Wollte ich das? – Gedankensplitter

Warum?
Das frage ich mich immer.
Wenn ich mich in der Bredouille befinde.
In prekären Situationen.
Die ich nie wollte.
Und in denen ich mich doch immer wieder finde.
Stets auf’s Neue.
Wollte ich das?
Dass es sich wiederholt?
Dass ich wieder leide?
Weil ich mich nicht abgrenzen kann?
Weil ich das Böse wecke?
In den Menschen?
Die plötzlich meinen:
Da kann man doch noch mehr erreichen.
Da kann man doch noch mehr herausholen.
Und noch mehr.
Nur noch ein Schäuferl nachlegen.
Und noch eines.
Das geht schon.
Das wird schon.
Und dann reicht es mir!

Viel zu spät!
Und dann reicht es mir.
Und ich zucke aus.
Bisweilen.
Aus Liebe wird Hass.
Aus Freundschaft wird totale Ablehnung.
Viel Geschirr wird zerschlagen.
Ich leide.
Weil ich so missbraucht wurde.
Weil man sich nicht zufrieden gab.
Mit dem.
Das ich gern gab.
Es genügte nicht.
Weil man meinte.
Ich wäre leicht formbar.
Ich wäre leicht breit zu schlagen.
Aber ich bin es nicht.
Im Grunde gar nicht.
Ich bin nur gut zu den Menschen.
Die ich liebe.
Und wenn sie das nicht begreifen.
Dann bleibt ihnen mein Hass ein Leben lang…

Wollte ich das?
Frage ich mich.
Ich denke an die Frau des Fischers.
Die so symbolisch steht.
Für den Menschen an sich.
Der nie genug bekommt.
Der unverschämt wird.
Und hemmungslos.
Weil er meint.
Das geht noch.
Und das geht noch.
Ganz leicht.
Der Mensch.
Er lotet gerne seine Grenzen aus.
Noch ein Stück.
Und noch ein Stück.
Und wird man zurückgedrängt.
Dann probiert man es einfach später noch einmal.
So lange halt.
Bis es funktioniert…

Oder die Liebe stirbt.
Die Freundschaft zerbricht.
Was bleibt sind Scherben.
Tränen.
Vor allem aber Wut und Enttäuschung.
Mit mir nicht mehr!
Wie oft rief ich das!
Und doch war es nie das letzte Mal…
Wollte ich das?
Nein.
Nie.
Es ist nicht schön, missbraucht zu werden.
Schon gar nicht.
Wenn man vertraute.
Schon gar nicht.
Wenn dem anderen jedes Gespür dafür fehlt.
Dass man gewisse Grenzen nicht überschreiten darf…
Ich wollte das nicht.
Ich wollte es nie.
Und doch trifft es mich immer wieder.
Durch Menschen.
Denen ich wirklich vertraute…

Hilft alles nichts.
Wieder weitergehen.
Neue Leute.
Neues Vertrauen…
Und wieder enttäuscht?

Vivienne/Gedankensplitter

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