Unbeweglich sitze ich nun schon seit Stunden da. Ich kann nicht aufhören diesen Punkt an der Wand anzustarren. Irgendwie kommt es mir vor als würde er sich bewegen. Meine Augen füllen sich immer und immer wieder mit Tränen. Die Tränen kullern meine Wangen hinunter und mein T-Shirt ist schon total durchnässt. Im Radio kommt ein Liebeslied nach dem anderen. Das lässt mich nur noch mehr in mein tiefes Loch versinken. Mein Kopf schmerzt und in meinem Magen fühlt es sich an, als würden die Schmetterlinge, die ich noch bis gestern dort verspürt habe, wieder zu hässlichen kleinen Raupen werden und mich innerlich auffressen. Meine Gedanken stehen nicht still. Sie drehen sich wie ein wilder Kreisel. Meine Kehle schnürt sich zusammen und ich kann kaum atmen. In meiner Brust steckt ein furchtbarer Schmerz. So muss sich wohl ein gebrochenes Herz anfühlen. Ich kann einfach nicht glauben, dass es vorbei ist, noch bevor es angefangen hat. Ich wollte doch diese Mal alles richtig machen. Ich habe es wieder einmal zugelassen mich zu verlieben, doch mein Herz wurde mir wieder aus der Brust gerissen. Ich wurde verletzt und es tut so unendlich weh. Ich habe keine Ahnung wie es weitergehen soll. Ich habe all meine Hoffnung in ihn gesetzt. Es hat alles so schön begonnen und eine Zeit lang durfte ich diesen Traum leben. Doch jetzt kann ich nur mehr davon träumen, wie es wohl wäre, wenn er mich genauso lieben würde, wie ich ihn. Es fühlt sich an, als wäre ich mit dem Kopf gegen eine Wand gelaufen. Das ist wohl die Wand, die er um sein Herz gebaut hat, um niemanden reinzulassen. Er sagte, er mag mich. Er freut sich immer, wenn er mich sieht. Er redet sehr viel über mich mit anderen und doch hat er dicht gemacht. Ich habe ihm auf flehende Art und Weise mein Liebe gestanden, doch ich erhielt ein „höfliches Nein“, wie er es nennt. Ich habe ihn wahrscheinlich in die enge getrieben und unter Druck gesetzt. Das hat ihm Angst eingejagt und deshalb blockt er ab. Ich bin verzweifelt, denn ich hatte zum ersten Mal in meinem Leben, das Gefühl, den Mann gefunden zu haben, mit dem ich mir vorstellen könnte, alt zu werden. Doch der Traum ist zerplatzt wie eine Seifenblase. Ich fühle mich ausgelaugt und am Boden zerstört. Ich habe auch keine Lust mehr vom Boden aufzustehen. Ich bin jedes Mal aufgestanden, nur um dann wieder tief zu fallen. Ich bin müde und trotzdem kann ich nicht schlafen. Vielleicht will ich auch gar nicht schlafen, denn er könnte sich in meine Träume schleichen. Wie sehr würde ich den Sätzen glauben: Das wird schon wieder. Jeder Topf hat seinen Deckel. Der Richtige kommt schon noch. Das Leben geht weiter. Manchmal frage ich mich wirklich, wer diese unendlich schwachsinnigen Formulierungen erfunden hat. Sicher niemand, der wirklich geliebt hat. Diese Sätze wurden wohl nur für Leute erfunden, die keine eigenen Worte finden. Sicher weiß auch ich, dass es weitergehen wird und auch muss, nur im Moment ist alles sinnlos. Er war der Grund, warum ich in der Früh mit einem Lächeln aufstehen konnte, nur jetzt will ich am liebsten gar nicht mehr aufstehen. Ich bin so verbittert und enttäuscht. Ich fühle mich verraten und ich hasse mich selbst. Ich hasse mich dafür, dass ich fähig bin zu lieben. Dafür, dass ich Gefühle zulasse. Und ich hasse ihn dafür, dass er so ist, wie er ist. Dafür, dass er in mein Herz eingedrungen ist, nur um dort eine tiefe Wunde zu hinterlassen. Meine Hoffnung an das Glück in der Liebe ist nun für immer erloschen. Ich möchte schreien, um meiner Wut Ausdruck zu verleihen. Ich möchte etwas zerstören, so wie er mich zerstört hat. Ich bin gebrochen und doch wünschte ich mir, er wäre jetzt hier bei mir und würde mich in den Arm nehmen, meine Tränen wegküssen und mir sagen, dass er all das nicht so gemeint hat und mich nie mehr loslassen will. Doch für ihn ist die Sache sicher beendet. An mir wird sie sicher noch lange Zeit nagen. Denn wenn ich liebe, dann liebe ich aus ganzem Herzen.‘
Elektra