Ich kannte dich.
Seit ich ein Kind war.
Du warst nur zwei Jahre älter.
Als ich.
Aber was bedeutete das schon?
Ich verliebte mich.
In dich.
Spätestens als Teenager.
Du warst mein erster Mann.
Ich wollte nie jemand anderen.
Nie!
Und du auch nicht.
Wir schworen uns.
Beisammen zu bleiben.
Für immer.
Und wir haben auch geheiratet.
Obwohl wir beide noch so jung waren.
Wir haben uns durchgesetzt.
Und das Baby.
Das wir bekamen.
Unser erstes Kind.
Ich war achtzehn.
Und noch nicht fertig.
Mit der Schule.
Du warst zwanzig.
Noch nicht lange in deiner Firma.
Aber das machte nichts.
Solange wir uns nur hatten.
Zwei Kinder kamen noch.
Wunschlos glücklich.
Aber nur beinahe.
Irgendetwas.
Veränderte sich.
Und irgendwann.
Da waren sie verebbt.
Die großen Gefühle.
Ich wollte die Schule nachholen.
Aber du wolltest das nicht.
Ich werde immer für dich sorgen.
Das brauchst du nicht…
Ich brauchte es nicht.
Aber eines Tages.
Da war ich nicht mehr gut genug.
Für dich.
Du hast gespottet über mich.
Bisweilen.
Hausmütterchen!
Mein Hausmütterchen.
So hast du gesagt.
Es tat mir weh.
Immer mehr.
Und schließlich merkte ich.
Dass du mich betrügst.
Es war nicht immer.
Dieselbe Frau.
Einmal ein blondes Haar an deinem Kragen.
Lang und gekräuselt.
Dann ein paar kurze, gerade.
Hellbraun.
Ich versuchte mir einzureden.
Dass wäre nur zufällig passiert.
Aber ich wusste genau.
Dass ich Recht hatte.
Du machst Karriere.
In deiner Firma.
Schöne Frauen.
Lange Geschäftsessen.
Und du liebst mich nicht mehr.
Du schläfst nicht mehr mit mir.
Du bist nicht einmal mehr zärtlich.
Unsere Kinder sind aus dem Haus.
Und ich.
Ich bin alleine.
Ich habe dich geliebt.
Ich habe dir vertraut.
So sehr.
Aber dir.
Dir ist es egal.
Dass ich mich nach Wärme sehne.
Nach Geborgenheit.
Wir wollten zusammen alt werden.
Vor langer Zeit einmal.
Aber alt bin nur ich geworden.
Du bist dynamisch.
Du stehst im Leben.
Du suchst dir junge Frauen.
Mit denen du dich schmückst.
Einer zahlst du eine Wohnung.
Nicht weit von der Firma.
Ich habe einen Beleg gefunden…
Und dass du mich nicht rauswirfst.
Und auf die Straße setzt.
Das hat nicht mit mir zu tun.
Nur mit deiner Feigheit…
Die Leute könnten reden.
Meine Träume sind zerschellt.
Und ich bin tot.
Obwohl ich weitermache.
Wie bisher.
Du hast mich verraten.
Und ich…
Wofür habe ich gelebt?
Nach einer wahren Begebenheit
Vivienne/Gedankensplitter