
Der in Deutschland lebt.
Oder eine Frau erobern.
Eine schöne Frau.
Sex.
Den du nie vergessen wirst.
In seiner Intensität.
Aber du liegst da.
Starrst auf die Decke.
Manchmal weinst du.
Verstohlen.
Und dann wird dir übel.
Du läufst ins WC.
Und übergibst dich.
Dein Leben.
Vorbei.
Auch wenn es noch weitergeht.
Qualvoll…
Vivienne/Gedankensplitter