Nur kein Mann! – Aus dem Hinterhof der Seele

Sandra feilte sich die Fingernägel.
Die Ordinationshilfe.
Sie rief einen Namen auf.
Eine ältere Frau stand auf.
Ging ins Untersuchungszimmer.
Sandra seufzte.
Wie hatte sie gesagt?
Die Ordinationshilfe?
Ich kann Sie einschieben.
Gerne.
Weil es dringend ist.
Aber es dauert…
Dabei saß sie, Sandra, auf Nägeln.
Ihre Tage.
Drei Wochen überfällig.
Und sie wollte es.
Schwarz auf weiß.
Sie sind schwanger!
Sie lehnte sich zurück.
Aber der Sessel.
Er knarrte.
Die anderen Frauen.
Sie blickten auf.
Sandra setzte sich wieder hin.
Ganz gerade.
Sie würde es erwarten können.
Ganz bestimmt.
Zwei Stunden vielleicht.
Aber sicher nicht länger…

Sandra schloss die Augen halb.
Ließ die letzten Monate Revue passiueren…
Nachdem Felix sie verlassen hatte.
Hatte sie beschlossen.
Kein Mann mehr!
Nein.
Sie wollte ein Kind.
Unbedingt.
Und Fritz.
Er sollte der Vater sein.
Ein alter Freund von ihr.
Seit der Schulzeit.
Ein großartiger Liebhaber.
Aber nicht beziehungsfähig…
Treue?
Ein Fremdwort.
Nicht buchstabierbar.
Alle waren verrückt nach Fritz.
Und er liebte sie alle.
Eine nach der anderen…
Der ideale Vater.
Er würde keine Forderungen stellen.
Ein paar mal Sex.
Das sollte reichen…

Fritz hatte gelacht.
Ein Kind von mir?
Du bist verrückt.
Aber gegen das Abenteuer.
Hatte er nichts einzuwenden.
Und der Sex.
Er war gut gewesen.
Ausnehmend gut…
Fritz.
Er machte seinem Ruf.
Alle Ehre…
Sandra steckte die Nagelfeile ein.
Nun.
Er hatte seine Schuldigkeit getan.
Und mittlerweile.
Vögelte er die Nächste.
Mit Sicherheit.
Vorsichtiger Blick auf das Handy.
Fast Mittag.
Die nächste.
Die würde sie sein.
Endlich.
Und am Wochenende.
Da würde sie eine Party geben!
Für ihre besten Freundinnen.
Nur kein Mann!
Sie schmunzelte.
Und schon gar nicht Fritz.
Fritz hatte ausgedient…
Frau Sandra Schmidhauser!
Sandra zuckte zusammen.
Es war so weit…

Der Arzt begrüßte sie freundlich.
Wie geht es Ihnen?
Sandra war ganz nervös.
Stotterte.
Ich werde Mutter!
Meine Periode!
Sie ist ausgeblieben…
Eine Viertelstunde später.
Der Arzt.
Er wählte seine Worte.
Mit Bedacht.
Nun…
So was kann vorkommen.
Sie haben die Pille abgesetzt.
Gerade erst.
Da kann der Eisprung ausbleiben.
Der Gynäkologe lächelte.
Nehmen Sie es nicht so schwer.
Das wird schon noch.
Sie sind jung.
Und gesund.
Sandra.
Sie taumelte aus dem Behandlungszimmer.
Fast betäubt.
Furchtbar!
Sie war nicht schwanger!
Dabei…
Dabei hatte sie schon einen Namen.
Für das Kind.
Sybille.
So hatte sie heißen wollen.
Als Kind.
Sybille…
Mein Gott!
Sie wischte sich die Tränen weg.
Mein Gott!
Sie musste wieder zu Fritz.
Und sich vögeln lassen.
Von ihm.
Furchtbar…

Lisa.
Die beste Freundin.
Hielt ihr eine Predigt.
Am Telefon.
Nochmal zu Fritz?
Bist du verrückt?
Sei froh.
Dass es nicht geklappt hat!
Und überhaupt.
Was für eine Schnapsidee!
Ein Kind ohne Vater!
Wie wolltest du das schaffen?
Finanziell?
Sandra nickte.
Hörte kaum hin.
Eine neue Idee!
Perfekt!
Einfach nur perfekt…
Daheim.
Sie tröstete sich.
Mit einer Packung Pralinen.
Die sie zu Baileys verschlang.
Auf der Couch.
Lisa.
Sie hatte schon Recht.
Zum Teufel mit Fritz!
Der es nicht brachte.
Ganz offensichtlich.
Künstliche Befruchtung!
Hieß das Zauberwort.
Das perfekte Sperma.
Für ihre perfekte Tochter!
Nur kein Mann!

Vivienne

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