Gott und die Welt

Was genau macht den Unterschied?
Den Unterschied zwischen einem Menschen der einem Glauben anhängt, der also gläubig ist und einem Menschen, der von sich behauptet, zu wissen, dass es eben keinen Gott geben kann und daher die ganze Religions-Hysterie, ein großer Bluff und ausgemachter Schwindel ist.

Bei Licht betrachtet muss man konstatieren, dass es Fragen gibt, die unbedingt beantwortet werden müssen, es aber wohl nie werden.

Was genau ist Glaube, Gläubigkeit? Worum geht es bei der Atheismus-Diskussion?

Um es gleich vorweg zu sagen: Jeder soll glauben dürfen was er will.

Es ist aber kein Zeichen von Gläubigkeit, jemandem vorschreiben zu wollen, ob und was er glaubt.
Solche Indoktrinierung ist schlimmster Fundamentalismus.

Wobei wir schon wieder bei einem neuen Wort sind, welches ganz dicht mit Gläubigkeit und letztendlich mit Religion verwoben ist. Fundamental-Gläubigkeit oder Fundamentalismus.

Ist bei Fundamental-Gläubigkeit noch der Umstand gemeint, sich ohne wenn und aber ganz auf seinen Glauben verlassen zu wollen, bezeichnet Fundamentalismus die Absicht, andere Menschen vom eigenen Glauben zu überzeugen, möglicherweise mit Gewalt zu bedrohen, oder sogar Gewalt gegen Andersgläubige ganz real anzuwenden.

Nun mag man sich fragen, warum man überhaupt gläubig sein könnte, woran wirkliche Gläubigkeit eigentlich festgemacht werden soll.
Im Menschen gibt es scheinbar das Bedürfnis, alles an Begrifflichkeiten festmachen zu müssen, daher auch seine Ängste und Befürchtungen.

Warum braucht der moderne Mensch einen Gott? Warum wird ein Gottesbild erfleht?
Ein Individuum der Gegenwart, das wenig Bezug zur Kirche hat, trotzdem einen Glauben entwickelt?

Möglicherweise hat der Vorstoß der Wissenschaftlichkeit so etwas wie eine Vorstellung geschaffen, dass alles und nichts zumindest erklärbar sein muss.
Auch scheinbar Unerklärliches!

Weiterhin ist anzunehmen, dass, wenn schon nicht Erklärbares, zumindest personifizierbar sein muss. Das Mysterium einen Namen zu haben hat.

Der Mensch sieht sich selber als etwas Einmaliges an.
Von den nächsten Verwandten trennt ihn das, was sich im Laufe der Entwicklung des Homo Sapiens zum Modernen Menschen als letztendliche Gewissheit herausgebildet haben muss. Wir sind etwas ganz besonderes, die Einmaligkeit, die einen selbstverantwortlichen Willen entwickelt hat.
Die darüber hinaus, so etwas, wie ein Gespür für Verantwortlichkeit entwickelte.

Schon die ganz alten Gesellschaften der Antike haben das Herrschaftsprinzip, die Herrschaft einer einzelnen Persönlichkeit über die Gruppe als ganz wichtige Grundvoraussetzung eines funktionierenden Gemeinwohles erkannt.
Hierbei war Grundvoraussetzung, dass der Einzelne seine Bedürfnisse, der Herrschaft des Führers unterzuordnen hatte.

Ganze Reiche entstanden, wenn die Entscheidungen des Führers im Allgemeininteresse der Gruppe lagen.
Doch ebenso verschwanden ganze Kulturen, wenn die Willensbekundungen der führenden Persönlichkeiten, eben nicht mehr dem Wohl aller entsprachen.

Bei all diesen kulturell bestimmenden Zusammenschlüssen war großes Vertrauen eine der Grundvoraussetzungen für große Erfolge.
Vertrauen in die Person des Führers. Des Häuptlings, des Königs und schließlich des Kaisers.

Und dieses Vertrauensverhältnis konnte nur noch weiter zementiert werden. Durch den darüber hinaus gehenden höheren Auftrag.
Nicht wenige, der sich im Laufe der Epochen bildenden Herrschaftsstrukturen, gründeten auf irgendeinem unausgesprochenen, gleichfalls von allen anerkannten Befehl eines übergeordneten Wesens.
Vermittler dieser Beauftragung, war meistens ein hervorstechender Repräsentant einer gefestigten Glaubensgemeinschaft.
In der Christlichen Welt der Stellvertreter Gottes.
Der Papst, der Bischof von Rom oder in der Ostkirche, der Metropolit.

Die Geschichte der Religionen ist also ganz dicht mit der Geschichte der Herrschaftsansprüche Einzelner verbunden.
Und um diese Ansprüche zu festigen, wurde grundsätzlich der Glaube in die Mitte der Gesellschaft gestellt.
Glaube als etwas Überliefertes, daher Glaubwürdiges.
Als Erbe der Alten, Altvorderen!

