Liebeskrank – Teil 25

Ich stehe in der Küche.
Schneide mageres Putenfleisch für das Geschnetzelte.
Auf dem Herd ein Topf, in dem Spätzle kochen.
Grüner Salat auf dem Küchentisch.
Champignons in einer Schüssel.
Blättrig geschnitten.
Meine Schürze ist voller Spritzer.
Ich sollte sie mal wieder waschen…
…geht mir durch den Kopf.
Frank erledigt die Einkäufe.
Er meint, ich wäre aus Porzellan…
…seit dem es so aussieht, als wäre ich schwanger.
Was heißt, es sieht so aus.
Ich habe keinen Zweifel.
Mir ist morgens übel.
Nicht viel, aber ich registriere es.
Und meine Tage sind mehr als drei Wochen überfällig.
Eine Strähne meines lockigen Haares kitzelt mich auf der Stirn.
Mit dem Messer in der Hand kratze ich mich am Kopf.
Schließlich lege ich das Messer auf den Tisch.
Unwirsch.
Und setzte mich auf den Stuhl

Ich will nicht schwanger sein!
Ich wollte nie ein Kind.
Nie!!!
Ich bin 37 Jahre alt, ich bin zu alt für ein Kind.
Und wie ist es überhaupt passiert?
War der ganze Wirbel um Stefan daran schuld?
Die Aufregung?
Der Kummer?
Das Leid?
Ich habe die Pille genommen.
Regelmäßig.
Nie vergessen.
Kann mir einer erklären, wie das passiert?
Wozu zahle ich jeden Monat weit über 20 Euro für ein Verhütungsmittel, das nicht funktioniert?
Ich balle meine linke Faust.
Und mir wird wieder übel.
Als wolle mich mein Körper für meine Emotionen bestrafen.
Ein paar Tränen fließen über meine Wange.

Endlich hatte ich das Gefühl, ich würde mein Leben in den Griff bekommen.
Das Glück mit Frank.
Wie ein Glücksfall!
Seine Liebe, sein Beistand.
Sein Verständnis.
Was habe ich mich doch am Anfang lächerlich benommen!
Ihn vor den Kopf gestoßen.
Geduldig hat er alles ertragen.
Und mir das erste Mal in meinem Leben das Gefühl gegeben, dass mich jemand wirklich liebt.
Und jetzt ein Kind.
Das unser Leben wieder auf den Kopf stellen wird.
Ich bin nicht mehr jung.
Womöglich eine Risikoschwangerschaft.
Und Frank?
Frank freut sich.
Er verbirgt es gar nicht.
Das Kind, das er immer wollte.
Nachdenklich gehe ich ins Bad.
Wasche mein Gesicht.
Blicke in den Spiegel.
Du tust dir selber leid! sagt der Geist des Spiegels.
Hat er Recht?

Fünf Minuten später röste ich Fleisch und Zwiebel im Topf.
Gieße mit Suppe auf.
Champignons dazu.
Etwas Gemüse.
Schmecke ab.
Binde mit Rahm und Mehl.
Fein.
Ich decke den Tisch.
Und werfe die Schürze in die Wäschetruhe für Schmutzwäsche.
Frank wird gleich kommen.
Er ist gerade im Stau, erzählt mir seine SMS.
Sein Akku ist fast leer.
Ich brühe mir Tee auf.
Ich habe Kopfweh.
Aber in meinem Zustand kann ich kein Schmerzmittel schlucken.
Alles ist anders.
Termin beim Frauenarzt in zehn Tagen.
Schicksal!
Das hatte Frank gerufen, als ich es ihm sagte.
Anfang letzter Woche.
Er küsste mich.
Und er war so glücklich…!

Und ich denke darüber nach, ob ich dieses Kind…
Plötzlich wird mir speiübel.
Mir ist schwindlig.
Und ich traue mich nicht aufstehen.
Mir wird schwarz vor den Augen.
Irgendwann ist Frank bei mir.
Sein Gesicht ist voller Sorge.
Ich spüre seine Hand.
Und dann ist da noch jemand.
Eine fremde Stimme.
Was ist los?
Meine Gedanken verschwimmen.

Später am Abend werde ich wieder wach.
Ich liege im Bett.
Als ich mich aufrichte, legt Frank seinen Arm um mich.
Liebes, leg dich wieder hin.
Ich bin etwas verwirrt.
Was ist los?
Frank sieht mich warm an.
Nichts.
Ein Kreislaufkollaps.
Du bist umgefallen.
Der Fön hat dir nicht gut getan.
Euch beiden…
Ich sehe Frank an.
Seine blauen Augen leuchten.
Er freut sich auf unser Kind.
Sanft deckt er mich wieder zu.
Ich bleibe auf dem Rücken liegen.
Meine Gedanken sind merkwürdig klar.
Nein, ich kann ihm das nicht antun…

© Vivienne

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