4. Kapitel: Begegnung

Vanessa Schmal rückte ihr Namensschild zurecht. Das Messingschild war das Begrüßungsgeschenk der Firma gewesen, als sie hier angefangen hatte. Thomas Heine hatte sie damals begrüßt, weil der Chef gerade auf Dienstreise gewesen war, als sie ihren ersten Tag gehabt hatte.

Thomas Heine, hatte er sich vorgestellt. Heine wie der Dichter.

Abends hatte sie dann vorsichtshalber im Internet nachgeschaut, weil sie plötzlich nicht mehr hundertprozentig sicher war, ob der Dichter sich Heine oder Heyne schrieb.

Thomas kam mit zügigen Schritten zur Tür herein und blieb an ihrem Schreibtisch stehen. Er lächelte sie an: Vanessa, mein Engel, das haben Sie wieder super organisiert! Hat alles prima geklappt. Ich hab ihnen auch was Süßes mitgebracht!

Thomas legte die kleine Schachtel Pralinen auf ihren Schreibtisch. Danke stand in verschnörkelten Buchstaben darauf und darunter Sechs feinste Nougat-Pralinen.

Locker trug Thomas sein Jackett über dem Arm. Er nestelte etwas am Knoten seiner Krawatte herum und streckte sich. Vanessa beobachtete ihn dabei. Als er sie wieder ansah, fing sie hektisch an, in Papieren zu kramen.

Hatten Sie einen guten Flug, Herr Heine?“, fragte Vanessa. Thomas zuckte die Schultern: Ging schon. Wie immer eben.

Danke für die Pralinen, die sehen lecker aus.“ Vanessa legte die Pralinen vorsichtig in die unterste Schreibtischschublade, in der sie ihre privaten Kleinigkeiten verwahrte.

Sie wandte sich wieder an Thomas: Dr. Bauer hat übrigens angerufen, die Besprechung beim Essen im Goldenen Hahn muss er heute Abend ausfallen lassen. Ich soll Ihnen ausrichten, bei ihm brennt die Luft. Sie wüssten schon, um was es sich dreht.

Vanessa reichte ihm die Post und die Notizen, die tagsüber für ihn eingegangen waren.

Thomas lachte. Ich kann es mir vorstellen. Das kommt mir ganz gelegen. Ich hatte ohnehin keine Lust auf das schwere Essen aus dem Hahn. Ich hab am Wochenende erst so deftig gegessen. Mir wäre eher nach Tapas und einem Glas Wein.

Soll ich Sie mit Ihrer Frau verbinden? Möchten Sie was mit ihr ausmachen?

Machen Sie Witze? Meine Frau lässt nur meine Schwiegermutter auf Stefan aufpassen. Sie sagt, dass verschiedene Babysitter schlecht für seine emotionale Reifung seien. Und die Paten sind leider letztes Jahr nach Frankfurt gezogen. Schade drum. Ich kann mir lebhaft vorstellen, was mein Schwiegervater sagen würde, wenn wir mitten in der Woche ausgingen. Wer Erfolg haben will, sollte früh ins Bett gehen, um am nächsten Tag ausgeruht zu sein. Aber das kann ja auch nicht das ganze Leben sein, oder? Thomas zwinkerte Vanessa zu. Vanessa lächelte.

Andererseits wartet heute niemand auf mich. Wie wär es denn mit uns beiden? Thomas lehnte sich lässig an ihren Schreibtisch und schaute sie fragend an.

Vanessa blickte verwirrt zurück: Was meinen Sie?Thomas schmunzelte, Vanessa wurde rot.

Na ja, sie haben doch bestimmt Hunger. Sie sitzen ja schließlich auch schon den ganzen Tag hier. Da könnten Sie mir doch Gesellschaft leisten.

Vanessa zögerte: Meinen Sie, das ist in Ordnung?“ „Warum denn nicht? Streng genommen sind wir ja nur Kollegen. Ich bin ja schließlich nicht ihr Chef. Thomas legte den Kopf schräg und schaute sie abwartend an.

Vanessa zögerte. Sie blickte an sich herunter. Muss ich mich nicht umziehen?

Sie sehen wie immer bezaubernd aus. Also abgemacht? Vanessa nickte.

Prima. Dann geh ich grad noch meine Mails durch und hole Sie in einer Stunde hier ab. Mit beschwingten Schritten verschwand Thomas in Richtung seines Büros. Vanessa schaute ihm nach, bis er um die Ecke bog.

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