Das Kalenderblatt – Gedankensplitter

Kalt ist es!
Meine Nase läuft.
Als ich vom Supermarkt zurückkomme.
Bepackt.
Und so kann ich mein Taschentuch nicht herausholen.
Ich bin verkühlt.
Meine Stimme klingt belegt.
Und irgendwie fühle ich mich nicht wohl…
Aber die Wäsche wartet.
Und das Geschirr…
Später setzte ich mich an den Schreibtisch.
Vor mir ein Kalender.
Mit exotischen Stränden…
Ich sehe eine herrliche Bucht.
Azurfarbenes Meer.
Und einen Strand mit feinem Sand…
Ich seufze.
Ich war lang nicht weg.
Lange nicht auf Urlaub…
Die Cote d’azur.
Über vier Jahre ist es her.
Am letzten Tag.
Da fuhr ich die Küste entlang.
In einem Boot.
Es war unbeschreiblich schön…

Das Kalenderblatt.
Es folgt mir ins Bad.
Wo ich die Wäsche aus der Waschmaschine hole.
Und sie aufhänge…
Ich spüre die feuchte Kleidung.
Und fühle den Sand.
Über den das Meer rollt.
Ich streife die Hosen zurecht.
Und fühle die Wärme in mir.
Von damals…
Ja.
Ich würde gerne wieder verreisen.
Es müsste nicht einmal ein Strand sein.
Es könnte auch eine Stadt sein.
Irgendwo im Süden…
Rom.
St. Tropez.
Madrid…
Ich träume weiter.
Während ich die Wäsche aufhänge.
Socken.
Pullover.
Jeans…

Später füttere ich die Katze.
Sie schmiegt sich an meine Beine.
Ich streichle sie mechanisch.
Und sehe wieder das Kalenderblatt.
Und ein paar Palmen.
Frauen.
In bunten Parreros.
Und mich selbst.
Mit Sonnenbrand…
Der Wind zupft an meinen kurzen Haaren…
Ich träume.
Bis ich niesen muss.
Und das Bild zerfließt.
Vor meinem inneren Auge…
Ich putze meine Nase.
Die schon ganz rot ist.
Aber nicht vom Sonnenbrand…
Ob ich je wieder auf Urlaub fahre?
In den Süden?
Ich grinse.
Resignierend.
Vielleicht gewinne ich ja wieder eine Reise…
Wer weiß…

Das Kalenderblatt.
Es verfolgt mich.
Als ich den Müll hinunter bringe.
Während ich das Katzenklo säubere.
Und als ich mich wieder an den Schreibtisch setze.
Ist es auch da.
Wieder.
Ist es das Fieber?
Das mich quält?
Liegt es an der Kälte?
Dass ich nicht genug bekomme.
Von diesem Bild?
Ich weiß es nicht.
Aber ich darf es nicht dauernd sehen.
Dieses Kalenderblatt.
Es macht mich traurig.
Denn ich werde keinen Strand besuchen.
Nicht absehbar…
Der Frühling kommt.
Irgendwann.
Er wird mich trösten…

Vivienne/Gedankensplitter

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