Zur Freizeit der Frau – Kritisch betrachtet

Im Beitrag Halbe-Halbe bei der Hausarbeit habe ich mich sehr intensiv mit den Fakten auseinander gesetzt, dass 2/3 der Männer wenig bis gar nichts im Haushalt verrichten und ihre Frauen das nicht nur hinnehmen sondern auch im Wesentlichen richtig finden. Solange Frauen nicht aufstehen und sich wehren oder den Staus quo anklagen, werden sich die bewussten Männer weiter aus der Hausarbeit heraushalten. In diesem Zusammenhang habe ich mich einige Zeit in unterschiedlichen Foren umgehört und stieß dabei auf jene Wortspende, die an (männlicher) Präpotenz und an Zynismus fast nicht mehr zu überbieten ist: „Zur Freizeit der Frauen gehört dazu, dass sie sich um den Haushalt kümmern.“ Das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen, dass man derart verächtlich als Frau zur Putze mit Wohnrecht degradiert wird, die ihre Freizeit einfach für die Hausarbeit zu opfern hat… Punktum. Während der Mann fernsieht oder kegeln geht.

Keine Frage, es gibt genügend Frauen, die zu diesem Satz nicken werden: „Ja, es ist halt so.“ Traurig genug, aber wie man sich bettet so liegt man und solange man sich als Frau nur über Mann und Familie definiert, wird sie es auch nicht wagen, anders zu ticken oder diese Denkungsweise in Frage zu stellen. Einmal abgesehen von den Männern, das ganz klar gesagt, die ohnehin schon lange und klaglos ihren Beitrag für die Arbeit im Haushalt leisten. Weil es selbstverständlich und logisch für sie ist – und nichts anderes. Was aber nichts an der Tatsache ändert, dass mancher männliche Zeitgenosse bornierten Unsinn wie jenen oben zitierten von sich gibt und das auch noch für richtig hält. Frauen zu bekehren, die in einer streng konservativen Erziehung aufgewachsen sind und das gleichwohl gutheißen, ist ohnehin sinnlos. Ändern kann man sich nur selbst…

„Lebe lieber ungewöhnlich“ – unter diesem Motto könnte mein Leben durchaus stehen. Und manche, die darauf gewartet haben oder sich sicher waren, dass ich nach meiner Übersiedlung nach Linz „klug genug“ sein würde, mir gezielt wie rasch einen älteren Mann mit Familie zu angeln, warten bis heute vergeblich darauf. Was unterschiedliche Gründe hat, im Speziellen aber ist mir meine Freizeit heilig. Und die möchte ich nicht vorrangig mit Putzen und Kochen verbringen. Für mein Leben habe ich etwas anderes vor. Natürlich bringen mich Zitate wie das obige in einem Forum entdeckte mehr auf die Palme als andere Frauen, die sich mit der „natürlichen“ Rolle der Frau arrangiert haben. Wobei für mich das Aufopfern für den Haushalt nichts mit meiner „natürlichen“ Rolle zu tun hat. Ich finde mich viel „natürlicher“ in meiner schriftstellerischen Arbeit am Computer und in einer gewissen Bequemlichkeit, die ich zu schätzen gelernt habe. Ja, auch das ist Frau sein, und die Vorstellung, dass man als Frau beim Anblick eines kleinen Kindes hysterisch vor Glück zu werden hat, prallt an mir eher ab.

Wie die Freizeitgestaltung einer Frau aussieht, hat auch durchaus damit zu tun, wie sie sich selber und ihre Stellung in der Gesellschaft betrachtet. Aber nicht jede Frau ist gleich, und damit meine ich nicht nur, dass nicht für jede Frau die Rolle als Frau und Mutter wirklich erstrebenswert ist. Und dass damit nicht nur sogenannte Karriefrauen gemeint sind, die sich lieber im Job engagieren, liegt auf der Hand, bin ich doch selber nicht der Mensch, der sein Heil und Glück im großen Erfolg sucht. Wichtig ist, dass man seinen Weg findet, gleichgültig ob Mann oder Frau, und dieser Weg muss nun mal nicht ausschließlich in das familiäre Glück führen. Glück ist für jeden etwas anderes und auch für mich nicht immer gleich. Mal ein Spaziergang im herbstlich-sonnigen Park oder ein Abend mit der Katze am Bauch auf der Couch. Hausarbeit ist ein notwendiges Übel für mich, dem ich mich widme, wenn nötig, und wann ich es will. Und Hausarbeit macht mich nur bedingt glücklich: nämlich wenn ich fertig damit bin und weiß, dass ich eine Weile meine Ruhe habe…

Auf einen Mann, der mich darauf aufmerksam macht, dass die Fenster geputzt werden müssen oder im Schlafzimmer Staub gewischt gehört, kann ich verzichten. Die Vorstellung, nach der Arbeit ohne Umwege heimlaufen zu müssen, weil die Familie und der Mann auf das Essen warten, hat etwas Albtraumhaftes für mich. Mag sein, dass ich lange alleine war und „unfähig“ bin mich an „bewährte“ Strukturen anzupassen, aber ich lebe lieber beschaulich und bequem und auf meine Weise. Weil ich nicht andere Leute anmaßend über meine Freizeit bestimmen lasse und glücklich bin, wie ich lebe. Ich kenne eine Frau, die ist in ihrer Ehe nur von Männern umgeben: Mann, Schwiegervater, Schwager, Sohn und Neffe – und glauben Sie mir, sie hat das Zepter fest in der Hand. Nicht dass sie sich bedienen lässt, ganz im Gegenteil, denn sie ist die Rudelführerin. Sie packt selber an und versteht es ihren Männern den nötigen Respekt abzuringen, dass sie sich ebenfalls engagieren und ihren Part im Haushalt erledigen wie selbstverständlich. Was genau der Grund ist, warum ich anders lebe: ich bin zu passiv und zahm und muss mich daher von Leuten fernhalten, die mir ihren Willen aufzwingen wollen… – und mich damit unglücklich machen würden.

Vivienne

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