Gleichzeitig hatte es sich schon sehr früh ergeben, dass Regularien und verbindliche Handlungsvorschriften, Gesetze also, ganz dicht mit der Person des Befehlshabers verbunden, nur dann Bestand haben würden, wenn eben nicht von diesem, sondern einer noch höheren Instanz stammend.
Sie also, der Unsterblichkeit des Gottes geschuldet, für immer Bestand haben würden.

Das Gottesbild hat also in einem humanistisch begründeten Selbstentwurf, eine personale Substanz zu haben.
Die Befehle, Gebote und Verbote müssen also von einer höchstselbst kontrollierenden Person stammen.
Einer Person, mit dem Menschen vergleichbaren Eigenschaften und darüber übergeordneten, überlegenen Intelligenz.
Das „Ich“ des Menschen in seiner reinsten Form, fernab irgendeiner selbstsüchtigen Besessenheit.

Unmittelbare Substanz, die Personales rückanbindend macht (religio), so die Weisen der Vergangenheit.
Anders nämlich lassen sich Menschliche Grundakte, wie Liebe, Freundschaft und nicht zuletzt Vertrauen, gar nicht mal ernsthaft erklären.

Daraus und nur daraus, lässt sich so etwas wie Verantwortung und damit vereinbare Identität ableiten.

Was hat das alles mit dem Jetzt und Heute zu tun?

Bei der Betrachtung zurückliegender Epochen stellt man immer fest, dass die Welt schon immer in einem beständigen Wettstreit gefangen war, wobei sich alles scheinbar immer um Vernunft und Glauben zu drehen hatte.

Dabei zeigten sich zwei Deutungstechniken. Die der Synthese und die der Analyse.

Während sich Synthese rückblicken gebärdet, also Erwartbares und Berichtetes zu einem Ganzen komponiert (compositio auch additio, so die lat. Übersetzung des griech. „synthesis“), versucht Analyse, das vorhandene Wissen zu zerpflücken und auf seine Grundmuster zu reduzieren (reducto, resolutio, so die lat. Übersetzung von griech. „analysis“).

Während Synthese durch das Zusammenspiel von Geist, Seele und Gemüt entsteht, ist die Analyse ein Werkzeug des Intellekts.

Diese hat erst die klassische Philosophie begründet. Als Idee unseres Menschlichen Systems überhaupt. Weitab jeglicher Ideologien, die lediglich eine einzelne Wahrheit zulassen könnten.
Unvoreingenommen und befreit jeglicher Zwänge und Beschränkungen.

Fortschritte, technische zumindest, wurden erst durch Befreiung von ideologischen Zwängen möglich.
Eine Befreiung von Symbiosen zwischen Herrschaftsanspruch und Grundbesitz zum Beispiel, eines der Grundübel vergangener Rückständigkeiten.
Nur hierdurch war es erst möglich, die Ökonomie von der Person des Menschen unabhängig zu machen.
Die Gesetzmäßigkeiten der Ökonomie, der Mechanik, der Mathematik, der Medizin, der Physik, der Psyche zum Beispiel wurden zum Gesetz und daher als ehern erklärt. Als Teil der Natur, fern jeglicher Gottesvorstellung.
Umdeutungen, die heute als Liberalismus und Befreiung vom Feudalismus zu gelten haben.

Nun stellt sich zunächst die Frage, ob der Atheismus, das Dogma der Nichtexistenz eines vereinheitlichten Gotteswesen, nicht schon selber als Paradoxon und daher eine synthesehafte Ideologie zu gelten hat, die bei strenger Anwendung der ihr zugrunde liegenden Analyse und daher Zerpflückung und Reduktion auf schlüssig vorhandenes Wissen, die Anwendung Wissbaren erstmal ausschließt.

Zu behaupten, dass sich Gott durch Unbewiesenheit selber ausschließt, wäre vermessen. Ebenso, dass Gott durch sich Glaubhaftigkeit selber beweist.

Es wird daher, bei allen Fortschritten der Wissenschaften und daher möglicher Neudeutungen von Beweisbarem, immer bei persönlicher Bewertung von eigenen Vorstellungen und Betrachtungen der Umwelt, ein ganz individuelles Resümee sein, den Gottesbeweis zuzulassen oder diesen als widerlegt zu sehen.

Doch man muss sich auch darüber im klaren sein, dass schon der Grundcharakter der Synthese, als Komposition aus Überlieferung und Vorhergesagtem (Prophezeihungen), eine Festlegung auf ein ganz bestimmtes Gedankenbild (Glaube) fordert und dagegen die Analyse, eine Hinwendung zur Ideologie des Athesimus gar nicht zulässt.

Eine Selbst-Bestimmung des Einzelnen, daher aus der eigenen Rechtfertigung zu geschehen hat und daher immer höchst individuell zu gestalten ist.
Frühkindliche Prägung, wie in (allen!) Religionen üblich, zu unterbleiben hat.

Eine Verfassung, wie die geplante Europäische („ Erziehung im Christlichen Glaubensbild), einer Hinwendung zum Humanismus daher in höchstem Maße Hohn spricht!

A.S. chefschlumpf 20.10.09

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