Zum Beispiel Umweltgipfel und Blamagen

Sehr geehrte Frau Bundeskanzler,

würde ich schreiben, wenn ich Frau Bundeskanzler Angela Merkel etwas mitzuteilen hätte.
Weiter würde ich schreiben: Ihr Engagement in Sachen Umwelt ist mir eigentlich erst zu der Zeit aufgefallen, als ich Sie an Bord eines Schiffes, oder war es sogar ein Eisbrecher, mit Gefolge des damaligen Bundesumweltministers Knut, nein, das war ja der niedliche Eisbär, Sigmar Gabriel an Grönlands Küste abgelichtet sah.
Ihre Zeit als Bundesumweltministerin unter Helmut Kohl, ist mir nicht sehr prägend in Erinnerung.
Nun gut, man kann ja nicht alles haben, oder wie in meinem Falle, nicht alles im Gedächtnis behalten.
Nun aber, wie Sie es sich auf der Weltklima-Konferenz scheinbar zur persönlichen Sache machten nur um die Welt vor dem zu befürchtenden Hitzeschock zu retten, verdient nicht nur meine Bewunderung.
Daher erlaube ich es mir, etwas anzumerken, was eigentlich offensichtlich ist, in der öffentlichen Wahrnehmung allerdings so gar nicht vorkommt.

Zunächst, so würde ich Frau Merkel schreiben, ist es doch sehr eigenartig, dass wir immer von zwei oder drei Welten Reden, wenn die Sprache auf Wirtschaftskraft kommt.
Möglicherweise war das noch passend, als wir der Westen, uns als die Erste Welt bezeichneten und die Sovietunion nebst Vasallen, als die Zweite und den ganzen unterentwickelten Süden als die Dritte titulierten.
Doch im Zeitalter der unbeschränkten Globalisierung kann man doch nur noch von einer einzigen Welt ausgehen. Sind es nun nicht nur mehr die persönlichen Umstände, die eine solche Klassifizierung zulassen.
Wenn Südseeinseln dereinst absaufen, was ihrer Initiative gedankt, wohl zu verhindern sei, dürften sowohl Syltbewohner als auch die Bewohner der Niederlande erstaunt über den Blanken Hans, die Nordsee blicken.

Wir alle müssen mit dem Schlimmsten rechnen und das wird nicht nur auf schmelzende Polkappen zu reduzieren sein, wenn denn die Wissenschaft Recht behalten sollte.

Nur, wenn dann, wie? Wie retten Sie und ich, Frau Bundeskanzler, diese eine Welt?
Indem wir Verschmutzungsrechte handeln? CO2-Ausstoß über Geldtransfers regeln? Den Weltweit-Ausstoß in Sachen CO2 auf die verschiedenen Staaten verteilen und hierbei aufwendige Rechenmodelle bemühen?
Ließe sich möglicherweise genauso bewerkstelligen.

Hierbei würde ganz bewusst eine Menschliche Eigenschaft in die Rechnung einfließen. Nämlich der Stolz über die eigene Wichtigkeit im Zusammenhang mit der eigenen Wahrnehmung.
Nur, Frau Bundeskanzler, das trennt eher, dass es denn einte.

Somit bin ich nun bei meinem Hauptproblem.
Bisher, jedenfalls habe ich es so verstanden, war immer nur die Rede vom Verursacherprinzip und der daraus resultierenden Verantwortung der Staaten.

Umweltsäue sollten dazu verpflichtet werden, so genannte CO2-Zertifikate von Staaten zu kaufen, die in ihrer Verschmutzung mangels dazu notwendiger Industrien, noch nicht so weit gekommen sind wie wir.
Das könnte ja nur bedeuten, dass wir uns von Bangladesh oder Tahiti die entsprechenden Erlaubnisse geben lassen, an deren Stelle Treibhausgase in die Atmosphäre zu entlassen.
Klingt im ersten Augenblick ganz niedlich. Könnte ja auch ganz gut funktionieren.

Würde zumindest unsere Treibhausgase-Produzenten-Billanz ganz gut frisieren.

Bangladesh würde Geld verdienen und möglicherweise sogar dieses dazu verwenden, von uns entsprechende Maschinen zu kaufen, mit deren Hilfe dieses Land dann selber gehörige Mengen an Treibhaus-Gasen produzieren könnte, nur um dann in Zukunft selber sich mit den Zertifikaten auf dem Weltmarkt eindecken zu müssen.
Soweit die Theorie!

Bloß, was ist eigentlich mit der auch von Ihnen, Frau Bundeskanzler, immer vorgetragenen Solidarität und der von allen immer beschworenen Verantwortlichkeit?

