Neue Bohnen Zeitung


von Vivienne  –  Juli 2004



Verantwortung

Jeder von uns trägt Verantwortung.
Zunächst einmal für sich.
Dass es ihm gut geht.
Dass er sich wohl fühlt.
Dass er mit dem Leben zurechtkommt.
So gut als möglich.
Dass er acht gibt auf sich.
Sich selbst liebt und achtet.
Die wichtigste Eigenschaft.
Um auch selber bereit und offen für die Liebe anderer zu werden.
Viele vergessen das.
Sehen nur auf andere.
Und nie auf das eigene Glück.
Irgendwann ist das Leben vorbei.
Und im Rückblick erkennt man.
Dass das Leben an einem vorbeilief.
Vergeudete Zeit.
Vergeudete Möglichkeiten.
Die Verantwortung des Menschen sich selbst gegenüber ist ganz beträchtlich.
Und nicht zu unterschätzen.
Jeder ist seines Glückes Schmied.
Jeder sollte gleichzeitig sein bester Freund sein.

Unleugbar hat aber der Mensch auch andere Verantwortungen.
Seinen Nächsten gegenüber.
All den Menschen, die er liebt gegenüber.
Aber wie weit geht diese Verantwortung?
Muss man eigenes Glück immer dem fremden unterordnen?
Um dann übrigen zu bleiben als der?
Der zu naiv war um sich zu wehren?
Und für sein eigens Glück Sorge zu tragen?
Nein.
Man muss nicht.
Auch Verantwortung für andere hat ihre Grenzen.
Und aufopfern ist nicht der Sinn des Lebens.
Sein Glück nur im Glück des anderen finden…
Das mutet mich ein wenig schal an.
Wie ist es, wenn man um einen Freund ringt?
Der vielleicht sein Leben nie wirklich in den Griff bekommt?
Sei es durch vermeintliches Pech.
Schicksalsschläge.
Jähzorn und Unbeherrschtheit.
Krankheit.
Alkohol oder Ähnliches.
Oder Unstetigkeit.
Ängste.
Feigheit vor dem Leben selbst…

So einem Freund beizustehen.
Ist wichtig.
Selber ist man ja auch froh und glücklich.
Um jeden Beistand.
Den man in schwieriger Situation erhält.
Aber wie weit soll…
Wie weit muss die eigene Hilfe gehen?
Das ist nicht leicht zu beantworten.
Das muss in jedem Fall wieder neu entschieden werden.
Muss jeder für sich selbst wissen.
Es hängt besonders auch vom anderen selber ab.
Wie weit er sich helfen lässt.
Wer andere Ratschläge immer in den Wind schlägt.
Wer immer in dieselben Situationen gerät.
Weil er nicht dazulernt.
Bei dem wird Hilfe irgendwann mühsam.
Immer dasselbe predigen.
Immer dieselben Tipps.
Und trotzdem soll man den Freund immer wieder aus dem Sumpf ziehen?

Manch einer verfällt dann einem Schuldgefühl.
Kann sich nicht lösen.
Der Freund, den man helfen möchte, wird auf Dauer zum Ballast.
Ballast, den man sich unnötig aufgelastet hat.
Ich bin für dich da.
Heißt nicht.
Ich löse all deine Probleme.
Immer und immer wieder.
Wer sein Leben liebt.
Wer sich selbst liebt.
Achtet vor allem auch auf sich selbst.
Nicht immer als oberste Priorität.
Aber immer mit dem Wissen.

Wenn ich nicht auf mich selbst schaue.
Tut es womöglich niemand.

Vivienne

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