Wo bist du geblieben? – Gedankensplitter

Wir waren unzertrennlich.
In der Schule.
Dir fiel alles leicht.
Während ich kämpfen musste.
Zum ersten Mal.
Mich anstrengen.
Ungewohnt.
Denn zuvor.
Fiel mir alles in den Schoß.
Du aber.
Du hattest die Dinge im Griff.
Du hattest den Durchblick.
Und manchmal.
Da fühlte ich mich mickrig.
Klein.
Wie ein Versager.
Neben dir.
Dabei.
Ging es dir nicht darum.
Und du.
Du warst nie arrogant.
Du hast mich nie ausgelacht.
Oder gar verspottet.
Du warst eben du.
Mein bester Freund.
Damals zumindest.
Und damals.
Es sollte lange dauern…

Trennung.
Nach der Matura.
Du gingst zum Bundesheer.
Und danach Studium.
In Innsbruck.
Wir haben uns verloren.
Irgendwann.
Im Zeitalter.
Ohne Handys.
Ohne Internet.
Es tat weh.
Eine Weile.
Ich flüchtete in die Berufswelt.
Und fühlte mich wie ein Looser.
Oft.
Und wieder.
Aber du warst nicht da.
Um mich zu trösten.

Du warst nicht da.
Um mich aufzubauen.
Und du warst nicht da.
Um mich anzulehnen.
Wenn ich mich schlecht fühlte.
Ganz schlecht.
Irgendwie.
Hätte ich doch Dichter werden sollen.
Dachte ich.
Ich bekam neue Freunde.
Gute und verzichtbare.
Und beste…
Aber du warst nicht da.
Und ich fragte mich.
Wo bist du geblieben?

Ein Schulkollege.
Ich traf ihn in einem Café.
Und ich erfuhr.
Wo du geblieben warst…
Ein Unfall.
Alkoholisiert.
Selber schwer verletzt.
Du begannst dich zu verändern.
Du wurdest unstet.
Ein Aussteiger
Studienabbruch.
Und ab in die Berge.
In eine Hütte.
Fernab von Elektrizität und Wasserleitung.
Fast hippymäßig.
Eine Frau.
Zwei kleine Kinder.
Und ein Vollbart.
Unvorstellbar!
Er hat mir ein Foto gezeigt.
Von dir und deiner Familie.
Ich war entsetzt.
Kann man so leben?
Ich fragte es mich oft.
Selber sehr bescheiden.
Weit weg von Trends und Design.
Aber Mein!
Ja.
Ich bin verwöhnt.
Angepasst.
Trotz allem.
Und du.
Du scherst dich um nichts.
Gehst deinen Weg.
Wer bist du geworden?

Ich weiß es einfach nicht!

Vivienne/Gedankensplitter

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