Wer die Geheimnisse des Bettes verrät… – Kritisch betrachtet

„Wer die Geheimnisse des Bettes verrät, ist die Liebe nicht wert.“

Die große, viel zu früh verstorbene Dichterin Ingeborg Bachmann bringt in diesem Zitat zum Ausdruck, wie verletzbar der Mensch in seinem Intimleben ist. So tief verletzt wurde kürzlich auch die Sängerin Jessica Simpson. Dieser Tage stand sie deswegen ausführlichen Meldungen in diversen Klatschgazetten nach kurz vor dem Zusammenbruch. Ihr Ex-Lover, John Mayer, trat nämlich intime Details aus dem Zusammenleben mit Simpson und ihrer Vorgängerin Jennifer Aniston breit. Die Tatsache, dass dieser Mayer wohl ein ziemlicher Versager sein muss, wenn es sonst nichts von gibt, mit dem er sich in Szene setzen kann, tröstet dabei nur wenig. Da ich selber vor Jahren schon einmal in der Situation war, kann ich gut nachempfinden, wie sich Jessica Simpson jetzt fühlt. Ein Mann – aber natürlich genau so eine Frau – der/die über Bettgeschichten mit dem Partner oder der Partnerin nicht schweigen kann, ist simpel formuliert erbärmlich.

Man kann einen Menschen kaum mehr treffen als in seinem Intimleben. Und wenn dann Dinge ausgeplaudert werden, die eigentlich nur die zwei betroffenen Menschen etwas angehen, stellt das wohl den Gipfel der Demütigung dar. Dabei macht es gar keinen Unterschied, ob ein Mann wegen seines kleinen Penisses zum Gespött wird oder die Lieblingsposition einer Frau ausposaunt wird: solche Details mit Häme anderen zu erzählen verrät einen geradezu minderwertigen Charakter – und eine unbeschreiblich große Klappe. Ähnlich, wenn sich ein Mann brüstet, wie oft er in einer Nacht „gekommen“ ist oder wenn eine Frau den Gefährten erniedrigt, weil er versagt hat – das alles hat in der Öffentlichkeit überhaupt nichts verloren. Ich weiß, man redet sich leicht in einer Zeit, in der auch durch elektronische Medien sämtliche Tabus gebrochen werden. Der eine Mann zeigt ungeniert seinen Kollegen Nacktfotos von der Freundin am Handy, die andere Frau schildert im Café ihrer Freundin lautstark wie komisch ihr Mann aussieht wenn er „kommt“…

Wenn ich mich mit einem guten Freund über kaum nachvollziehbare Verhaltensweisen mancher Menschen unterhalte, dann hat er immer einen klugen Spruch als Erklärung auf Lager: „Warum leckt sich ein Hund die Eier? Weil er es kann!“ Besser könnte man wohl auch pervertierte Handlungsweisen wie oben angeführt nicht erklären. John Mayer bekam durch den „Playboy“ die Möglichkeit, zu demonstrieren,  dass sein kleiner Mann vom Körper besser mit Sauerstoff versorgt wird als sein Gehirn und suhlte ungebremst in den vergangenen Bettgeschichten. Geld wird er für die offenherzigen Storys wohl auch bekommen haben und nun weiß ganz Hollywood, was er für ein geiler Hengst ist. Oder vielleicht doch nur, dass er ein mieser Kerl mit gewaltigem Minderwertigkeitskomplex ist. Hauptsache, es wird über ihn geredet und er ist im Blickfeld!

Im normalen Leben sind es nicht die Medien, die in Sachen Intimleben malträtiert werden. Kollegen und Freunde werden da mit den pikanten Infos bedient und wie die stille Post macht so eine Sache oft schneller die Runde als eine Massenmail, und an Details wird dabei nicht gespart. Hemmungen gehen in unserer Gesellschaft immer mehr verloren. Wenn ein solcherart bloßgestellter Mensch dann mit diesem Verrat konfrontiert wird, bricht oft eine Welt zusammen. Es fehlt am Zartgefühl – und vor allem am Hirn – völlig, wenn man mit derartigen Facts nicht zurückhält. Nicht nur weil man den Betroffenen der Lächerlichkeit preis gibt, sondern auch weil man sich selber das schlechteste Zeugnis überhaupt ausstellt. Nämlich, dass man so einer Plaudertasche nicht vertrauen kann, nicht im Geringsten. Wer über sein Sexleben ungeniert reden muss, der kann gar nichts für sich behalten…

Da es mir selber schon so gegangen ist, weiß ich genau, wie man sich dabei fühlt: klein, schlecht, minderwertig, einfach nur übel. Im Grunde kommt man nur schwer wirklich über eine derartige Verunglimpfung oder Bloßstellung hinweg. Das Vertrauen bleibt dabei in jedem Fall auf der Strecke, einer Liebe, einer Beziehung braucht man unter diesen Voraussetzungen keine lange Lebensdauer prophezeien. Soll mir keiner kommen, dass ein Mann das einfach braucht! Dass er seinen Freunden beredt schildern muss wie ihn die Freundin angefleht hat es ihr zu besorgen! Oder dass er sich nur mit Aktfotos der Partnerin unter den Kollegen Achtung verschaffen kann.

Ähnliches gilt aber auch für Frauen: was im Schlafzimmer passiert, und das ist das Besondere daran, gehört nur den zwei Menschen und sonst niemandem. Und nur, weil man heutzutage mehr Möglichkeiten hat, sich als toller Hecht zu produzieren oder weil man dem Liebhaber gezielt eines auswischen kann, der sich eine andere gefunden hat: über solche Bereiche zu reden zeigt ganz klar, dass man keine Achtung hat vor dem betroffenen Menschen, keine Achtung und keinen Respekt. Und diese intimen Dinge gehören mit zum Kostbarsten, das zwei Menschen miteinander teilen können. Ganz klar – das zieht man nicht in den Schmutz, das behält man für sich. Ein ganz besonderes Geschenk – erhaben und schön, unbezahlbar!

Vivienne/Gedankensplitter

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1 Gedanke zu „Wer die Geheimnisse des Bettes verrät… – Kritisch betrachtet“

  1. SONETT VOM BETT

    Das Bett ist ein herrlicher Ort;
    Wir kuscheln uns hier im Winter,
    Zeugen im Liebesrausch Kinder;
    Hauchen manches zärtliche Wort.

    Im Bett sind Freud und Leid vereint;
    Hier ereilen uns die Träume,
    Suchen die Phantasien Räume;
    Wird manch bitt’re Träne geweint.

    Vom Kindbett geht das Leben aus,
    Das Krankenbett ist uns ein Graus;
    Zum Glück führt uns das Ehebett.

    Im Schlaf vergeht die meiste Zeit,
    Und irgendwann ist es soweit;
    Das Nachtlager wird Sterbebett.

    Rainer Kirmse , Altenburg

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