Müsste es nicht so sein, das einmal der Produzent der Treibhausgase verantwortlich gemacht werden müsste und zum Zweiten, der Abnehmer der Waren für deren Herstellung diese Massen an flüchtigen Stoffen in die Welt hinaus gepustet werden?

Machen wir doch einmal eine ganz simple Rechnung auf.
China exportiert die Hälfte seiner Produkte weltweit, für deren Herstellung 5 Millionen Tonnen CO2 in die Luft gepustet werden mussten.

So würde rein rechnerisch eine Menge von 2,5 Millionen Tonnen der Volksrepublik anzurechnen sein, während der Rest von 2,5 Millionen Tonnen auf die Exportländer, in genau der Anzahl an Importen, anzurechnen sein.

Genaueres Zahlenwerk ist natürlich überall erhältlich.
Nehmen wir mal an, die etwa 200 Staaten importieren ihrer Wirtschaftskraft entsprechend aus China, wo wir neben den USA, Großbritannien usw. den Löwenanteil haben dürften, könnte der Ausstoß an Schadgasen den jeweiligen Importen gemäß, angerechnet werden.

Die Idee der bis nach China hin verlängerten Werkbank Deutscher Industrien und dem Handel, liegt dieser Überlegung zu Grunde.
Weil es mir einfach nicht einleuchten will, dass die Chinesische Wirtschaftskraft mit dem Ausstoß der Schadgase behelligt wird, nur weil wir, niedrigster Preise wegen, Schadstoffproduzierende Produktionen nach dorthin auslagern.
Und gleichzeitig in unserer Schadstoff-Billanz, sehr gut dastehen können

Wir im Gegenzug, als Exportnation, könnten den ganzen Anteil an von uns produzierten Treibhaus-Gasen auslagern und unseren Abnehmern auflasten.
Denn es wäre ja auch nicht einzusehen, dass der Anteil an der Produktion eines Mercedes, uns angelastet wird, der dann womöglich nur in den USA herumfährt. Der Besitzer des Fahrzeuges mit der Schadstoffbillanz so gar nicht behelligt würde. Noch nicht einmal die Amerikanische Schadstoffbillanz.

Bei genauerem Hinsehen, würde sich folgendes Bild ergeben:

Die höheren Stückkosten einheimischer Produkte aus Deutschland, der hohen Lohnnebenkosten wegen, würden sich relativieren. Übers Jahr gesehen, würden Deutsche Produkte sogar billiger.

Importe aus Asien würden dagegen etwas teurer, da der jeweilige Importeur ja Umweltzertifikate zu seinen Importen erwerben müsste.
Die im Lande produzierten Waren wären wieder etwas wettbewerbsfähiger.
Das Prozedere könnte man in etwa der früheren Regelung der Zölle angleichen.

Also noch einmal, Frau Bundeskanzler.
Der Gesamtausstoß der Treibhausgase ist bekannt. Die verschiedenen Leistungszahlen der Staaten sind bekannt. Also könnte man ganz leicht einen Algorithmus für die jeweiligen Im- oder Exporte finden, um die ganze Sache einfach und handelbar zu machen.

Hier könnte der jährliche Ausstoß der Staaten in ein direktes Verhältnis zu deren Importen und Exporten gesetzt werden. Hieraus ließe sich ein Umrechnungsfaktor für jede Art von Transfers ermitteln.
Wobei sich nachhaltige und schadstoffarme Produktion, durch zusätzliche Handelbarkeit übriger Zertifikate für die Länder der „Dritten Welt“, in klingender Münze auszahlen würde.

Kaffee- oder Bananenstaaten in Süd- oder Mittelamerika, mit relativ schwacher Industrialisierung, würden somit ihre Importe an Maschinen und die damit verbundene anrechenbare Mehrbelastung an Schadstoffen, leicht ausgleichen können. Und wir, als deren Maschinen-Lieferanten, könnten bessere Preise machen, weil der Export unsere Billanz wieder etwas besser stellte.

So in etwa, würde ich unserer Bundeskanzlerin, auf ein mich elektrisierendes Problem aufmerksam machen. Wenn es denn eines gäbe, welches mich elektrisierte.
Obwohl, bei Licht betrachtet, könnte ich soeben ein solches in groben Zügen skizziert haben.
Mal sehen, was mir noch dazu einfällt. Oder Ihnen, unseren treuen Bohnen-Lesern!
Über rege Kommentare würde ich mich freuen.
Denn, wenn ich mich tatsächlich an Frau Merkel wenden sollte, möchte ich eines auf gar keinen Fall: mich blamieren müssen, nur weil ein solcher Gedanke möglicherweise Unsinn ist.

A.S. 20.Dezember 09 (vom Gipfel in Kobenhaven schwer enttäuscht)

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