Du ziehst einen Schmollmund.
Wenn ich komme.
Zu dir und deinem Vater.
Du siehst mich groß an.
Ablehnend.
Dann presst du die Lippen zusammen.
Und du drehst dich um.
Verschränkst die Arme.
Du magst mich nicht.
Das weiß ich.
Das spüre ich.
Obwohl ich nett bin.
Zu dir.
Obwohl ich dir kleine Geschenke mitbringe.
Oder Süßigkeiten.
Jedes Mal.
Ich mache wirklich alles.
Damit du mich annimmst.
Aber du magst mich nicht.
Ich bin nämlich böse!
Die Wurzel alles Bösen!
Ich bin nämlich.
Die neue Freundin deines Vaters!
Deine Mutter.
Sie hat dir das gesagt.
Dass ich ihn ihr weggenommen habe.
Deinen Vater.
Und natürlich dir!
Das stimmt aber nicht.
Denn deine Eltern.
Die waren längst zerstritten.
Als ich kam.
Als ich ins Leben deines Vaters trat.
Sie wollten sich trennen!
Aber du glaubst es nicht.
Nicht deinem Vater.
Und nicht mir.
Du willst es nicht glauben…!
Dabei wärst du groß genug.
Die Wahrheit zu verstehen.
Zwölf Jahre.
Du könntest begreifen.
Dass Menschen sich nicht ewig lieben.
Nicht für immer.
Das Leben.
Es verändert die Menschen.
Liebe wird zu Gleichgültigkeit.
Oder zu Hass…
Warum gibst du mir keine Chance?
Ich bemühe mich um dich.
Sehr sogar.
Deine Abneigung.
Ich lasse sie abprallen.
An mir.
Jedes mal wieder.
Wenn ich zu deinem Vater fahre.
Meinem Freund.
Gehe ich auf dich zu.
Als wärst du meine Tochter.
Ich versuche es.
Und ich hoffe so.
Du würdest es spüren.
Irgendwann einmal.
Tief in dir drin.
Dass ich es gut meine.
Mit dir.
Dass ich sie nicht ersetzen möchte.
Deine Mutter.
Sondern deine Freundin sein will.
Deine große Freundin.
Der du vertrauen kannst.
Die dich liebt.
Und die dich umsorgt…
Ja.
Wir könnten in den Eissalon gehen.
Und eine große Portion Eis schlemmen.
Gemeinsam.
Jede von uns einen großen Becher.
Und wetteifern.
Wer schneller fertig ist…
Wäre das ein Spaß!
Aber wann wird das sein?
Ich weiß es nicht.
Du zeigst mir die kalte Schulter.
Weiter.
Du pflegst diesen Wall.
Zwischen uns.
Du tust mir weh.
Und auch deinem Vater.
Du magst mich nicht…
Vivienne/Gedankensplitter