Wien – Gedankensplitter

Eine Liebeserklärung

Ich liege spät abends im Bett.
Müde, aber doch beschwingt.
Es ist fast still.
Nur leise Geräusche von der Straße dringen herein.
Durch das gekippte Fenster.
Da ein Auto.
Einige Minuten später eine Straßenbahn.
Dazwischen verhalten das Läuten einer Kirchenglocke.
Fast beschaulich.
Signale einer Stadt, die nicht wirklich zur Ruhe kommt…
Eine Geräuschkulisse, die fast beruhigend auf mich wirkt.
Für mich Landpomeranze.
Früher konnte ich die Stadt nicht leiden.
Wien?
Ist anders!
Arrogant.
Aufgeblasen.
Abgehoben.
Was weiß ich noch.
Heute atme ich den Charme dieser Stadt ein.
Einer Stadt, die ich lieb gewonnen habe.
In den letzten Jahren.
Bei aller Widersprüchlichkeit, die sie für mich verkörpert…
Himmel und Hölle nebeneinander.
Vor einiger Zeit.

Heute kam ich in die Stadt.
Verschwitzt und abgekämpft von der Zugfahrt.
Und setzte mich in ein Kaffeehaus.
Um mich zu stärken.
Ich wartete auf die Melange.
Und plötzlich ergriff mich dieses Glücksgefühl.
Einfach hier sein können.
Hier in Wien.
Den Kaffee schlürfen.
Während meine Gedanken weite Kreise ziehen…
Ich liebe diese Stadt.
Nie zuvor wurde mir das deutlicher bewusst.
Durch die Straßen spazieren.
Das besondere Flair auf mich wirken lassen.
Und irgendwie dazugehören.
Zum pulsierenden Leben dieser Stadt.
Teil zu sein.
Erinnerungen fast an jeder Straßenecke.
Sie tun nicht mehr weh.
Oder fast nicht.
Es ist vorbei.
Aber die Stadt ist dieselbe.
Und sie ist wunderschön…
Trotzdem…

Es ist nach Mitternacht.
Aber ich liege noch immer wach.
Während der Straßenlärm langsam verebbt.
Ich würde das Fenster nie schließen.
Die Straßengeräusche wirken richtig vertraut auf mich.
Ich brauche sie um einzuschlafen.
Fast fühle ich mich geborgen.
Gut aufgehoben.
Als wäre ich schon daheim.
Hier.
Wo ich Landkind früher nie sein wollte.
Aber die Freude am Landleben ist mir entglitten.
Mehr und mehr.
Es zieht mich fort von dort.
An lebendigere Gestade.
Weg von der einengenden Begrenztheit der Möglichkeiten.
In eine Stadt…
Zwar ganz sicher nicht nach Wien.
Sondern nur zeitweilig…
Aber Wien wird mir immer kostbar sein.
Trotz der geteilten Gefühle.
Trotz bittersüßer Erinnerungen.
Es war nicht alles schlecht.
Und was blieb war das Gefühl für diese Stadt.
Die mich in ihren Bann gezogen hat.
Und nicht mehr loslässt.
Im Gegensatz zu allem anderen.
Ich werde gern einmal wiederkommen…

Vivienne/Gedankensplitter

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