Andererseits – Gedankensplitter

Manchmal.
Da möchte ich dir das Genick brechen.
Weil der nächste Übertopf in Scherben ging.
Mit einem Krachen.
Wie von einem Meteoriteneinschlag.
Die Nachbarn!
Geht es mir dann durch den Kopf.
Während ich dir nachlaufe.
Aber du bist schneller.
Und du trickst mich aus.
Versteckst dich hinter dem Schreibtisch.
Und lugst vorsichtig hervor.
Mit schuldbewusstem Blick.
Und ängstlich.
Und ich schimpfe mit dir.
Lautstark.
Was du dir denkst dabei!
Und warum du sie nicht in Ruhe lassen kannst.
Meine Pflanzen…!
Aber ich weiß genau.
Eigentlich ist es lächerlich.
Was ich tue und sage.
Du fürchtest dich.
Du weißt schon.
Du hast was angestellt.
Aber will ich dich jetzt wirklich verprügeln?
Wegen ein paar Scherben?
Nie!

Schließlich erwische ich dich doch.
Du bekommst einen Klaps.
Und dann fauchst du mich an.
Aber ja!
Ich streichle dich.
Ein wenig mechanisch.
Während du meine Hände beschnupperst.
In gelben Handschuhen.
Ich war ja gerade beim Abwasch.
Als der Topf fiel…
Ach ja.
Ich seufze.
Sammle die Scherben ein.
Und hole den Besen.
Das Malheur ist schnell beseitigt.
Und da ist ja sogar noch ein Übertopf.
Na dann…
Du haschst inzwischen nach den Regenbogenflecken.
Die die Sonne auf den Wänden tanzen lässt.
Unermüdlich.
Aber du erwischt sie nicht.
Bis sie wieder völlig verschwunden sind.
Die Sonne hat sich versteckt.
Hinter einer Wolke…

Ich greife mir an die Stirn.
Schließe die Augen.
Du wirst erwachsen, Katze.
So brav bist du nicht mehr.
Und ganz besonders gefällt dir mein Schlafzimmer.
Alles sieht so großartig aus dort.
Und erst das große Bett!
Herrlich darin zu schlafen.
Auf meinem Bauch.
Oder um meinen Hals geschwungen.
Sicher.
Manchmal.
Da könnte ich weiß Gott was mit dir tun.
Wenn du auf den Philodendron kletterst.
Mitten in der Nacht.
Wenn mein Kleiderkasten zu verlockend für dich wird.
Und ich Mühe habe dich herauszuholen.
Oder wenn du auf der Tastatur meines Laptops wanderst…
Und eigene Wort kreierst…
Du bist anstrengend, kleine Katze.
Zumindest bisweilen.
Aber wenn du mich dann wieder anblickst.
Voller Liebe und Freude.
Wenn ich nach Hause komme.
Und du mich zart anmiaust.
Und um meine Nähe bettelst.
Und um viele Streicheleinheiten.
Dann möchte ich dich nicht mehr hergeben.
Dann möchte ich dich auch nicht mehr jagen.
Oder zur Hölle wünschen…
Und du sitzt inzwischen am Fenster.
Ganz ungerührt.
Blickst interessiert hinaus.
Und beobachtest die Welt…

Vivienne/Gedankensplitter

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