Du siehst blass aus.
Und du hast geweint.
Ich sehe es an deinen roten Augen.
Jetzt zwingst du dich zu einem Lächeln.
Es wirkt aufgesetzt.
Und du setzt dich neben mich…
Blumen hast du mitgebracht.
Du siehst dich um.
Wegen einer Vase.
Aber lass gut sein.
Ich läute nachher der Schwester…
Du versuchst wieder zu lächeln.
Beginnst zu reden.
Über die Arbeit.
Und dass du viel Stress hast.
Ich beobachte dich.
Meinem Blick.
Weichst du aus.
Bis ich deine Hand nehmen.
Und dich scharf ansehe.
Du wendest dich ab.
Wischt deine Tränen weg.
Deine Stimme bricht.
Und es ist alles so furchtbar…
Da muss ich dich unterbrechen.
Tust du dir nicht selber Leid?
Ein wenig zumindest?
Ich bekomme den Tod.
Den ich mir ausgesucht habe.
Auf eine gewisse Art und Weise.
40 Zigaretten am Tag.
Das musste sich rächen.
Und deshalb habe ich Lungenkrebs…
Sieh doch ein.
Ich musste doch sterben.
Irgendwann.
Irgendwie.
Und jetzt ist es so weit…
Du hast zu weinen aufgehört.
Du starrst mich an.
Schweigend.
Dann drückst du meine Hand…
Vielleicht hab ich ja Recht.
Könnte durchaus sein.
Sagst du schließlich.
Aber es ist zu früh.
Viel zu früh.
Ich bin doch noch keine sechzig.
Warum?
Andere Raucher.
Sie werden siebzig.
Manche sogar achtzig.
Du blinzelst wieder.
Unter Tränen.
Ob ich nicht finde, dass es zu schnell geht?
Ich küsse dich.
Zärtlich.
Für Leidenschaft fehlt mir die Kraft.
Die Chemo nimmt mich mit.
Ich könnte dir manches erzählen.
Von Momenten.
In denen ich keine Luft bekomme.
Von Tagen.
Wo mich Depressionen furchtbar quälen.
Und ich am liebsten springen würde.
Aus dem Spitalfenster.
Aber das ändert nichts.
Weißt du.
Heute ist Frieden in mir.
Ich bin aufgewacht.
Und ich wusste.
Ich werde gehen von hier.
In ein paar Wochen.
In ein paar Monaten.
Wer weiß…
Ich hoffe, es wird nicht zu schlimm.
Aber ich habe gelebt.
Mein Leben.
Das Rauchen.
Es gehörte dazu.
Ich bin, wie ich bin.
Weißt du.
Da war es leicht nachzuhaken.
Für den Tod…
Hatten wir nicht eine schöne Zeit?
Sei dankbar.
Und fang nicht wieder zu weinen an.
Hilf mir lieber in den Rollstuhl.
Und fahr mich hinaus.
In den Garten.
Ich möchte den Sommer spüren.
Es wird mein letzter sein…
Vivienne/Gedankensplitter